Mittwoch, 24. April 2019

Baulöwe, Super-Ego, Präsidentschafts-Kandidat Wie reich ist Donald Trump wirklich?

Immobilien, Geld und schöne Frauen: Die größten Schätze des Donald Trump
REUTERS

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für politischen Erfolg, das weiß wohl jeder, der schon mal Wahlkampf gemacht hat, ist Volksnähe. Ganz gleich, worum es geht, die Botschaft, die beim Wähler ankommen muss, lautet: Ich bin einer von euch.

Das gilt natürlich auch in den USA. Es sei denn, man heißt Donald Trump.

Der Immobilienmogul und Boulevard-Star verfolgt offenbar eine stark abweichende Strategie, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Als Trump am Dienstag in New York sein Vorhaben kundtat, ebenfalls US-Präsident werden zu wollen, da kam beim Wähler wohl vor allem eine Botschaft an: Ich bin keiner von euch.

Zwischen Trump und dem Gros der Amerikaner gibt es vor allem einen Unterschied: Trump ist "wirklich reich", wie er selbst bei seinem skurrilen Auftritt im Foyer des Trump Towers im Herzen Manhattans betonte. Als Beleg wedelte der 69-jährige auf dem Podium mit einem Zettel herum, auf dem sein Vermögen angeblich vollständig aufgeschlüsselt war.

Dazu sollte man wissen: Wenn es um seine Person ging, hat sich Trump noch nie durch übertriebenes Understatement bremsen lassen. Dynamisch, selbstbewusst, erfolgreich: Der Immobilienmagnat, dessen Familie einst aus dem pfälzischen Kallstadt ausgewandert war, verkörpert den amerikanischen Self-Made-Mann in Reinkultur - oder zumindest eine leidlich gelungene Karikatur davon.

Dass Trump also im Laufe der Jahre ein gewisses Vermögen angehäuft hat, steht wohl außer Frage. Aber wie viel ist es wirklich? Darüber wird in den USA seit Jahren gestritten, wobei der alternde Blondschopf im Disput nicht selten den aktivsten Part übernimmt. Will sagen: Trump selbst schätzt sein Vermögen deutlich höher ein, als dies verschiedene Beobachter tun.

Noch Anfang Juni habe Trump behauptet, er besitze zehn Milliarden Dollar, berichtet etwa die Nachrichtenagentur Bloomberg aus einem Meeting mit dem Unternehmer in seinem Büro an der Fifth Avenue in New York. Am Dienstag dagegen bezifferte Trump seinen Reichtum auf etwas mehr als 8,7 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro). Darin enthalten seien unter anderem, so zitiert CNN aus Trumps mitgebrachter Vermögensübersicht:

  • 302 Millionen Dollar an flüssigen Assets,
  • 3,3 Milliarden Dollar an Immobilien-Lizenzen und -Markendeals sowie
  • 3,7 Milliarden Dollar an gewerblichem Immobilienbesitz.

Auf der anderen Seite stehen die Einschätzungen von Beobachtern, die sich professionell mit der Welt der Reichen und Superreichen beschäftigen. Und denen zufolge backt Trump deutlich kleinere Brötchen.

Das US-Magazin "Forbes" etwa führt ihn mit einem Vermögen von 4,1 Milliarden Dollar auf Platz 405 der reichsten Menschen der Welt. Im Milliardärs-Index von Bloomberg würde Trump mit zehn Milliarden Dollar zwischen Platz 130 und 140 von insgesamt 200 gelisteten Personen rangieren. Tatsächlich taucht der Amerikaner auf dem Ranking aber überhaupt nicht auf.

Die Agentur Wealth-X taxiert Trump eher auf 4,2 Milliarden Dollar. Sprecher Fauzi Ahmad glaubt aber laut CNN, der Markenname "Trump" könne diese Zahl durchaus in die Höhe treiben.

Damit spricht der Reichenexperte den Knackpunkt an: Wie viel ist die Marke "Trump" wert? Daran scheiden sich die Geister - und das macht vor allem den Unterschied zwischen den verschiedenen Angaben zu Trumps Vermögen aus.

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Grundsätzlich ist es immer schwierig, den genauen Wert einer Marke zu bestimmen. Das ist im Falle Trump nicht anders. Der bekannte Name steht auf Hotels, Krawatten, Duftwasser und vielem mehr.

Trump selbst glaubt, seine Marke sei mehr als drei Milliarden Dollar wert, denn er sei "bullish" in Bezug auf die Zukunft seiner Firma, schreiben US-Medien. "Forbes" dagegen beispielsweise schätzt Trumps Markenwert auf 125 Millionen Dollar, mehr nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit Dritten über seinen finanziellen Status über Kreuz gerät. 2005 behauptete US-Autor Timothy O'Brien in seinem Buch "TrumpNation: The Art of Being the Donald", der Immobilienmogul sei gar kein Milliardär, sondern lediglich ein Millionär. Auf 150 bis 250 Millionen Dollar taxierte O'Brien das Vermögen Trumps, wobei er drei ungenannte Quellen zitierte.

Trump, lediglich ein mickriger Millionär - das konnte der eitle Amerikaner nicht auf sich sitzen lassen. Trump verklagte den Verfasser des Buches auf fünf Milliarden Dollar - und unterlag.

Zuletzt flammte die Debatte 2011 auf, als Trump das letzte Mal mit der US-Präsidentschaft flirtete. "Forbes" verbreitete seinerzeit, Trump sei nicht mehr als 2,7 Milliarden Dollar schwer. Auch dieser Behauptung widersprach der Immobilienunternehmer öffentlich.

Christoph Rottwilm auf Twitter
Wie reich ist Donald Trump also wirklich? Die Frage muss vorläufig unbeantwortet bleiben. Immerhin: Sollte Trump an seiner Kandidatur festhalten, wird er demnächst gegenüber der US-Wahlkommission präzise Angaben zu seinem Vermögen machen müssen, inklusive Informationen über seine Einkommensteuer. Die Diskussionen über den wahren Reichtum des Donald Trump dürfte das zwar nicht beenden. Es gäbe dann aber zumindest noch eine weitere, amtliche Version.


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