Milliardenspielplatz Fußball "Wir werden sehr bald den Einstieg von Chinesen bei einem Bundesliga-Club sehen"

Klaus Hofmann vor dem Rot-Weiß des Vereins

Klaus Hofmann vor dem Rot-Weiß des Vereins

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Der Bundesligist FC Augsburg und das Brandschutzunternehmen Minimax Viking haben eines gemeinsam - an deren Spitze steht Klaus Hofmann. Ein Gespräch über Fußballmillionen und chinesische Investoren. Und darüber, was Wirtschaftslenker vom Rasensport lernen können.

Die exklusive Veranstaltung der manager Lounge  mm: Sie vereinigen mit dem Chef- und Gesellschafterposten beim Bad Oldesloer Brandschutzspezialisten Minimax Viking und mit Ihrer Position als Präsident des FC Augsburg und -Haupteigner der Fußballgesellschaft zwei sehr unterschiedliche, aber auch fordernde Rollen. Was treibt Sie an?

Hofmann: Da steckt kein Masterplan dahinter. Chef von Minimax bin ich jetzt seit sechzehn Jahren, FCA-Fan seit über vier Jahrzehnten. Ich mag das eine und das andere. Klar will man gewinnen, hier und da. Und wenn möglich immer....

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mm: Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Termin bei einem Großkunden für einen wichtigen Auftrag, und zeitgleich spielt der FCA im Europa-League-Viertelfinale. Wie entscheiden Sie sich?

Hofmann: Das Viertelfinale würden die Jungs ohne mich gewinnen.

mm: Gibt es Synergien zwischen Ihren zwei Top-Jobs?

Hofmann: Ja, die gibt es tatsächlich. In einem Unternehmen lernt man, dass es Hierarchien, Prozesse und Strukturen geben muss. In einem Bundesligaverein merkt man schnell, dass jeder EINZELNE seine Aufgabe zu hundert Prozent zu erfüllen hat. Das vernachlässigt man bisweilen in der Industrie.

mm: Sie als Unternehmer wissen, dass man investieren muss, um zu wachsen. Bei Minimax Viking haben Sie den Umsatz seit 2002 von 380 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro gesteigert. Ist es wirklich ein Zukunftsmodell, mit dem zweitkleinsten Budget in der Bundesliga mitspielen zu wollen?

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Hofmann: Nein, aber die Aussage stimmt so nicht mehr. Wir hatten zu Beginn das kleinste Budget, dann das zweitkleinste und inzwischen nur mehr den viertkleinsten Etat. Und das wird hoffentlich nicht das Ende der Fahnenstange sein. Trotzdem ist das, wie ich finde, in wenigen Jahren schon eine beachtliche Entwicklung. 2001 haben wir immerhin noch in Liga vier gespielt.

Defensiv? "Unsinn"

mm Für die Saison 2014/15 wiesen Sie bei 49 Millionen Euro Umsatz acht Millionen Euro Überschuss aus. Sie könnten sich doch mehr leisten?

Hofmann: Bis vor drei Jahren hatte der FCA ein negatives Eigenkapital. Wir haben vernünftig gewirtschaftet und jetzt ein deutliches Plus auf der Passivseite der Bilanz. Das investierten wir in Spieler, Infrastruktur und Nachwuchs. Für so falsch halte ich das nicht!

mm: Insgesamt wirkt der FCA in der Bundesliga, mit Verlaub, eher defensiv als gestaltend; das gilt für das Spiel der Mannschaft ebenso wie für Ihre gesamte Vereinspolitik, was etwa den Einkauf von Spielern angeht.

Hofmann: Sorry, aber das ist leider Unsinn. Wir haben in jüngster Vergangenheit für 30 Millionen Euro Spieler verpflichtet. Auch steht der FCA im Gegensatz zu anderen kleineren Vereinen für gepflegten und halbwegs offensiven Fußball, was wir auch letztes Jahr in der Europa League unter Beweis gestellt haben.

mm: Sie halten mit anderen privaten Geldgebern - wie Sie FCA-Fans - nahezu alle Anteile an der Fußball-Gesellschaft. Sind Sie persönlich die "Restriktion", dass der FCA sich nicht stärker entwickeln kann?

Hofmann: Die Frage verstehe ich nicht. Die Restriktion ist, dass wir nicht mehr Geld ausgeben als einnehmen. Da stehen wir, glaube ich, als beispielgebend in der Bundesliga. Wir haben zudem alle Vermarktungsrechte und das Stadion als Verein zurück gekauft. Zudem wird definitiv nichts an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern in den Verein investiert. Die einzige Restriktion ist die wirtschaftliche Vernunft.

mm: Sie sind sehr erfahren im Umgang mit Finanzinvestoren, haben bei Minimax Viking die vierte Investorengruppe in 15 Jahren an Bord. Warum holen Sie beim FCA keine professionelle Beteiligungsgesellschaft ins Boot?

Hofmann: Weil die Kurzfristigkeit von Finanzinvestoren nicht zur soliden Entwicklung eines Vereins passt.

mm: Waren die Erfahrungen bei Minimax so abschreckend?

Hofmann: Im Gegenteil, die Erfahrungen dort waren und sind nachweislich ausgezeichnet.

mm: Bei Hertha BSC ist Anfang 2014 der US-Investor KKR eingestiegen. Es funktioniert also auch bei Fußballclubs?

Hofmann: In einer Notsituation wie bei Hertha BSC kann es im Einzelfall sicher Sinn machen.

mm: Die Chinesen kaufen gerade deutsche Technologieunternehmen noch und nöcher. Wann auch den ersten Bundesligaclub?

Hofmann: Als Mehrheitsgesellschafter nicht so schnell, im Bereich unterhalb der 50-Prozent-Schwelle sehr bald, vielleicht sogar noch diese Saison.

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