Sonntag, 26. Mai 2019

Elizabeth Holmes' Vermögen verschwunden Forbes setzt einstige Blut-Milliardärin auf Null

"Forbes senkt ihre Bewertung auf nichts." Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes ist ihren Milliardärsstatus los

"Im vergangenen Jahr stand Elizabeth Holmes mit einem Vermögen von 4,5 Milliarden Dollar an der Spitze der Forbes-Liste der reichsten Selfmade-Frauen Amerikas. Heute hat Forbes diese Einschätzung ihres Vermögens korrigiert - auf nichts."

Reichlich nüchtern fasst das US-Magazin "Forbes", berühmt für seine Schätzungen des Vermögens der reichsten Menschen der Welt, den nächsten Tiefschlag für die umstrittene Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes zusammen: Die einstige Blut-Milliardärin, die mit ihrem Unternehmen Theranos den Markt für medizinische Tests revolutionieren will, ist nichts mehr wert.

Die vormalige Einschätzung des Holmes'schen Vermögens basiere komplett auf ihrem 50-Prozent-Anteil an Theranos, erklärt das Magazin den Schritt; dessen Wert habe man ausgehend von einer 2014er Finanzierungsrunde auf 9 Milliarden Dollar beziffert. Angesichts aktueller Vorwürfe (die selbst entwickelten Tests des Unternehmens sollen ungenau sein), von Ermittlungen (Börsenaufsicht und Gesundheitsbehörden) und anderen Offenbarungen (Theranos soll weniger als 100 Millionen Dollar Jahresumsatz machen) sei diese Zahl allerdings nicht länger zu halten.

Holmes-Anteil "im Grunde genommen nichts wert"

Aufstieg und Fall von Theranos
2003

Die 19-jährige Elizabeth Holmes gründet Theranos – zuvor hatte sie ihr Studium an der Elite-Universität Stanford abgebrochen.

2003 bis 2013

Theranos stellt Wissenschaftler ein und arbeitet zumeist außerhalb der medialen Wahrnehmung an Prototypen.

2010

Nach verschiedenen Finanzierungsrunden erreicht Theranos eine Bewertung von 1 Milliarde Dollar.

2013

Theranos beginnt damit, seine Tests zu bewerben, und geht eine Partnerschaft mit der Apothekenkette Walgreens ein.

2014

400 Millionen Dollar schwere Finanzierungsrunde – Theranos wird nun mit 9 Milliarden Dollar bewertet, Holmes ist damit jüngste Selfmade-Milliardärin der USA.

Oktober 2015

Das "Wall Street Journal" zweifelt öffentlich an der Genauigkeit der Theranos-Testverfahren; die „Financial Times“ stellt die Kompetenz von Wissenschaftlern infrage.

Oktober 2015

Theranos schränkt den Gebrauch seiner selbstentwickelten Tests massiv ein. Die Food and Drug Administration wertet Theranos-Gerätschaften als "nicht genehmigt".

Januar 2016

Laut US-Behörde CMS gefährdet ein Theranos-Labor in Kalifornien die Gesundheit seiner Patienten – es drohten "ernsthafte Verletzungen, Schäden oder Tod."

Februar 2016

Laut "Financial Times" prüft die Apothekenkette Walgreens Möglichkeiten, ihren Vertrag mit Theranos vorzeitig zu kündigen.

April 2016

Die "Centers for Medicare and Medicaid Services" ermitteln - und stellen in Aussicht, Gründerin Holmes aus ihren Laboren auszusperren.

Mai 2016

Theranos-COO und -President Sunny Balwani tritt zurück.

Nach Gesprächen mit einem Dutzend Investoren, Analysten und Branchenkennern sehe man Theranos eher bei einer Bewertung von 800 Millionen Dollar - "das hält dem Unternehmen sein geistiges Eigentum sowie 724 Millionen Dollar zugute, die es bislang in Finanzierungsrunden eingeworben haben soll".

Bei einer so niedrigen Bewertung, schreiben die "Forbes"-Experten erneut sehr nüchtern, sei der Holmes'sche 50-Prozent-Anteil nicht etwa 400 Millionen Dollar, sondern "im Grunde genommen gar nichts wert": Ihre Investoren hielten Vorzugspapiere. Im Falle einer Abwicklung des Unternehmens würden zunächst sie ihr Geld zurückbekommen, "bevor Holmes auch nur einen Cent sieht."

Einen möglichen Ausweg billigt "Forbes" Holmes allerdings zu: Im August werde sie auf dem Jahrestreffen der American Academy of Clinical Chemistry einen Vortrag halten und Theranos-Daten enthüllen. Vielleicht könne das ein wenig Licht auf die Frage werfen, ob künftig mit einer Verbesserung der Technologie gerechnet werden könne.

Grundsätzlich sei es natürlich möglich, dass Holmes so neues Kapital zu einem besseren Kurs einsammeln könnte, als ihn die 800-Millionen-Bewertung vorgeben würde - "aber wetten würden wir darauf nicht."

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