Samstag, 20. April 2019

"Boni-Ritter" überwacht Abbau der Investmentbank Was die Deutsche Bank vom Oberstrategen John Thain hat

John Thain

2. Teil: "Ich genieße es, Dinge zu reparieren, die jemand anderes kaputtgemacht hat"

In der neuen Deutschen Bank, die ihr Deutschsein ständig betont, fällt hingegen das plötzliche Fehlen von Vertretern der deutschen Industrie im Aufsichtsrat auf. Und die Vorstellung von John Thain sowie den anderen Neulingen im Gremium, die auf der sonst einsprachigen Hauptversammlung englisch sprachen und Dolmetscher brauchten.

Achleitner passte seine Begründung der Wahl John Thains gegenüber den Aktionären an. "Gerade weil der Aufsichtsrat derzeit einen komplexen Umbau unserer Unternehmens- und Investmentbank begleiten muss, suchten wir eine im internationalen Finanzwesen erfahrene Persönlichkeit, die sich insbesondere mit dem Handelsgeschäft und Regulierungsthemen auskennt." Thain kenne "die Branche wie kaum ein anderer und hat auch viele Höhen und Tiefen selbst erlebt", er werde den laufenden Umbau "fachkundig begleiten".

Übersetzt: Für den Abschied von der Wall Street brauchen wir einen Kenner der Wall Street. Er weiß, wie man Tausende hochbezahlte Investmentbanker mit ihrem Spezialwissen über komplexe Derivate und andere Bilanzrisiken loswird.

Thain hat schon tausende Investmentbanker entlassen

Denn sentimentale Loyalität zu den Kollegen an den Handelstischen kann man John Thain nicht nachsagen. Zweimal warf er tausende Investmentbanker raus: Rund 2000 entließ er bei Goldman Sachs (wo er auch Achleitner kennenlernte) als COO nach dem Ende der Dotcom-Blase, weil das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen einbrach. Und mehr als 4000 Jobs kürzte er in einem Jahr bei Merrill Lynch, bevor er das Institut Ende 2008 an die Bank of America notverkaufte.

Als Sanierer und "Mr Fixit" wurde er auch bei seinen anderen großen Stationen gerühmt. Von 2004 bis 2007 modernisierte er den skandalgeplagten New Yorker Börsenbetreiber NYSE, brachte ihn selbst an die Börse und sicherte die Dominanz mit der Übernahme von Euronext. Nach der Finanzkrise versuchte er den Neustart in bescheidenerem Rahmen, beim Firmenkreditspezialist CIT, den er nach staatlicher Rettung und Insolvenz wieder aufrichtete.

"Ich genieße es, Dinge zu reparieren, die jemand anderes kaputtgemacht hat", ließ er das "Wall Street Journal" in einem Interview 2015 wissen. So jemanden könnte die Deutsche Bank gut gebrauchen. Diesem Heldenbild steht jedoch einiges entgegen.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung