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Warren Buffett: Sein Leben, seine Ideen

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Starinvestor denkt nicht an Ruhestand Warren Buffett - mit 85 Jahren in Phase 2

Von Arne Gottschalck

Warren Buffett feiert am Sonntag Geburtstag, wird 85 Jahre. Wie er feiert, ist der Redaktion nicht bekannt - wohl aber, was Buffett derzeit umtreibt. Er will sein Geschöpf Berkshire Hathaway zukunftsfest machen. Dazu gehört, das Geschäftsmodell zu überdenken, aber auch, die Nachfolgerfrage zu klären. Denn seit geraumer Zeit schon schraubt und werkt Buffett an seinem Nachlass. Weg von dem Investmentfonds, hin zur Beteiligungsfirma, so nannte es Bloomberg .

Und das Vorhaben wird in der Analyse von Lawrence Cunningham gestützt, einem Professor und Autor des Buches "Berkshire Beyond Buffett". "Das ist jetzt ein Industrieunternehmen." Buffett selbst formulierte es auf dem Aktionärstreffen des Jahres 2014: " Wir sind jetzt in Phase 2."

Das dürfte auch für die schwierige Suche nach seinem Nachfolger gelten. Zuerst sollte es Tracey Britt sein, dann wurde es stiller und offizielle Verlautbarungen blieben aus. Hinweise folgten hier und da, die Arbeit von Greg Abel und Ajit Jain gelobt. Gerade der Name Jain wird immer wieder von Buffett-Jüngern geraunt. Er selbst soll sich schon entschieden haben. Und orakelte vor wenigen Monaten: "Mein Nachfolger wird vor allem eine Stärke benötigen - das ABC des Abstiegs im Geschäftsleben abwehren." Das seien Arroganz, Bürokratie und Selbstzufriedenheit, "complaceny" auf Englisch. Das könne die größten Firmen der Welt zum Einsturz bringen.   Eines werden diese Überlegungen ihm aber dennoch nicht nehmen können - seinen Ruf.

Buffett wurde vom "Stern" einmal als "freundlichste Heuschrecke der Welt" bezeichnet. Ein treffendes Bild - denn obwohl Buffett Milliarden Dollar bewegt und Milliarden Dollar besitzt, wirkt er dennoch wie der freundliche Onkel von nebenan. Vermutlich, weil er gern in einem einfachen Steakhaus speist, weil er noch in seinem ersten Haus wohnt. Weil er sich bei all seinen Beteiligungen aus dem Alltagsgeschäft heraushält - anders als aktivistische Manager, die Buffett seinen dauerhaften Erfolg möglicherweise neiden. Und sich trotzdem eher selten zu jenen einfachen Gesten bereitfinden wie Buffett. Zuletzt soll ein Siebtklässler ihn auf der Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway vor tausenden Menschen nach dem Rezept für Freundschaft gefragt haben.

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Tipps vom Star-Investor: Warren Buffetts Investment-Poesie

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Buffett nahm die ungewöhnliche Frage offenbar ernst, berichtet die "Huffington Post" . Er solle in einer Liste die vier Dinge aufschreiben, die er an Kindern in seiner Klasse mag, genau wie vier Dinge, die er nicht mag. Und dann solle er das Verhalten seiner Vorbilder imitieren.

Erst nachdenken, dann handeln - diese Strategie hat Buffett zu einem der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten gemacht. Aber sehen Sie selbst - wie der junge Warren zum Berkshire-Hathaway-Chef Mr. Buffett wurde.

Der Steppke - frühe Faszination Börse

Da ist er - der Onkel-Charme eines der reichsten Männer der Welt. Arroganz scheint Warren Buffett fremd zu sein.

Da ist er - der Onkel-Charme eines der reichsten Männer der Welt. Arroganz scheint Warren Buffett fremd zu sein.

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Warren Buffett wurde am 30. August 1930 in Omaha geboren. In die Wiege gelegt war ihm - mit zweitem Namen übrigens Edward getauft - sein stellarer Aufstieg nicht, aber ganz offenkundig auch nicht unmöglich. Sein Vater Howard war Broker, gemeinsam mit Frau Leila und zwei Geschwistern bildeten sie eine klassische US-amerikanische Mittelschichtfamilie.

Schon früh fand er die Arbeit seines Vaters spannend, besuchte ihn in dessen Büro. Dort trug er die Aktiennotierungen mit Kreide auf einer Tafel auf - so war die Börsenwelt halt, bevor mit dem Computer die binäre Welt ihren Siegeszug antrat. Mit 11 Jahren, so wird kolportiert, schritt der junge Warren dann zur Tat. Er kaufte drei Aktien von Cities Service Preferred zum Kurs von 38 Dollar. Man kann sich die Nervosität des Novizen vorstellen, als die Papiere auf 27 Dollar fielen, doch Buffett blieb standhaft. Und konnte bei 40 Dollar verkaufen. Er selbst sollte das Erlebnis später als Lehrstunde bezeichnen. Denn die Aktie stieg noch auf 200 Dollar.

Frühe Geschäftstüchtigkeit

Warren Buffett: Nachdenken, eine Kernaufgabe von Buffett

Warren Buffett: Nachdenken, eine Kernaufgabe von Buffett

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Mit 13 hatte Buffett sein eigenes kleines Geschäft, war Zeitungsjunge und verkaufte Tipps für Pferdewetten. Kreativ war er schon damals - er versuchte sein Fahrrad in der Steuererklärung unterzubringen. Um 35 Dollar sollte es die Umsätze mindern.

Mit Flipperautomaten zu Geld zu kommen - auch das eine Buffett-Idee. An der Highschool hatte er mit einem Freund einen gebrauchten Flipper für 25 Dollar gekauft und in einem Friseurladen aufgestellt. Nach ein paar Monaten reichte der Profit für den Kauf einer zweiten Maschine. Zum Schluss besaßen Buffett und sein Jugendfreund 3 dieser Maschinen und verkauften das Ganze für 1200 Dollar.

Mit 16 zog es Buffett an die Universität - zuerst an die University of Pennsylvania, dann an die University of Nebraska. Mit 20 war er frischgebackener Absolvent und hatte 10.000 Dollar von seinen "Kindergeschäften" auf der hohen Kante. Dann ging er an die Columbia University - gründete auch die Firma Buffett Partnership. 1959 war das - er selbst zahlte 100 Dollar ein, Freunde und Verwandte steuerten zusätzliche 105.000 Dollar bei. 1969 löste Buffett die Firma auf - Berkshire Hathaway wurde geboren. Genauer, wurde umgewidmet. Denn die Firma existiere schon vorher, nur eben nicht als Investmentfirma.

Sein Stil

Warren Buffett: Nichts gegen ein Eis zur rechten Zeit

Warren Buffett: Nichts gegen ein Eis zur rechten Zeit

Foto: © Rick Wilking / Reuters/ REUTERS

Das Unternehmen dient ihm als Investmentvehikel, quasi wie ein Fonds, der unterschiedliche Beteiligungen bündelt. Eines der Ziele? Man erklärte zum Beispiel, das gesamte Eisenbahntransportwesen in den USA zu kontrollieren zu wollen. Zwischenzeitlich gehörte Buffett tatsächlich der gesamte Bahnkonzern Burlington Northern Santa Fe.

Ohne sein "alter ego" wären die Investment-Treffen, inzwischen als "Woodstock der Kapitalanlage" bezeichnet, nur halb so unterhaltsam. Charlie Munger und Buffett ergänzen sich aber nicht nur auf der Bühne gut, auch im Alltag passt es offenbar. Zumindest die Ergebnisse lassen das vermuten.

Seine Vision

Ajit Jain: Der neue Buffett?

Ajit Jain: Der neue Buffett?

Foto: Nati Harnik/ AP

Was mag Buffett sonst noch? Einfache Unternehmen, die Dinge, die verständlich sind. Unter anderem deswegen dürfte er nach HJ Heinz gegriffen haben, der Ketchup-Ikone. Komplexe Derivate, die Kursverläufe quasi virtuell nachstellen? Sind nicht seine Welt. Im Gegenteil - berühmt wurde seine Schelte. Er bezeichnete sie als "finanzielle Massenvernichtungswaffen".

Und Dinge günstig erwerben - zuschlagen. wenn es für seine Dollar an der Börse einen Gegenwert gibt und nicht nur eine überteuerte Zukunftsvision. "Value" nennt sich dieser Anlagestil und hat weltweit viele Nachahmer. Außerdem hat Buffett Geduld, gibt seinen Investments Zeit.

2012 erklärte er dann, sich einer Prostatakrebsbehandlung zu unterziehen - sich aber gut fühle. Die Suche nach einem Nachfolger läuft dennoch seit geraumer Zeit. Kernvoraussetzung: Sein Nachfolger müsse drei Fehler vermeiden, die Unternehmen in der Vergangenheit gemacht hätten. Dieses "ABC des Zerfalls" laute: "Arroganz, Bürokratie und Selbstgefälligkeit", schrieb der 84-Jährige in einem Brief an seine Aktionäre. Derzeit wird der Name Ajit Jain oft genannt. Aber auch das gehört zu den Stärken Buffetts - alle im ungewissen lassen. Und dann überraschend zuschlagen.

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