Ausgerechnet Fußball Was Manager von Trainern lernen könnten

Von Arne Gottschalck

Früher waren sie unrasierte Männer in Ballonseide, die am Spielfeldrand standen und schrien. Heute sind es Anzugträger, die am Spielfeldrand stehen und schreien. Fußballtrainer ist ein Job, der sich erheblich gewandelt hat.

Und damit die Frage hervorruft, was Manager und Entscheider in der Wirtschaft von den Herren des Grüns lernen können. Einiges - zumindest mit ein wenig Distanz betrachtet.

Pep Guardiola - pokern ist eine Kunst

Pep Guardiol:a: Trainer der Bayern

Pep Guardiol:a: Trainer der Bayern

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Noch ist der Spanier Pep Guardiola Trainer des FC Bayern München, doch bald wird es den gleichen Job bei Manchester City antreten. Quasi nahtlos von einem Job in den nächsten hüpfen, ist das kein Problem? Immerhin will er schon jetzt bei Manchester einiges bewegen. Und nebenbei noch die Bayern-11 trainieren. Nachdem er sich monatelang geziert hatte? No hay problemas, kein Problem, befand Guardiola. Er könne das trennen, sei multi-tasking-fähig "wie eine Frau", wie "Sportbild"  ihn zitiert.

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Foto: Thies Rätzke für manager magazin

Nach dieser Auffassung könnte also John Cryan, Chef der Deutschen Bank, ohne Übergangsfrist bei der UBS antreten. Und noch bei der Deutschen Bank über Dinge nachsinnen, die er bei den Schweizern ändern würde. Man dürfte davon ausgehen, dass die Hausjuristen der Deutsche Bank damit ihre Probleme hätten.

Und bei Guardiola? Hängt nun alles am Erfolg. Und der wird bei den Bayern nun einmal am Dreiklang gemessen. Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions-League-Sieg. Klappt das, wird auch die eigenwillige Doppelrolle entschuldigt. Und wenn nicht? Hat Guardiola ja bereits einen neuen Arbeitsplatz.

Jupp Heynckes - stetig steigern

Jupp Heynckes: Einst Trainer der Bayern (unter anderem), nun im Ruhestand

Jupp Heynckes: Einst Trainer der Bayern (unter anderem), nun im Ruhestand

Foto: OLIVIER MORIN/ AFP

Guardiolas Vorgänger war Jupp Heynckes - und der schaffte den Triple aus deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions-League-Sieg. Ein Höhepunkt für den Verein und vermutlich der Höhepunkt des Schaffens von Heynckes. Der damit übrigens eine Fähigkeit von Führungskräften demonstriert, die viel zu selten honoriert wird - sich stetig steigern zu können.

Begonnen hatte Trainer Heynckes bei Borussia Mönchengladbach. Und entdeckte dort Lothar Matthäus. Dann zog es ihn zu den Bayern, 1991 wurde er entlassen. Auf und ab, es geht weiter. Das dürfte gescholtene Manager wie Cryan oder Müller kaum trösten. Aber vermittelt eine längerfristige Perspektive. Und die wiederum ist laut Warren Buffet extrem wichtig. Ausnahmsweise kein Trainer, sondern Anlageguru.

Jürgen Klopp - schlechtes Englisch? No Problem!

Jürgen Kkopp: Trainer von Liverpool

Jürgen Kkopp: Trainer von Liverpool

Foto: Lee Smith/ REUTERS

Matthias Müller, Chef von Volkswagen, hat derzeit keinen guten Stand. Vor allem, weil er die Diesel-Affäre in Ordnung bringen muss. Rückrufaktionen, Strafzahlungen, Reputationsverlust der Marke - es gibt vermutlich weniger fordernde Aufgaben im Management. Und dann noch die Kritik am Englisch Müllers. Dabei gibt es Beispiele in der Trainerwelt, die zeigen, dass es auch ohne Oxford-Englisch geht.

Jürgen Klopp, inzwischen Herr der Anfield Road und des FC Liverpool, hat es in England zu großer Popularität gebracht. Trotz eines Englischs, von dem selbst er nicht so recht überzeugt zu sein scheint.

Vielleicht sollte Müller einfach mal über eine Blinddarm-Operation witzeln  statt über VWs Strategie zu fachsimpeln.


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