Wichtigster Partner prüft Rausschmiss War´s das für Amerikas jüngste Selfmade-Milliardärin?

Trägt immer schwarz, damit es um Inhalte und nicht um Kleidung geht: Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes

Trägt immer schwarz, damit es um Inhalte und nicht um Kleidung geht: Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes

Foto: © Mike Blake / Reuters/ REUTERS

Für Elizabeth Holmes kommen die Einschläge immer näher. Noch im Oktober hatte die Gründerin des Medizintechnik-Startups Theranos als "der nächste Steve Jobs" vom Cover des Magazins "Inc." gelächelt - ein paar Monate später ist nur noch wenig vom einstigen Glanz geblieben. Nun überlegt offenbar selbst ihr wichtigster Partner, wie er die Zusammenarbeit mit Theranos schnellstmöglich beenden kann.

Im Jahr 2013 war das zehn Jahre zuvor gegründete Unternehmen gemeinsam mit der Apothekenkette Walgreens angetreten, den Markt für medizinische Tests zu revolutionieren: Kostengünstig und schmerzfrei wollen sie Menschen mit nur einer kleinen Blutprobe auf dutzende Krankheiten untersuchen.

Nach einer 400 Millionen Dollar schweren Finanzierungsrunde wird der Unternehmenswert 2014 auf neun Milliarden Dollar taxiert, was Holmes zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der USA macht. Ende 2015 ist Theranos in gut 40 Walgreens-Filialen im US-Staat Arizona vertreten.

Zu jenem Zeitpunkt steckt das Unternehmen allerdings bereits tief in seiner schwersten Krise: Das "Wall Street Journal" hatte im Oktober 2015 über Zweifel an der Genauigkeit   der von Theranos entwickelten Testverfahren berichtet: Die Gesundheitsbehörde hatte anschließend beanstandet, der "Nanotainer", in dem das Unternehmen seine Blutproben aufbereite, sei nicht zugelassen. In der Folge verzichtete Theranos schließlich auf die Verwendung fast aller eigener Tests.

Die Krise im Überblick: Eine kurze Theranos-Chronik

Nach einer erneuten Schelte durch die Regulierungsbehörde CMS, die einem kalifornischen Theranos-Labor ernsthafte Gefahren für Gesundheit und Leben seiner Patienten attestierte, zieht Walgreens nun offenbar die Reißleine: Laut einem Bericht der "Financial Times" (€)  sucht die Kette nach Möglichkeiten, die Kooperation zu beenden: Ob der immer größer werdenden regulatorischen Schwierigkeiten werde sie ungeduldig, mehr und mehr habe sich inzwischen die Meinung durchgesetzt, dass Theranos seine Probleme nicht kurzfristig lösen könne.

Derzeit prüften laut "FT" Anwälte die Verträge zwischen Walgreens und Theranos, um einen möglichen Ausstieg vorzubereiten.

Ein solcher könnte für Holmes und ihr Unternehmen fatal sein: Fast alle ihrer gut 40 "Wellness Center" befinden sich in Walgreens-Filialen. Theranos selbst glaube nicht, dass rechtlich eine Grundlage für einen Ausstieg bestehe, zitiert die "FT" eine Person, die das Unternehmen berate. Offiziell hat sich bislang keine der Seiten geäußert.

Noch im Dezember hatte Holmes in "Bloomberg Businessweek" gesagt, der Hauptfokus ihrer Krisenbewältigung liege auf Technologie und Wissenschaft; sie müsse nun die Daten liefern, die die FDA für eine Zulassung ihrer Produkte benötige. "Wir müssen die Daten veröffentlichen. Weil das für sich selbst spricht."