Neuer Bankenpräsident Peters Die Qualen des Cheflobbyisten

Hans-Walter Peters wird neuer Bankenpräsident. Doch sein erster Auftritt geriet zur Qual. Grund ist die Panama-Affäre, die sein Geldhaus - die Berenberg Bank - einholt.
"Wenn es Fehlverhalten gibt, dann muss Fehlverhalten auch sanktioniert werden": Hans-Walter Peters

"Wenn es Fehlverhalten gibt, dann muss Fehlverhalten auch sanktioniert werden": Hans-Walter Peters

Foto: DPA / Ann-Christine Krings

Eigentlich sollte dieser Montag für Hans-Walter Peters ein Tag zum Feiern sein. Am Abend soll der 61-Jährige im edlen Berliner Humboldt Carré feierlich in das Amt des Bankenpräsidenten eingeführt werden, einer der wichtigsten Lobbyposten der deutschen Wirtschaft. Die Festrede hält Finanzminister Wolfgang Schäuble. Es könnte alles so schön sein. Wenn da nicht die Sache mit Panama wäre.

Denn Peters ist nicht nur der neue Chef des Bankenverbands. Im Hauptberuf leitet er als geschäftsführender Gesellschafter die noble Hamburger Privatbank Berenberg. Und die steckt seit einer Woche mittendrin in der Affäre um die Panama-Enthüllungen um Offshore-Konten und Briefkastenfirmen.

Entsprechend angespannt sitzt Peters an diesem Montag auf einem Podium in Berlin-Mitte. Der Bankenverband hat anlässlich des Wechsels im Präsidentenamt zu einer Pressekonferenz geladen. Eigentlich wollte man hier über harmlose Themen reden - die niedrigen Zinsen, die schlimme Regulierung. Doch nun überlagert die Panama-Geschichte alles andere. Der Andrang der Journalisten ist groß. Mehrere Fernsehsender sind gekommen. Und man merkt allen Beteiligten auf dem Podium an, dass sie am liebsten nicht hier säßen.

"Die Berenberg Bank spielt heute keine Rolle"

Am unglücklichsten schaut Peters selbst drein. Von beiden Seiten hat man ihn abgeschirmt. Rechts sitzt sein Vorgänger als Bankenpräsident, der scheidende Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, der in seiner Einleitung eloquent versucht, das Panama-Thema abzudecken, damit Peters bloß nichts mehr dazu sagen muss. Links von ihm wartet die Kommunikationschefin des Verbands indes darauf, jede Frage zum Thema Berenberg und Panama sofort verbal abzugrätschen. "Die Berenberg Bank spielt heute keine Rolle."

Doch das ist eher Wunschdenken. Denn natürlich geht es auch um die Berenberg Bank und deren Rolle in der Panama-Affäre. Mindestens 76 Offshore-Konten soll das altehrwürdige Institut für betuchte Kunden über die Kanzlei Mossack Fonseca bereitgestellt haben, die im Zentrum der Enthüllungen steht. Andere Banken kommen zwar auf deutlich höhere Zahlen, aber die sind eben auch deutlich größer.

Der Rundfunksender NDR, der an den Enthüllungen beteiligt war, beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Berenberg und Mossack Fonseca als "besonders eng". Das Geldhaus sei in E-Mails an Kunden des panamaischen Unternehmens "immer wieder als Referenzadresse genannt" worden, wenn es darum ging, schnell und effizient ein Konto für eine Briefkastenfirma zu eröffnen. Zudem soll der Sohn einer der beiden Kanzleigründer ein Jahr lang ein Praktikum bei einer Berenberg-Tochter in Zürich absolviert haben.

Fitschen: "Er gehört nicht mehr zu uns"

Das alles muss nicht illegal sein, unschön ist es dennoch. Als oberster Bankenlobbyist ist Peters künftig auf ein gutes Verhältnis zur Politik angewiesen, wenn er in Berlin und Brüssel für die Interessen der gut 200 privaten deutschen Banken kämpfen soll. Da macht sich die Verwicklung in die Panama-Geschichte nicht gut.

Das wissen auch Peters und seine Berater. Am Wochenende gingen sie sicherheitshalber schon einmal in die Offensive: "Alle unsere Geschäfte sind zu 100 Prozent sauber", sagte der Bankchef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es gebe "kein einziges Depot, von dem wir den Menschen dahinter, den wirtschaftlich Berechtigten, nicht kennen". Außerdem bestehe "bei Weitem keine so enge Beziehung von uns nach Panama, wie bisweilen unterstellt wird".

Tatsächlich lässt sich der Bank bisher kein illegales Verhalten nachweisen. Das Bereitstellen von Konten in Steueroasen ist in der Branche üblich und erst mal nicht verboten. Allerdings müssen die Finanzinstitute mit dafür Sorge tragen, dass über die Konten kein Schwarzgeld gewaschen wird und jeden Verdachtsfall anzeigen. Ob sie das auch immer tun, ist nur schwer herauszufinden.

Glaubt man Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, dann sind Geldwäsche und Steuerhinterziehung eher Probleme der Vergangenheit. Doch nun habe sich auch der Zeitgeist gedreht. "Wenn sich jemand daran immer noch beteiligt, dann ist ihm einfach nicht zu helfen. Er gehört nicht mehr zu uns."

Sein Nachfolger Peters sieht immer wieder hilfesuchend zu Fitschen rüber, wenn er mit Fragen zur Panama-Affäre konfrontiert wird. Als es gar nicht mehr anders geht, versucht auch er sich an einem klaren Bekenntnis: "Geldwäsche und Steuerhinterziehung ist absolut nicht tragbar", sagt Peters. Und: "Wenn es Fehlverhalten gibt, dann muss Fehlverhalten auch sanktioniert werden."

So weit, so selbstverständlich. Doch was ist in der Vergangenheit passiert? Früher habe man als Bank oft einfach nicht die Informationen gehabt, um Missstände zu erkennen, meint Peters. "Vor fünf oder zehn Jahren gab es diesen Informationsfluss über das Internet noch nicht." Doch das habe sich mittlerweile ja geändert.

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