Freitag, 21. Juni 2019

Milliardenspielplatz Fußball "Wir werden sehr bald den Einstieg von Chinesen bei einem Bundesliga-Club sehen"

Klaus Hofmann vor dem Rot-Weiß des Vereins

2. Teil: Defensiv? "Unsinn"

mm Für die Saison 2014/15 wiesen Sie bei 49 Millionen Euro Umsatz acht Millionen Euro Überschuss aus. Sie könnten sich doch mehr leisten?

Hofmann: Bis vor drei Jahren hatte der FCA ein negatives Eigenkapital. Wir haben vernünftig gewirtschaftet und jetzt ein deutliches Plus auf der Passivseite der Bilanz. Das investierten wir in Spieler, Infrastruktur und Nachwuchs. Für so falsch halte ich das nicht!

mm: Insgesamt wirkt der FCA in der Bundesliga, mit Verlaub, eher defensiv als gestaltend; das gilt für das Spiel der Mannschaft ebenso wie für Ihre gesamte Vereinspolitik, was etwa den Einkauf von Spielern angeht.

Hofmann: Sorry, aber das ist leider Unsinn. Wir haben in jüngster Vergangenheit für 30 Millionen Euro Spieler verpflichtet. Auch steht der FCA im Gegensatz zu anderen kleineren Vereinen für gepflegten und halbwegs offensiven Fußball, was wir auch letztes Jahr in der Europa League unter Beweis gestellt haben.

mm: Sie halten mit anderen privaten Geldgebern - wie Sie FCA-Fans - nahezu alle Anteile an der Fußball-Gesellschaft. Sind Sie persönlich die "Restriktion", dass der FCA sich nicht stärker entwickeln kann?

Hofmann: Die Frage verstehe ich nicht. Die Restriktion ist, dass wir nicht mehr Geld ausgeben als einnehmen. Da stehen wir, glaube ich, als beispielgebend in der Bundesliga. Wir haben zudem alle Vermarktungsrechte und das Stadion als Verein zurück gekauft. Zudem wird definitiv nichts an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern in den Verein investiert. Die einzige Restriktion ist die wirtschaftliche Vernunft.

mm: Sie sind sehr erfahren im Umgang mit Finanzinvestoren, haben bei Minimax Viking die vierte Investorengruppe in 15 Jahren an Bord. Warum holen Sie beim FCA keine professionelle Beteiligungsgesellschaft ins Boot?

Hofmann: Weil die Kurzfristigkeit von Finanzinvestoren nicht zur soliden Entwicklung eines Vereins passt.

mm: Waren die Erfahrungen bei Minimax so abschreckend?

Hofmann: Im Gegenteil, die Erfahrungen dort waren und sind nachweislich ausgezeichnet.

mm: Bei Hertha BSC ist Anfang 2014 der US-Investor KKR eingestiegen. Es funktioniert also auch bei Fußballclubs?

Hofmann: In einer Notsituation wie bei Hertha BSC kann es im Einzelfall sicher Sinn machen.

mm: Die Chinesen kaufen gerade deutsche Technologieunternehmen noch und nöcher. Wann auch den ersten Bundesligaclub?

Hofmann: Als Mehrheitsgesellschafter nicht so schnell, im Bereich unterhalb der 50-Prozent-Schwelle sehr bald, vielleicht sogar noch diese Saison.

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