Sonntag, 21. April 2019

Riskante Investments in griechische Banken Diese Amerikaner sind groß im griechischen Bankgeschäft - noch

Bankbesitzer für ein Jahr: Schneller scheitern in Griechenland
REUTERS

Geschlossen ist die Bank schon, wie alle in Griechenland. In ein paar Tagen könnten ihre Eigner sie ganz verlieren, falls über das Wochenende kein Deal mit den Gläubigern des Staats gelingt. Dann wären die griechischen Banken pleite, die EZB müsste der nationalen Zentralbank weitere Finanzhilfe für die Institute (ELA) verbieten und diese müsste dort die Kontrolle übernehmen.

Keine schöne Aussicht für Prem Watsa und Wilbur Ross. Die beiden Milliardäre aus Nordamerika können zwar gelassener auf das Drama blicken als die meisten anderen Beteiligten, vor allem die Kunden der Banken. Doch ihre spektakuläre Wette droht spektakulär schief zu gehen. Die beiden führen ein Konsortium an, das seit dem vergangenen Jahr für 1,3 Milliarden Euro den entscheidenden Kapitalanteil an der Großbank Eurobank Ergasias übernahm.

Damals hieß es, die Eurobank sei mit 19 Prozent Eigenkapitalquote "die bestkapitalisierte Bank Europas". Außerdem sah die Bank nach der Übernahme der Hellenischen Postbank und der Protonbank wie die große Gewinnerin der Krise im griechischen Finanzsystem aus - zumindest solange es noch ein solches gab.

Es hätte ja klappen können. Wilbur Ross hatte es zuvor in Irland demonstriert, wo er seinen Anteil an der Bank of Ireland 2014 für eine halbe Milliarde Euro verkaufte und seinen Einsatz so verdreifachte. Investments, an die sich sonst keiner herantraut, sind seine Spezialität. Der frühere Investmentbanker hat sich einen Namen und sein Vermögen mit Käufen von Pleitefirmen zu Schleuderpreisen gemacht und gilt als Retter mancher Stahl- oder Textilbetriebe in Amerika.

Warum also nicht eine griechische Bank? Die Eurobank meldete bis zuletzt noch operative Gewinne - zumindest vor Abzug der Risikovorsorge für Kreditausfälle. Die Kostenquote von leicht über 50 Prozent könnte den Neid vieler deutscher Kollegen wecken. Nur leider schmolzen die Einlagen wie Eis in der Sonne, solange die Sparer noch an ihr Geld kamen. Das Eigenkapital ist ohnehin nur so üppig, weil auch Forderungen der Bank an das Finanzamt dazuzählen. Aber einem Sturm, wie er jetzt droht, würde selbst die stärkste Bank nicht standhalten.

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