Cyril Ramaphosa als Nachfolger für Jacob Zuma Womit Südafrikas nächster Präsident reich wurde

Cyril Ramaphosa

Cyril Ramaphosa

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Südafrikas Präsident Jacob Zuma beugt sich dem Druck seiner Partei und ist am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Zuma macht damit Platz für seinen Stellvertreter Cyril Ramaphosa, der seit Dezember bereits die Regierungspartei ANC anführt. Nach Monaten des politischen Chaos und Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs wird Ramaphosa wie ein Erlöser erwartet. In Erwartung der Amtsübergabe ist die Landeswährung Rand auf den höchsten Stand seit 2015 gestiegen.

Ramaphosa kommt nicht nur als Kandidat des Gewerkschaftsbunds Cosatu ins Amt, der seinen einstigen Verbündeten Zuma im vergangenen Sommer aufgab. Auch die Unternehmen verbuchen ihn als einen der Ihren: "Ramaphosa hat selbst eine unternehmerische Vergangenheit und steht demzufolge für eine liberale Wirtschaftspolitik", erklärt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Goldman Sachs' Afrikachef Colin Coleman zeigt sich ebenso überzeugt: "Ramaphosa hat eine klare Idee, was er zu tun hat."

Jacob Zuma beugt sich dem Druck - im Video:

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Ramaphosa verspricht zuerst, mit der grassierenden Korruption aufzuräumen, die in Südafrika das etwas akademisch klingende Thema "State capture" (Vereinnahmung des Staates) zum Begriff gemacht hat - am Mittwoch wurde als Symbol der neuen Zeit die Johannesburger Residenz der indischstämmigen Gupta-Familie, die Zumas Regierung für ihre Geschäftsinteressen eingespannt haben soll, von einer Eliteeinheit der Polizei gestürmt.

Als Programm kündigt der ANC-Chef einen "New Deal für Südafrika" an, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. In fünf Jahren soll die Wachstumsrate auf 5 Prozent steigen. Der Staat soll, flankiert von einem Mindestlohn, bessere Bildungs- und Gesundheitsdienste bringen und das Management der staatlichen Firmen verbessern; trotz insgesamt höherer Einnahmen sollen vor allem kleine Unternehmen steuerlich entlastet werden. Auch die Vorschriften zum "Black Economic Empowerment", der Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit an Unternehmen, will Ramaphosa lockern.

Der zweitreichste Schwarze nennt sich weiterhin Sozialist

Ironie der Geschichte: Er selbst ist einer der größten Profiteure dieser Politik, die nach dem politischen Ende der Rassentrennung auch die ökonomische Apartheid beenden sollte. Ramaphosa gilt als der zweitreichste Schwarze im Land, mit einem laut "Entrepreneur Magazine" auf 6,4 Milliarden Rand (430 Millionen Euro) geschätzten Vermögen, schnellen Autos, edlen Weinen, Büffelranch und dem Bauprojekt einer Villa in bester Kapstädter Lage.

Vor ihm rangieren nur sein Schwager Patrice Motsepe, der einzige schwarze Milliardär - und auch heute noch zwölf weiße Südafrikaner. Die Macht dieser Elite bröckelt zwar wie beim Kollaps der Einzelhandelsgruppe Steinhoff , doch die weiterhin extreme Ungleichheit entlang der alten Rassengrenzen und die Massenarbeitslosigkeit machen den Frust so explosiv.

Ramaphosa, der in den 80er Jahren die Bergarbeitergewerkschaft NUM und den Dachverband Cosatu mitgegründet hatte und sich bis heute als Sozialist bekennt, hatte das Ende der Apartheid als damaliger ANC-Generalsekretär maßgeblich mit ausgehandelt. Er galt als Wunschnachfolger des ersten schwarzen Präsidenten Nelson Mandela, unterlag aber 1997 Thabo Mbeki (dem damaligen Vertreter einer wirtschaftsliberalen Linie) und machte stattdessen zunächst Geschäftskarriere.

Von McDonald's bis zu Platinbergwerken - das Ramaphosa-Imperium

Seine Holding Shanduka übernahm die südafrikanischen Filialen von McDonald's und das Abfüllgeschäft von Coca-Cola , er stieg zum Aufsichtsratschef des größten Mobilfunkers MTN und der Dienstleistungsholding Bidvest auf.

Besonders symbolträchtig sind aber die Investments im Bergbau, der wichtigsten Branche Südafrikas. Shanduka beteiligte sich an mehreren Kohlegruben in Gemeinschaftsfirmen mit dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore  - in demselben Geschäftsfeld, das auch in den Vorwürfen vom "state capture" der von Zuma geförderten Guptas eine zentrale Rolle spielt.

So heißt es in einem "Bloomberg"-Bericht , Glencore sei vom staatlichen Stromversorger Eskom als Hauptabnehmer der Kohle genötigt worden, seinen südafrikanischen Kohleproduzenten Optimum günstig an die Gupta-Firma Tegeta zu verkaufen.

Noch brisanter ist Ramaphosas Rolle bei dem Platinproduzenten Lonmin , wo Shanduka sich an mehreren Bergwerken beteiligte und Ramaphosa in den Aufsichtsrat zog. In dieser Funktion forderte der einstige Gewerkschaftsführer 2012 von der Polizei "begleitende Aktion" gegen "niederträchtig kriminelle" wilde Streiks für höhere Löhne in der Marikana-Mine. Was folgte, war das Marikana-Massaker mit wohl 47 Toten - ein Trauma für das neue Südafrika.

Die Attacke von links ist schon programmiert

Ramaphosa entschuldigte sich für sein Fehlurteil und beteuerte, er habe weitere Gewalt verhindern wollen. Dennoch ist er eine Reizfigur für die vom ANC Enttäuschten, die sich heute in der linken Oppositionspartei Economic Freedom Fighters sammeln und androhen, ihre Angriffe auf Zuma und seinen gekaperten Staat seien "nur ein Picknick" gewesen.

Da hilft die Tatsache wenig, dass die Shanduka-Holding in ihren Unternehmen auch für Jobs und Chancen für Schwarze sorgte und mit den Gewinnen Sozialprogramme wie Stipendien finanzierte. Ebenso wenig, dass Ramaphosa seine Shanduka-Anteile zum politischen Comeback 2014 - zunächst als Vizepräsident unter Zuma - an die Phembani Holding verkaufte, eine andere Black-Economic-Empowerment-Gruppe.

Kaum überraschend angesichts des großen Firmengeflechts, tauchte Ramaphosas Shanduka-Holding auch in den "Paradise Papers" genannten Enthüllungen über Steueroasen auf. Falls Jacob Zuma auf Rache für seinen Sturz aus ist, wird es trotz seiner Ressourcen als früherer ANC-Geheimdienstchef schwierig noch etwas zu finden, was er Ramaphosa anhängen kann. Die Öffentlichkeit hat sich schon an Skandale gewöhnt.

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