Henkel-Chef fängt bei Adidas an Henkel-Aktie im Schleudergang, Adidas sprintet

Von mm-newsdesk
Kasper Rorsted: Der Henkel-Chef wird Nachfolger von Herbert Hainer bei Adidas

Kasper Rorsted: Der Henkel-Chef wird Nachfolger von Herbert Hainer bei Adidas

Foto: DPA

Henkel-Chef Kasper Rorsted kehrt dem Düsseldorfer Konsumgüterriesen vorzeitig den Rücken und wechselt zum Sportartikelhersteller Adidas  . Der dänische Manager scheide nach acht Jahren an der Spitze des Konzerns zum 30. April "auf eigenen Wunsch" aus dem Unternehmen aus, teilte Henkel am Montag mit.

Adidas teilte mit, Rorsted werde den scheidenden Konzernchef Herbert Hainer am 1. Oktober ablösen. Der 61-jährige Hainer verlässt Adidas Ende September, früher als ursprünglich geplant.

Der Markt reagierte auf die Nachricht mit starken Kursschwankungen: Während der bekanntgegebene Wechsel Aktien von Adidas (Kurswerte anzeigen) zum größten Kurssprung seit mehr als sieben Jahren verhalf, rauschten die Papiere von Henkel in den Keller.

In der Spitze zogen Adidas  um mehr als 12 Prozent auf 94,22 Euro an. Henkel (Kurswerte anzeigen) dagegen brachen um bis zu 6 Prozent ein. Das ist der größte Kursrutsch seit den Börsenturbulenzen vom vergangenen Sommer. Mit 87,95 Euro waren die Titel des Konsumgüter-Produzenten so billig wie zuletzt vor vier Monaten.

Kasper Rorsted verlässt Henkel und geht zu Adidas: Die Reaktion an der Börse fällt deutlich aus

Kasper Rorsted verlässt Henkel und geht zu Adidas: Die Reaktion an der Börse fällt deutlich aus

Foto: [m] mm.de; Reuters

"Rorsted ist ein guter Mann", sagte ein Börsianer. Schließlich habe er die Ertragskraft von Henkel verbessert und dadurch den Aktienkurs in die Höhe getrieben. Seit seinem Amtsantritt als Chef im April 2008 hat sich der Aktienkurs des "Persil"-Anbieters mehr als verdreifacht. Der Dax  legte im gleichen Zeitraum weniger als 50 Prozent zu. Zugleich waren in den vergangenen Wochen auch die Zweifel bei Henkel gewachsen, ob der auf Rendite fixierte Rorsted langfristig noch der richtige Mann für den Düsseldorfer Konsumgüterkonzern ist - strategische Investitionen, die das langfristige Wachstum sicherstellen, waren bei Henkel zuletzt Mangelware.

Bei Adidas dagegen ist eine Verbesserung der Profitabilität aus Sicht vieler Anleger derzeit oberstes Ziel: "Wir begrüßen die Ernennung von Herrn Rorsted zum Nachfolger von Herrn Hainer und hoffen, dass damit die lange Durststrecke bei der Profitabilität von Adidas zu Ende geht", sagt zum Beispiel Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Doch auch Henkel hat schon einen Nachfolger für Rorsted gefunden.

Nachfolger für Rorsted bei Henkel steht bereits fest

Der Hersteller von Pritt und Persil hat bereits einen Nachfolger in den eigenen Reihen gefunden: Neuer Henkel-Chef soll Hans Van Bylen werden, der seit 2005 als Vorstand die Kosmetik-Sparte des Konzerns verantwortet.

manager magazin hatte bereits in seiner Dezember-Ausgabe über konzerninterne Zweifel an dem Henkel-Chef berichtet. Rorsted hatte damals beim Adidas-Aufsichtsratschef Igor Landau seine Aufwartung gemacht. Es habe ein "langes und intensives Gespräch" gegeben, bei dem es bereits um die Nachfolge von Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer gegangen sei. Allerdings seien sich Rorsted und Adidas nicht handelseinig geworden.

Rorsted, Vater von vier Kindern, war 2005 vom US-Computerhersteller Hewlett Packard nach Düsseldorf gewechselt. Im April 2008 war er auf den Chefsessel gerückt. Er hatte Henkel schneller und profitabler machen müssen - der Konzern hinkte bei seinen Gewinnmargen der Konkurrenz hinterher. Rorsted lichtete den Markendschungel, stärkte die Top-Marken und steigerte den Kurs der Henkel-Aktien.

Auf der Hauptversammlung am 11. April kann er dann den Anteilseignern noch seine Schlussbilanz vorlegen. "Kasper Rorsted hat für Henkel sehr viel erreicht", erklärte Aufsichtsratschefin Simone Bagel-Trah: "Umsatz und Profitabilität sind deutlich gestiegen."

Der über Jahre erfolgsverwöhnte Konsumgüterriese hatte indes jüngst eine Niederlage einstecken müssen. Im Rennen um den Haarpflegehersteller Wella zogen die Düsseldorfer den Kürzeren, der US-Parfümhersteller Coty erhielt den Zuschlag. Rorsted hatte erklärt, Henkel könne seine Mittelfrist-Ziele 2016 auch ohne milliardenschwere Zukäufe erreichen. Henkel will den Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigern, die Hälfte davon soll in Wachstumsmärkten eingefahren werden. Die neue Strategie wird nun sein Nachfolger Van Bylen ausarbeiten und im November vorstellen. Der 54-jährige Belgier ist Vater von drei Kindern und kennt Henkel sehr gut - seit 1984 arbeitet er für die Düsseldorfer.

rei/ts/Reuters/dpa
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