Ominöse 400-Millionen-Zahlung IWF-Chefin Lagarde muss vor Gericht

Demnächst im Gerichtssaal: IWF-Chefin Lagarde hat Ärger mit der französischen Justiz

Demnächst im Gerichtssaal: IWF-Chefin Lagarde hat Ärger mit der französischen Justiz

Foto: PETER NICHOLLS/ REUTERS

IWF-Chefin Christine Lagarde muss sich in Frankreich vor Gericht verantworten. Frankreichs höchstes Berufungsgericht entschied am Freitag, dass sich die 60-Jährige wegen ihrer Rolle als ehemalige französische Finanzministerin bei einer 400 Millionen Euro schweren Zahlung an den Unternehmer Bernard Tapie einem Justizverfahren stellen muss.

Die Richter wiesen einen Einspruch Lagardes ab. Sie muss sich nun vor dem Gerichtshof der Republik verantworten, der für Verfehlungen von Ministern im Amt zuständig ist.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat wiederholt versichert, sie habe bei dem Vorfall 2008 und auch sonst stets im Interesse des Staates gehandelt und sich an das Gesetz gehalten. Ihr Anwalt erklärte, im Verfahren werde sich Lagardes Unschuld herausstellen.

Im Kern geht es um eine Zahlung von 400 Millionen Euro an Tapie. Diese war dem Unternehmer und Unterstützer des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy während der Amtszeit Lagardes als Finanzministerin als Schadenersatz zuerkannt worden.

Damit sollten Verluste ausgeglichen werden, die Tapie 1992 beim Verkauf von Adidas-Anteilen entstanden sein sollen. Nach Tapies Ansicht wurde er von dem heute nicht mehr bestehenden staatlichen Institut Credit Lyonnais dazu gebracht, die Anteile deutlich unter Wert zu verkaufen. Im Dezember 2015 wurde Tapie schließlich zur Rückzahlung der Summe verurteilt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprach seiner Lagarde trotz des Gerichtsprozesses das Vertrauen aus. Das Exekutivdirektorium sei über das Verfahren unterrichtet worden, teilte Sprecher Gerry Rice mit. Man vertraue weiterhin auf ihre Fähigkeit, ihre Arbeit auszuführen.

Christine Lagarde - Grande Dame, Networkerin, Ex-Synchronschwimmerin

In der internationalen Finanzwelt gilt Christine Lagarde als die Grande Dame. Dabei ist die Französin an den Schalthebeln der internationalen Finanzmacht als Frau eher eine Ausnahmeerscheinung. Lagarde ist seit 2011 - und nach dem unrühmlichen Abgang ihres Landsmannes Dominique Strauss-Kahn - die erste Chefin des IWF. Im Februar 2016 wurde sie für eine zweite Amtszeit bestätigt. "Ich freue mich darauf, den Mitgliedern weiter zu dienen und in der vor uns liegenden Zeit unsere wichtige Mission weiter zu führen", sagte die 60-Jährige damals.

In ihrer Funktion ist die Frau mit der grauen Kurzhaarfrisur zu einer der zentralen Figuren in der Euro-Schuldenkrise geworden. Vor allem in schuldengeplagten Ländern wird ihr Name aber nicht immer gern gehört. So werfen viele Menschen in Griechenland, aber auch in anderen Ländern wie Irland, dem IWF unter Lagardes Führung vor, zu strikte Bedingungen für die Gewährung von Hilfskrediten zu stellen.

Als frühere Synchronschwimmerin ist Lagarde ein langer Atem eigen. Zudem gilt sie als gut vernetzte, geschickte Verhandlerin. Vor ihrer Laufbahn beim Weltwährungsfonds hatte sie sich als Anwältin einen Namen gemacht: Von 1999 bis 2004 leitete sie die US-Kanzlei Baker & McKenzie. In die Politik kam sie 2007, als der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy die gelernte Juristin, Ökonomin und Amerikanistin zur Wirtschafts- und Finanzministerin machte.

Schon seit Jahren aber hat die zweifache Mutter Probleme mit der französischen Justiz. Nun muss sie tatsächlich vor den Gerichtshof der Republik. Grund ist eine undurchsichtige Zahlung an den Geschäftsmann Bernard Tapie während ihrer Amtszeit als Wirtschaftsministerin. Lagarde hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

cr/rtr/dpa
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