Bafin-Aufseherin Frauke Menke Die Frau, die Anshu Jain aus dem Amt jagte

Rigide Kontrolleurin: Frauke Menke hat schon mehrere Karrieren bei der Deutschen Bank gebremst

Rigide Kontrolleurin: Frauke Menke hat schon mehrere Karrieren bei der Deutschen Bank gebremst

Foto: Oliver Berg/ DPA

Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe zieht es Anshu Jain bis ins ferne Japan, zum Telekommunikationskonzern Softbank. In diese Lage befördert hat den bisherigen Starbanker, der noch bis Ende Juni der Deutschen Bank vorstand, eine Beamtin: Frauke Menke, Abteilungsleiterin für Groß- und ausgewählte Geschäftsbanken bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Die Deutsche Bank  bestreitet zwar, dass die Kritik der Behörde am Verhalten des Managers in der Libor-Affäre zu seinem Abgang geführt habe, doch der zeitliche Zusammenhang liegt nahe: Menkes Brief an den Bankvorstand, vom "Wall Street Journal" (€)  jetzt im Volltext (in englischer Übersetzung, PDF)  veröffentlicht, trägt das Datum 11. Mai. Tage später distanzierte sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner öffentlich von der Bankführung, die dann zwar auf der Hauptversammlung mit knapper Mehrheit ein neues Mandat erhielt, Anfang Juni aber Platz für den neuen Chef John Cryan machte.

Menke äußert sich in dem Brief "erstaunt", aus der Presse zu erfahren, "die Sonderprüfung der Bafin habe angeblich eine Entlastung des oberen Managements, insbesondere Herrn Jains, ergeben". Das hatte die Bank selbst im April erklärt, als sie in einem Vergleich mit britischen und US-Behörden 2,5 Milliarden Dollar als Strafe für die Manipulation von Interbankenzinsen akzeptierte. Klar, einzelne Händler haben die Regeln gebrochen, vor allem der längst geschasste Christian Bittar - aber die Topleute wussten doch von nichts.

Wie Jain eine "chinesische Mauer" einriss

Bafin-Abteilungsleiterin Menke sieht das anders. Ihr Fazit der Sonderprüfung, mit der sie ab 2013 die Wirtschaftsprüfung Ernst & Young betraut hatte, mündet in vielerlei Vorwürfe - an erster Stelle gegen Anshu Jain, dessen persönliche Vergehen sie auf gut viereinhalb Seiten auflistet. Als Konsequenz kündigt sie "aufsichtsrechtliche Maßnahmen" an. Im Klartext: Wäre der Topmanager nicht selbst gegangen, hätte die Behörde ihn auch abberufen können.

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Obwohl Jain kein direktes Wissen um Zinsmanipulation seitens der ihm unterstellten Banker vor 2011 - als der Skandal öffentlich wurde - nachgewiesen wurde, sieht Menke ihn als "auf einer höheren Ebene verantwortlich" an.

Jain persönlich habe ein Geschäftsklima geschaffen, das ein Ausnutzen von Interessenkonflikten und die Missachtung von Organisationspflichten begünstigte. Als Beispiel nennt das Schreiben den von ihm angestoßenen Umbau Londoner Handelsräume im Jahr 2005. Seitdem saßen Händler, die mit Zinsspekulationen Gewinne für die Bank machten, an einem Tisch mit den Bankern, die den Tageszins in einem Interbankenpanel mit festlegten.

So wurde eine "chinesische Mauer" ganz praktisch eingerissen, und so entstanden im Team von Christian Bittar, dem Jain persönlich als "unserem besten Mann" Rekordboni zugestanden wurden, außerordentliche Gewinne - die auch Jains Ruf als "Rainmaker" und die Macht seiner Investmentbanker im Konzern festigten.

Frauke Menkes gesammelte Skalps mächtiger Banker

Menke kritisiert auch, dass Jain sich zu Beginn der Finanzkrise, als der damalige Konzernchef Josef Ackermann ihm gegenüber ein Ende der Toleranz gegenüber "kulturellen Defiziten" seiner Kapitalmarktleute wegen des drohenden Rufschadens verkündete, eine defensive Haltung einnahm. "Das hätte für ihn ein unmittelbarer Grund sein sollen, die Geschäftskultur zu überprüfen und zu ändern, doch das tat er nicht."

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Besonders pikiert zeigt sich die Beamtin darüber, dass auch nach Bekanntwerden des Libor-Skandals Konsequenzen ausblieben und die Aufklärung behindert wurde. Es bestehe "der Verdacht, dass Herr Jain wissentlich falsche Angaben gegenüber der Deutschen Bundesbank gemacht" habe. Gelogen! Im Angesicht einer deutschen Aufsichtsbehörde!

Frauke Menke hat, soweit bekannt, in ihrem Berufsleben nie etwas anderes getan als Banken zu beaufsichtigen. Vor allen Dingen hat sie nie die Seiten gewechselt, was in diesen Gremien durchaus gewöhnlich ist.

Machtvoll auch in der Mitte des Organigramms

Ihr Name gebietet schon seit Jahren Ehrfurcht in den Frankfurter Bankentürmen. Menkes öffentliche Persönlichkeit besteht ausschließlich aus dem gewissenhaften, kompromisslosen Ausüben ihrer Rolle. Etwas Ambition blitzte im vergangenen Jahr auf. Während es zwei andere prominente Bankenaufseherinnen, Elke König und Sabine Lautenschläger, zu europäischen Aufgaben zog, wurde Menke als Nachfolgerin für Lautenschläger im Bundesbankvorstand gehandelt. Den Job bekam stattdessen die Ökonomin Claudia Buch.

Einstweilen begnügt sich Frauke Menke mit der Macht, die ihr der Posten auf dritter Ebene einer dem Finanzministerium unterstellten Behörde verleiht. Die Juristin hat schon einige Karrierepläne von Starbankern durchkreuzt.

Bei der Deutschen Bank zum Beispiel die von Justiziar Richard Walker, oder die des einst von Jain als Risikovorstand favorisierten William Broeksmit. Ex-Deutschbanker und Ex-HRE-Chef Axel Wieandt verweigerte sie die Erlaubnis zur Leitung der deutlich kleineren Bank BHF, mangels Eignung. Besonders spektakulär war 2009 die Vorladung der Kölner Bankiersfamilie von Oppenheim am Tag einer Beerdigung.

Mit dem aktuellen Libor-Bericht urteilt Menke auch über weitere Vertreter von "Anshu's Army", der bisher größten Macht in der Deutschen Bank. Direkt betroffen ist Alan Cloete, der zur fraglichen Zeit den Handel mit Zins- und Devisenprodukten leitete und vor Jain den Hut nehmen musste. "Schwerwiegende Versäumnisse" wirft Menke auch Michele Faissola vor, der als Leiter der Vermögensverwaltung noch dem erweiterten Vorstand angehört. Der größte Skalp aber ist der des Anführers, Anshu Jain.


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