Montag, 22. Juli 2019

Meng Wanzhou Fußfessel, Pass abgeben und 15 Millionen Dollar Kaution - Huawei-Finanzchefin bittet um Freilassung

Meng Wanzhou während eines Investment-Forums (Archiv-bild)

Die in Kanada festgenommene Finanzchefin des chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei, Meng Wanzhou, hat mit umfassenden Zugeständnissen um ihre Freilassung gebeten: Sie sei bereit, ihren Pass abzugeben, eine elektronische Fessel zu tragen und 15 Millionen kanadische Dollar (knapp zehn Millionen Euro) Kaution zu zahlen, sagte ihr Anwalt am Montag während einer Anhörung in Vancouver. Meng war am 1. Dezember festgenommen worden; die US-Justiz wirft ihr einen betrügerischen Verstoß gegen die Iran-Sanktionen vor und verlangt ihre Auslieferung.

Mengs Anwalt David Martin sagte bei der Anhörung vor Gericht, die Huawei-Finanzchefin sei "das Gesicht eines chinesischen Top-Unternehmens" - sollte sie fliehen oder Auflagen missachten, "ist es nicht übertrieben zu sagen, dass sie China selbst beschämen würde". Bei einer Freilassung aus der Untersuchungshaft sei sie bereit, sich 24 Stunden am Tag überwachen zu lassen und die dafür nötigen Sicherheitsdienste auch selbst zu bezahlen.

Die 46-jährige, Tochter des Huawei-Gründers, führt auch gesundheitliche Probleme an: Sie leide unter Bluthochdruck und sei 2011 wegen Lymphdrüsenkrebs operiert worden, deshalb habe sie Schwierigkeiten beim Schlucken. China hat scharf gegen die Festnahme protestiert und am Montag die "unmenschliche" Behandlung Mengs angeprangert. Am Dienstag ist eine weitere Anhörung vor einem Gericht in Vancouver angesetzt.

Bereits am Freitag hatte Anwalt David Martin argumentiert, es gebe keine Fluchtgefahr. US-Ermittler fordern die Auslieferung Mengs. Sie werfen ihr vor, Verbindungen zu einer Firma vertuscht zu haben, die trotz Sanktionen technische Geräte an den Iran verkaufte. China forderte von Kanada die Freilassung Mengs und drohte andernfalls mit ernsthaften Konsequenzen. Welche Folgen Kanada bei einer Weigerung drohten, blieb allerdings offen.

Seit Bekanntwerden schürt der Fall an den globalen Finanzmärkten Sorgen vor einer Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen den USA und China.

China sieht Menschenrechte verletzt

Bei einer Auslieferung in die USA drohen der 46-Jährigen Anklagen wegen Betrugs im Zusammenhang mit Iran-Sanktionen. Im Fall einer Verurteilung könnte sie für Jahrzehnte ins Gefängnis gehen.

Der Fall sei "extrem abscheulich", heißt es von chinesischer Seite. Die Huawei-Managerin, die zugleich stellvertretende Vorstandschefin und Tochter des Konzerngründers Ren Zhengfei ist, war am 1. Dezember auf Betreiben der US-Behörden in Kanada festgenommen worden.

In den USA ermitteln die Justizbehörden offenbar schon länger gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster. Das "Wall Street Journal" schrieb bereits im April, dass wegen der Iran-Geschäfte von Huawei eine strafrechtliche Untersuchung laufe. Die USA haben den Konzern zudem unter Spionage-Verdacht, deshalb kann Huawei dort geschäftlich auch nur stark eingeschränkt agieren. Huawei hatte hingegen betont, das Unternehmen halte sich an alle Gesetze und Regulierungen, inklusive Exportkontrollen und Sanktionen der Vereinten Nationen sowie der USA und der EU.

rei/dpa/Reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung