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Jared Kushner: Donald Trump, die nächste Generation

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Trump-Adlatus Jared Kushner Der mächtigste Schwiegersohn der Welt

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Jared Kushner: Donald Trump, die nächste Generation

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Jetzt ist er geadelt. "Jared Kushner ist die größte Überraschung der Wahl von 2016", zeigt sich Ex-Google-Chef Eric Schmidt beeindruckt. "Soweit ich sagen kann, hat er tatsächlich den Wahlkampf geführt und das fast ohne Mittel." Das Lob für die Daten-Operation von Donald Trumps Schwiegersohn ist ein Eingeständnis der Niederlage des Tech-Granden, der in gleicher Mission die Gegenseite beraten hatte.

Noch eine Lobhudelei aus dem Silicon Valley? Natürlich vom Verbündeten Peter Thiel: "Wenn Trump der CEO der Kampagne war, war Jared der Chief Operating Officer." Diese Referenzen zieren ein ausführliches Jared-Kushner-Porträt , das die Zeitschrift "Forbes" vorab aus ihrer Dezember-Ausgabe liefert.

Die Geschichte vom unwahrscheinlich erfolgreichen Polit-Startup stützt sich auf ein exklusives Interview des 35-Jährigen, der ohne den Hauch politischer Erfahrung plötzlich im Zentrum der Macht steht. Der Grund dafür heißt Ivanka. Jareds Ehefrau verbindet ihn mit deren Vater, dem künftigen Präsidenten. Und beide stellen die Familie über alles.

"Ich kenne seinen Charakter", ist Kushners Pro-Trump-Motiv. Mein Schwiegervater, ein Rassist und Antisemit? Er respektiert doch mich als Juden. In seiner Treue hat Kushner wiederholt die liberale und konservative Elite beruhigt, ebenso wie Ivanka Trump ihren Vater als wählbar für emanzipierte Frauen präsentierte.

Rache an der liberalen Kulturelite

Gerade weil der familiär den Demokraten verbundene Kushner bei niemandem sonst in Washington auf der Rechnung steht, vertraut Trump ihm. Mehr als jedem anderen, wie es schon ein früheres Porträt der "New York Times"  darstellt: "Er sieht in Mr Kushner eine jüngere Version von sich selbst."

Beide sind reich geboren, als Erben New Yorker Immobilienimperien, die von Emporkömmlingen aus den Vorstädten aufgebaut wurden. Beide jonglierten selbst mit Milliarden und hohem Risiko, und beide fanden trotz aller Elite-Ingredienzen nicht den Respekt der High Society von Manhattan.

Von "Rache an der kulturellen Elite, die sich über sie lustig machte" schreibt auf "Vox"  Matthew Yglesias, der zeitgleich mit Kushner die Harvard-Universität besuchte. Den Studienplatz verdankte Jared Kushner wohl nicht zuletzt einer großzügigen Spende seines Vaters. Der Fall wurde publik, und also wurde "öffentlich über seine Intelligenz gespottet".

Macht nichts, denn Jared Kushner lacht zuletzt. Die Zeit in Harvard konnte er bereits nutzen, um mit Immobilien in Boston und Umgebung zu spekulieren - um dann, mit 25 Jahren, das Erbe von Kushner Companies anzutreten.

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Jared Kushner: Donald Trump, die nächste Generation

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Zu der Zeit musste Vater Charles Kushner ins Gefängnis, verurteilt wegen illegaler Parteispenden (an die Demokraten), Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung (mittels einer angeheuerten Prostituierten). Das Verfahren führte als Staatsanwalt derselbe Chris Christie, der in diesem Jahr das von Jared Kushner einberufene Trump-Übergangsteam leitete, bis er kurz nach der Wahl abserviert wurde. Kushner bestreitet, aus persönlicher Rache zu handeln.

"America first" - aber Jared Kushner wählt das regierende Personal aus

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Ivanka Trump: Die mächtigste Frau im Weißen Haus

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Als junger Chef der väterlichen Firma machte er sich schnell einen Namen mit ganz großen Deals. Für 1,9 Milliarden Dollar drehte Kushner unmittelbar vor dem Platzen der Hauspreisblase 2007 ein Wohnungs-Portfolio mit Schwerpunkt im heimatlichen New Jersey dem Versicherungskonzern AIG an, der bald darauf in die Arme des Staats strauchelte und vom Steuerzahler gerettet werden musste.

Annähernd die gleiche Summe gab er dann für den Wolkenkratzer 666 Fifth Avenue in Manhattan aus, wenige Blocks vom Trump Tower entfernt. Das war bis dato der teuerste Kauf einer Büroimmobilie in den USA. Dieser Deal brachte ihn in Verbindung mit prominenten deutschen Investoren, ebenso wie die Krankenversicherung-App "Oscar "von Bruder Josh Kushner, die auch Türen in der Tech-Szene öffnete.

Fürs Renommee sorgt die Zeitschrift "New York Observer", ein Gesellschaftsmagazin für die gehobenen Kreise, bekannt unter anderem für die Kolumne "Sex and the City", die als Vorlage der gleichnamigen Fernsehserie diente. Jared Kushner kaufte das Blatt 2006 für zehn Millionen Dollar, um sich nebenher als Verleger zu profilieren.

Friedensstifter für den Nahen Osten?

So fand er als Herausgeber auch Gelegenheit, Anti-Clinton-Anzeigen mit Judenstern zu verteidigen. Die Printausgabe des "Observer" stellte er unmittelbar nach der Präsidentenwahl ein, aber die digitale Reichweite hat er mit einer Clickbait-Strategie massiv gesteigert, parallel zum maßgeblich von seinem Datenteam gesteuerten viralen Erfolg der Trump-Kampagne.

Kushners eigene politische Überzeugung bleibt farblos. An der Losung "America first" sei für einen amerikanischen Präsidenten doch nichts auszusetzen, gibt er "Forbes" zu Protokoll. All die Details scheinen ihn ebenso wenig zu interessieren wie die großen ideologischen Linien in dieser Zeit des Umbruchs.

Aber in Personalentscheidungen für die künftige Washingtoner Regierung führt kein Weg an Jared Kushner vorbei.

In den vergangenen Tagen wurde spekuliert, Kushner könne auch ein offizielles Amt im Weißen Haus einnehmen. Zuvor hatte er schon an Geheimdienst-Briefings teilgenommen. Das sei völlig legal, beharrt Trump in einem Gespräch mit der "New York Times". Allerdings werde er wohl lieber doch davon absehen, seinen verwandten Vertrauten mit einem Posten zu bedenken, um das "Gerede von Interessenkonflikten" zu beenden.

Sehr gut vorstellen könne er sich den Schwiegersohn aber, formell oder nicht, als Gesandten im Nahen Osten vorstellen. "Ich würde es lieben, derjenige zu sein, der Frieden mit Israel und den Palästinensern schloss, weil das noch keiner geschafft hat." So oder so, von Jared Kushner wird man wohl noch hören.

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