Mittwoch, 19. Februar 2020

Alt gegen jung, digital gegen analog Wie sich der Kampf der Generationen in den Büros beenden lässt

Konflikt der Generationen: "Das haben wir schon immer so gemacht" ist kein Argument
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Konflikt der Generationen: "Das haben wir schon immer so gemacht" ist kein Argument

Es ist das gleiche Spiel jeden Tag: Junge Mitarbeiter wollen die Welt erobern. Sie wollen sofort anpacken und unvermittelt alles ändern. Ihnen gegenüber stehen sehr erfahrene Kollegen, welche die Prozesse und Handlungsmöglichkeiten kennen. Es prallen Welten aufeinander.

Jakob Osman
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    Anja Nier/Agentur Junges Herz
    Jakob Osman, geboren 1987, ist Experte für Employer Branding. Seine Agentur Junges Herz berät Kunden aus allen Branchen im Bereich Personal- und Ausbildungsmarketing.

Der Konflikt wird in vielen Fällen nicht offen ausgetragen. Die älteren Mitarbeiter haben meist ein Biotop aus Kollegen, Büros und Zeiten geschaffen, zu dem die jungen Mitarbeiter keinen oder nur eingeschränkten Zugang haben. Zwischenmenschliche Informationen gehen verloren und werden durch Wortgefechte, Anschuldigungen oder Respektlosigkeiten ersetzt, die jeden Personaler zur Verzweiflung bringen würden.

Die sozialen Medien übertragen dieses Biotop in die digitale Welt. Die jungen Mitarbeiter führen ihre Standpunkte, Beleidigungen und Anschuldigungen über Facebook, WhatsApp und Skype aus. In dem Zusammenhang kommt es nicht selten vor, dass Chat-Protokolle oder Video-Mitschnitte im Kollegenkreis die Runde machen.

Doch worauf gründet dieser Konflikt und wie lässt er sich beheben?

Inszenierte Kämpfe

Um es gleich zu sagen: Unschuldig an der Situation ist keiner. Jede Seite blickt auf eine ganz andere Vita zurück. Ältere Arbeitnehmer sind teilweise über Jahrzehnte im Unternehmen gereift. Sie haben sich die aktuelle Position durch (harte) Arbeit erkämpft und versuchen diese Stellung auszubauen oder zu verteidigen.

Junge Arbeitnehmer schaffen den Aufstieg heute meist deutlich schneller als ihre Kollegen vor 20 oder 30 Jahren. Akademisch perfekt durchgebildet erreichen sie vergleichbare Positionen in kürzerer Zeit und sind - nicht selten - auch als Führungskraft einsatzbereit. Die Geschwindigkeit der Arbeit, der problemlose Umgang mit Computer, Smartphone, sozialen Medien und das aktuelle Fachwissen bringen naturgemäß einen Vorsprung mit sich. Manchmal aber auch eine gewisse Portion Arroganz.

Erfahrung wird in vielen Führungsetagen als Ausrede für fehlendes aktuelles Fachwissen interpretiert. Dabei spielt die Erfahrung eine enorm wichtige Rolle, um den Erfolg eines Unternehmens langfristig zu garantieren. Gerade Arbeitnehmer der Altersklasse 50+ blicken auf mehrere Jahrzehnte situationsbedingte Umgangsformen zurück. Sei es im Kundengespräch, bei Verhandlungen, im Einkauf, in der IT oder auch in der Logistik.

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