Freitag, 19. April 2019

Wann ist die Zeit, sich Zeit zu nehmen? Die bemerkenswerte Rücktrittserklärung des Google-Vorstands

Google-Finanzvorstand Patrick Pichette stellt sich die "Killer-Frage" - und will nun, mit 52, mehr Zeit mit seiner Frau Tamar verbringen

Da war sogar der ansonsten eher zurückhaltende Larry Page ergriffen. "Eine äußerst ungewöhnliche Abschiedserklärung von dem ungewöhnlichsten Finanzvorstand", schrieb der Google-Chef via Google Plus. "Sehr lesenswert - es wird Euer Herz erwärmen", fuhr er fort. Es habe ihm Spaß gemacht mit Patrick Pichette zu arbeiten und er wünsche ihm für seine neuen Abenteuer nur das Beste.

Mit 52 in Rente, so stellt sich der Noch-Google-Finanzvorstand sein neues Leben vor. Innerhalb der nächsten sechs Monate will sich Pichette aufs Altenteil zurückziehen. Zuvor wolle er noch die Suche nach einem Nachfolger begleiten und an diesen die Geschäfte übergeben.

Mehr Zeit für die Ehefrau, mehr Zeit für die Kinder, mehr Zeit fürs Reisen wolle er haben. "Ja, ich weiß, ihr habt diesen Satz schon vorher mal gehört", schrieb der Kanadier in einer langen Erklärung auf Google Plus an knapp 14.000 ihm folgende Nutzer.

Tatsächlich ist das eine beliebte Erklärung, wenn Top-Manager zurücktreten. Nicht selten soll diese Erklärung davon ablenken, dass es vielleicht Unstimmigkeiten mit dem Vorstandschef gab. Allerdings ist Pichette bereits seit knapp acht Jahren Finanzvorstand von Google und angesichts des Unternehmenswachstums und der vielen Abenteuer-Projekte der Google-Gründer dürfte es ihm nicht an Arbeit gemangelt haben.

Zuletzt wurden die Fragen von Investoren und Analysten an den Finanzvorstand zweifelsohne bohrender. Googles Wachstum verlangsamte sich und in Abwesenheit des Google-Chefs, musste Pichette zunehmend die Investoren bei Laune halten. "Wir investieren viel Zeit in unsere Jobs. Ich habe das sicherlich gemacht. Obwohl ich nicht nach Mitgefühl suche, möchte ich meine Gedankengänge erklären, denn ich weiß, dass sehr viele Menschen Probleme haben, die richtige Balance zwischen Berufs- und Privatleben zu finden", schrieb er.

Er habe über viele Jahre zu den Strebern, den Ehrgeizigen gehört. Er komme auf hektische 1500 Wochen Arbeit, rechnete der Finanzmann vor. "Immer bereit, auch wenn ich es hätte nicht sein sollen", betonte er. Seine Kinder würden oft Witze machen, dass die bald 25-jährige Ehe nur so lange gehalten hätte, weil er so oft weg war. Aber er und seine Frau hätten tolle gemeinsame Erlebnisse - und er wolle mehr davon. Das sei ihm nun klar. Das habe seine Frau Tamar verdient. Sie habe ihm die entscheidende Frage gestellt, die "Killer-Frage", wie er es nannte.

Wann ist die Zeit gekommen, sich Zeit zu nehmen?

Im Folgenden können Sie Pichettes Erklärung im Wortlaut lesen:

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung