Samstag, 20. April 2019

"Boni-Ritter" überwacht Abbau der Investmentbank Was die Deutsche Bank vom Oberstrategen John Thain hat

John Thain

3. Teil: Die kontroversen Jobs von "Mr Fix-it"

Nebensächlich, wenn auch schillernd, wirkt John Thains Faible für teure Inneneinrichtung. Die Millionenrechnung für das Dekor seines Chefbüros bei Merrill Lynch - wo er als Retter in der bereits voranschreitenden Krise angeheuert wurde - musste er schließlich selbst bezahlen.

Er hatte ja genug: Seinen ersten Monat im Dezember 2007 ließ er sich einschließlich Antrittsprämie und Aktienoptionen mit 84 Millionen Dollar vergüten - eines der höchsten Chefgehälter der USA in einem der angeschlagensten Unternehmen. Aus den angekündigten bis zu 120 Millionen Dollar wurde im Folgejahr nichts, weil der Aktienkurs kollabierte.

Sogar von der Bank of America, die nach eigenem Bekunden ohne 140 Milliarden Dollar Staatshilfe den Kauf von Merrill Lynch nicht verdaut hätte, wollte er noch einen 10-Millionen-Bonus, "weil ich Merrill gerettet habe". Doch drei Wochen nach Abschluss der Übernahme musste er gehen, nachdem in der Zwischenzeit neue Multi-Milliarden-Verluste offenbar wurden.

Kurz vor dem Verkauf hatte Thain noch den verbliebenen Merrill-Bankern rund vier Milliarden Dollar Boni zugesagt - und diese Zahlungen als Vertragsbedingung beim Verkauf abgesichert. All das motivierte die Wutreden Obamas über Steuergeld, das bereitgestellt werde, "damit das System nicht über uns zusammenbricht" und dann "verschwindet, um Badezimmer oder Büros zu renovieren".

Luxus-Penthouse in Manhattan zu verkaufen

Schnee von gestern, sagen manche Deutsche-Bank-Aktionäre nun. Das sei mehr als zehn Jahre her, gab beispielsweise Klaus Nieding vom Aktionärsverein DSW zu Protokoll. Und Union-Investment-Fondsmanager Ingo Speich fand, man werde keinen guten Investmentbanker finden, der nichts mit der Krise zu tun hatte - deren Folgen die Deutsche Bank bis heute belasten.

Jüngeren Datums ist allerdings John Thains Auftritt bei der CIT. Der Aufsichtsrat kappte seine Vergütung für das letzte von sechs Jahren bei dem Mittelstandsfinanzierer, weil er die meisten Erwartungen beim Kauf der kleineren OneWest Bank verfehlt habe. Nutznießer der 3,4 Milliarden Dollar teuren Übernahme 2015 war unter anderem der heutige US-Finanzminister Steven Mnuchin als OneWest-Vorbesitzer.

Kontrovers ist auch Thains weiterer großer Job als Aufsichtsrat: bei dem Fahrdienst Uber. Den Banker hat der im Streit geschiedene Chef Travis Kalanick 2017 mit seinem persönlichen Sendungsrecht in das Gremium berufen, um Mitsprache bei dem Silicon-Valley-Sanierungsfall zu behalten. In einem gerichtlichen Vergleich wurde bestätigt, dass Kalanicks Mann im Board bleiben darf.

Ansonsten betrachtet sich John Thain als Ruheständler. Einen großen Deal wickelt er noch ab, wie die "New York Times" berichtet: Thains Penthouse am New Yorker Central Park steht für 39,5 Millionen Dollar zum Verkauf. Das Ehepaar Thain, das auch ein großes Anwesen im Staat New York besitzt, verbringe einfach nicht mehr Zeit in Manhattan und wolle öfter in Kalifornien bei Kindern und Enkeln sein. Vielleicht stört die Kontrollaufgabe bei der Deutschen Bank ja nicht allzu oft.

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