Samstag, 7. Dezember 2019

Deutsche Börse überarbeitet Vergütungsprogramm Möglicher Millionen-Bonus für Kengeter wird Aufsehern zu heiß

Bis zu 40 Millionen Euro Bonus möglich: Carsten Kengeter könnte, wenn es für Deutsche Börse sehr gut läuft, dank seines Vergütungsprogramms einen enormen Bonus einstreichen

Noch ist Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter nicht auf der sicheren Seite in dem gegen ihn laufenden Insiderverfahren. Sein Arbeitgeber plant aber weiter mit ihm, will jedoch sein Vergütungsprogramm beschneiden. Denn eine erfolgsabhängige Vergütung, die sich im günstigsten Fall auf bis zu 40 Millionen Euro belaufen kann, wird jetzt selbst dem Aufsichtsrat zu heiß.

Noch ist nicht gesichert, dass der Aufsichtsrat der Deutschen Börse den Ende März auslaufenden Vertrag des unter Insiderverdacht stehenden Vorstandschefs Carsten Kengeter verlängert. Denn die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall noch. Auch haben die Finanzaufsicht Bafin und die Börsenaufsicht ihre Untersuchungen noch nicht abgeschlossen.

Gleichwohl arbeitet die Deutsche Börse an einem neuen Vergütungsprogramm für den Vorstandschef, berichtet das "Handelsblatt" (kostenpflichtig). "Es gibt Bemühungen, dass es da eine Art Deckel gibt", zitiert die Zeitung eine mit der Sache vertraute Person. Die Deutsche Börse wollte sich gegenüber der Zeitung dazu nicht äußern.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Der Manager hatte Mitte Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro 60.000 Deutsche-Börse-Aktien gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Gut zwei Monate nach dem Aktiendeal machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) ihren Fusionsplan öffentlich, was die Kurse trieb.

Die Ermittler werfen Kengeter vor, bereits im Sommer 2015 mit der LSE-Führung Gespräche über die inzwischen geplatzte Fusion der Börsenbetreiber geführt und das lukrative Aktiengeschäft in diesem Wissen getätigt zu haben. Kengeter bestreitet das.

Bonusauszahlungen von bis zu 40 Millionen Euro möglich

Bei seinem Aktienkauf 2015 erhielt Kengeter zusätzlich in dem speziell für ihn geschnürten Vergütungsprogramm 69.000 weitere Anteilsscheine - sogenannte Co-Performance-Shares. Die Wertentwicklung dieser Papiere hängt vom Konzernüberschuss in den kommenden Jahren sowie der Aktienrendite der Deutschen Börse im Vergleich zu anderen Finanzkonzernen ab.

Mehrere Aktionäre hatten das Programm auf der Hauptversammlung 2017 kritisiert, weil der Wert dieser Titel nach ihren Berechnungen im Extremfall auf bis zu 40 Millionen Euro steigen könnte. "Das ist einfach nicht vermittelbar", kritisierte seinerzeit der bekannte Aktionär und Experte für gute Unternehmensführung, der Wirtschaftswissenschaftler Christian Strenger.

Aufsichtsratschef Joachim Faber hatte grundsätzliche Kritik an dem Programm stets zurückgewiesen, scheint jetzt aber auch vor dem Hintergrund der noch laufenden Ermittlungen gegen Kengeter einzulenken. Ein Bonus von bis zu 40 Millionen Euro sei "nie gewollt" gewesen, zitiert die Zeitung eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Die Aufseher gingen damit auf die kritischen Aktionäre zu. Sie hatten den Konzern zuletzt scharf dafür kritisiert, dass er zwei Geldbußen in einer Gesamthöhe von 10,5 Millionen Euro zahlen wolle, um das Insiderverfahren gegen Kengeter aus der Welt zu schaffen

rei mit dpa-afx

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