Alt gegen jung, digital gegen analog Wie sich der Kampf der Generationen in den Büros beenden lässt

Von Jakob Osman

Es ist das gleiche Spiel jeden Tag: Junge Mitarbeiter wollen die Welt erobern. Sie wollen sofort anpacken und unvermittelt alles ändern. Ihnen gegenüber stehen sehr erfahrene Kollegen, welche die Prozesse und Handlungsmöglichkeiten kennen. Es prallen Welten aufeinander.

Jakob Osman
Foto: Anja Nier/Agentur Junges Herz

Jakob Osman, geboren 1987, ist Experte für Employer Branding. Seine Agentur Junges Herz  berät Kunden aus allen Branchen im Bereich Personal- und Ausbildungsmarketing.

Der Konflikt wird in vielen Fällen nicht offen ausgetragen. Die älteren Mitarbeiter haben meist ein Biotop aus Kollegen, Büros und Zeiten geschaffen, zu dem die jungen Mitarbeiter keinen oder nur eingeschränkten Zugang haben. Zwischenmenschliche Informationen gehen verloren und werden durch Wortgefechte, Anschuldigungen oder Respektlosigkeiten ersetzt, die jeden Personaler zur Verzweiflung bringen würden.

Die sozialen Medien übertragen dieses Biotop in die digitale Welt. Die jungen Mitarbeiter führen ihre Standpunkte, Beleidigungen und Anschuldigungen über Facebook, WhatsApp und Skype aus. In dem Zusammenhang kommt es nicht selten vor, dass Chat-Protokolle oder Video-Mitschnitte im Kollegenkreis die Runde machen.

Doch worauf gründet dieser Konflikt und wie lässt er sich beheben?

Inszenierte Kämpfe

Um es gleich zu sagen: Unschuldig an der Situation ist keiner. Jede Seite blickt auf eine ganz andere Vita zurück. Ältere Arbeitnehmer sind teilweise über Jahrzehnte im Unternehmen gereift. Sie haben sich die aktuelle Position durch (harte) Arbeit erkämpft und versuchen diese Stellung auszubauen oder zu verteidigen.

Junge Arbeitnehmer schaffen den Aufstieg heute meist deutlich schneller als ihre Kollegen vor 20 oder 30 Jahren. Akademisch perfekt durchgebildet erreichen sie vergleichbare Positionen in kürzerer Zeit und sind - nicht selten - auch als Führungskraft einsatzbereit. Die Geschwindigkeit der Arbeit, der problemlose Umgang mit Computer, Smartphone, sozialen Medien und das aktuelle Fachwissen bringen naturgemäß einen Vorsprung mit sich. Manchmal aber auch eine gewisse Portion Arroganz.

Erfahrung wird in vielen Führungsetagen als Ausrede für fehlendes aktuelles Fachwissen interpretiert. Dabei spielt die Erfahrung eine enorm wichtige Rolle, um den Erfolg eines Unternehmens langfristig zu garantieren. Gerade Arbeitnehmer der Altersklasse 50+ blicken auf mehrere Jahrzehnte situationsbedingte Umgangsformen zurück. Sei es im Kundengespräch, bei Verhandlungen, im Einkauf, in der IT oder auch in der Logistik.

Starke Defizite im Umgang mit älteren Mitarbeitern

Der Umgang mit älteren Arbeitnehmern lässt dagegen in vielen Firmen zu wünschen übrig. Mobbing, Versetzung auf Archivjobs oder erzwungene Pensionierung sind nur einige Beispiele. Natürlich spielt das Thema Gehalt immer eine übergeordnete Rolle. Aktuelle Studien zeigen, dass das Gehalt bereits nach dem 40. Lebensjahr zu sinken beginnt. Heute sind im Jahr 2010 eingestellte Akademiker im Durchschnitt nach 9,5 Jahren auf dem Gehaltsniveau eines älteren Mitarbeiters mit 30 Jahren Betriebszugehörigkeit.

Es wäre unaufrichtig, die Unterschiede zwischen Jung und Alt zu leugnen, doch der Kampf der Generationen wird oftmals gezielt initiiert. Einige Personalverantwortliche setzen bewusst auf die scheinbare Kraft dieses Konflikts, um bessere Arbeitsergebnisse zu erzielen. Da werden Führungspositionen gezielt an junge Mitarbeiter vergeben, obwohl ein erfahrener Mitarbeiter deutlich qualifizierter ist. Oder es werden Verantwortungsbereiche und Kunden entzogen, weil der neue Kollege eben keine hohe Provision verlangt. Solche Methoden sind zum Glück zur Ausnahme. Eine deutliche Steigerung solcher Maßnahmen in den vergangenen Jahren lässt sich jedoch nicht leugnen.

Wie sich Konflikte verhindern lassen

Was würde uns als Gesellschaft also helfen? Welche Wege sollten wir einschlagen, um Arbeitnehmer jeder Altersklasse würdig und leistungsgerecht einzubinden? Ein vielgenutzter Ansatz ist das Mentorenprogramm. Dabei werden erfahrene Mitarbeiter mit neuen Kollegen zusammengebracht, beide arbeiten an gemeinsamen Projekten, führen Kundengespräche oder sind zusammen tätig. Häufig ergeben sich aus solchen Mentorenprogrammen enge Freundschaften. Wenn der Übergang vom Berufsleben auch in das Privatleben erfolgreich verläuft, ist dieses Konzept ein Gewinn für alle Seiten - auch für das Unternehmen, da kostbares Fachwissen direkt übertragen wird.

In der Realität scheitern solche Programme meist an der zu vertrieblichen Ausrichtung von Unternehmen. Da werden Mentoren als "FAQ-Kasten" installiert, die quasi vorgegebene Antworten auf häufig gestellte Fragen geben sollen. Im schlimmsten Fall werden Mitarbeiter zu Mentoren ernannt, die eher selbst einen Mentor benötigen würden. Dabei verlieren sich die Unternehmen immer mehr in abteilungsinternen Querelen, statt eine konzernübergreifende Lösung anzubieten.

"Das machen wir schon immer so"

Selbst ohne Mentoren ist das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung, zwischen erfahrenen und neuen Mitarbeitern gut möglich. Meist reicht es aus, das gegenseitige Verständnis zu fördern und Ängste offenzulegen und anzusprechen. Junge Mitarbeiter auf gleicher Position werden meist eben gerade nicht eingestellt, um den erfahrenen Mitarbeiter möglichst schnell zu verdrängen. Die meisten Personaler schätzen den Austausch zwischen den Generationen und wollen Prozesse mit aktuellem Fachwissen anreichern. Dies bedarf jedoch auch einer Flexibilität bei den langjährigen Kollegen. "Das machen wir schon immer so" ist nun mal keine fachliche Diskussionsgrundlage.

Es geht nicht um Alt gegen Jung

Ein guter Arbeitgeber wird immer beide Seiten berücksichtigen. Der Respekt vor den erfahrenen Mitarbeitern und deren Wertschätzung ist mindestens so wichtig wie ein neuer Impuls der jungen Arbeitnehmer und deren frischen Ideen. Arbeitnehmer erkennen schlechte Arbeitgeber oft auch daran, dass sie diesen Konflikt nutzen, um das Personal aufzustacheln oder gegeneinander auszuspielen. Auf lange Sicht wird diese Form der Personalpolitik großen Schaden für das Unternehmen anrichten. Denn der einhergehende Verlust an Fachwissen, Kundenbeziehungen und Erfahrung lässt sich nur sehr schwer auffangen.

Es geht also gar nicht um Alt gegen Jung. Es geht vor allem nicht darum, dass eine Seite bessere oder schlechtere Arbeit macht. Es geht darum, dass wir als Gesellschaft (und in den Führungsetagen) den Wert von Erfahrung, Ruhe und Kenntnisse über interne Prozesse mehr wertschätzen sollten. Ebenso sollten wir aber auch die Impulsivität und den Tatendrang der jungen Arbeitnehmer nutzen, um innovativ und modern zu sein. In Kombination ergeben diese beiden Eigenschaften eine starke Belegschaft und damit auch Erfolg.

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