Berthold Huber bleibt VW-Chefkontrolleur IG Metall setzt sich an Volkswagen-Spitze fest

Von mm-newsdesk
Der links will nicht, also macht der rechts weiter: Wolfgang Porsche (links), Vertreter der Großaktionäre, mit Berthold Huber, Ex-IG-Metall-Chef und weiterhin Aufsichtsratschef von Europas größtem Autohersteller.

Der links will nicht, also macht der rechts weiter: Wolfgang Porsche (links), Vertreter der Großaktionäre, mit Berthold Huber, Ex-IG-Metall-Chef und weiterhin Aufsichtsratschef von Europas größtem Autohersteller.

Foto: Alexander Koerner/ Getty Images

Die bei Europas größtem Auto-Hersteller Volkswagen  ohnehin schon äußerst machtvolle IG Metall baut ihren Einfluss weiter aus. Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber soll länger als geplant Aufsichtsratsvorsitzender Volkswagens bleiben. Mindestens bis zum Jahresende werde der 65-Jährige das oberste Kontrollgremium von Europas größtem Autobauer kommissarisch weiterführen, berichtete "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der gelernte Werkzeugmacher, der später für einige Jahre Philosophie studierte, steht seit dem Rücktritt von Firmenpatriarch Ferdinand Piech im April an der Spitze des Aufsichtsrats. Volkswagen lehnte eine Stellungnahme ab.

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Dass ein Vertreter der Arbeitnehmerbank den Aufsichtsrat länger als nur für wenige Wochen führt, ist eine historische Ausnahme. Normalerweise besetzen die Aktionäre diesen einflussreichsten Posten in einer Aktiengesellschaft rasch wieder mit einem eigenen Vertrauten, um über ihren Abgesandten strategische Entscheidungen prägen zu können. Diese Macht fällt nun Huber zu.

Den Familien Porsche und Piech gehört die Mehrheit der VW-Anteile. Der Sprecher der Porsche-Familie, Wolfgang Porsche, der bereits im Aufsichtsrat sitzt, hätte wohl den ersten Zugriff auf den Chefposten gehabt. Doch der Zeitung zufolge teilte er kürzlich den Eigentümer-Familien mit, dass er nicht für das Amt zur Verfügung stehe. Nach der Absage gelte sein Neffe Ferdinand Oliver Porsche als Kandidat.

Als weiterer Anwärter wird Vorstandschef Martin Winterkorn gehandelt, der allerdings noch für einige Monate auf seinem operativen Spitzenposten bleiben will und soll. Sofern durch die Verlängerung Hubers der direkte Wechsel Winterkorns als dessen Nachfolger an die Spitze des Aufsichtsrats ermöglicht wird, kann die Gewerkschaft mit der langfristigen Dankbarkeit des 68-Jährigen rechnen.

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Neben Huber im Kontrollgremium hält Betriebsratschef und IG-Metall-Mitglied Bernd Osterloh den Volkswagen-Konzern im Operativen unter Kontrolle. Seit Monaten laufen die Verhandlungen, ob er als Personalvorstand in das Konzernmanagement wechseln soll. Er würde dort mehr Geld verdienen, aber weniger Einfluss haben. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag herrsche in der Arbeitnehmervertretung derzeit die Meinung vor, der 58-Jährige sei zurzeit im Betriebsrat besser aufgehoben als im Top-Management.

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Die Organisation des Zwölf-Marken-Konzerns hält selbst Vorstandschef Martin Winterkorn inzwischen für zu kompliziert. Deswegen arbeitet die Unternehmensspitze seit Monaten an einer neuen Struktur - mit dann voraussichtlich auch größeren Folgen für die Belegschaft .

soc, Reuters
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