Donnerstag, 18. Juli 2019

Vergleich mit Deutscher Bank Kirch-Interview kostet Breuer 3,2 Millionen Euro

Teures Interview: Der mittlerweile verstorbene ehemalige Medienmogul Leo Kirch (l.) und der seinerzeitige Deutsche-bank-Chef Rolf Breuer im März 2011 vor Gericht

900 Millionen zahlte die Deutsche Bank, um den Streit mit der Kirch-Gruppe beizulegen. 3,2 Millionen Euro holt sie sich von ihrem früheren Bankchef Breuer zurück. Weitere 90 Millionen bekommt die Bank von der Versicherung. Für Breuer ist das Thema Kirch aber noch nicht vom Tisch.

Ein Interview über die Mediengruppe Kirch kommt den früheren Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer teuer zu stehen: Der Manager zahlt dem Institut für die Folgen seiner Äußerungen 3,2 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen. Das geht aus der Einladung zur Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses hervorgeht. Die Bank und Breuer einigten sich demnach auf einen entsprechenden Vergleich. Die Summe entspricht den Angaben zufolge dem dreifachen Jahresgrundgehalt, das der Manager als Vorstandschef bekam.

Breuer wird das vermutlich verschmerzen können. Denn besagtes Grundgehalt machte ohne Boni und Aktienoptionen auch nur einen Bruchteil seines Einkommens als führender Deutsch-Banker aus.

Breuer hatte 2002 in einem Fernsehinterview mit Bloomberg TV öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt: Nach allem, was man "darüber lesen und hören" könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, "auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", sagte der damalige Bank-Chef.

Zwei Monate später war der Medienkonzern pleite und Firmengründer Leo Kirch machte Breuer sein Leben lang dafür verantwortlich. Nach einer jahrelangen Prozessschlacht zahlte die Bank 2014 den Kirch-Erben in einem Vergleich 925 Millionen Euro.

Manager-Haftpflichtversicherer zahlen Deutscher Bank rund 90 Millionen

Unabhängig von der von Breuer zu zahlenden Summe einigte sich das Institut mit Managerhaftpflichtversicherungen auf einen Vergleich über rund 100 Millionen Euro. Faktisch bekommt das Institut rund 90 Millionen Euro, da es einen Selbstbehalt gibt - also eine Summe, die Betroffene im Schadenfall selbst aufbringen müssen. Die Aktionäre müssen den Vergleichen auf der Hauptversammlung am 19. Mai noch zustimmen.

Für Breuer ist das Thema Kirch mit dem Vergleich aber noch nicht abgehakt. Der einstige Vorstandschef steht zusammen mit seinem Nachfolger Josef Ackermann, dem amtierenden Co-Chef Jürgen Fitschen und zwei weiteren Ex-Managern seit April 2015 vor Gericht. Sie haben nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft München versucht, die Wahrheit über die Pleite der Kirch-Gruppe zu verschleiern

In einem Prozess um Schadenersatzforderungen Leo Kirchs im Jahr 2011 sollen sie zum Schutz der Deutschen Bank falsch ausgesagt haben. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

rei/dpa/reuters

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