Sonntag, 21. April 2019

Kion-Aufsichtsrätin Christina Reuter über Quote, Karriere und Konflikte "Ganz ohne Druck geht es am Ende nicht"

Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter
manager magazin
Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter

4. Teil: "Im Grunde ist es mir fast egal, wie ein Mitarbeiter seine Ziele erreicht"

mm.de: Jetzt sind Sie Managerin, Aufsichtsrätin, junge Mutter und sagen, Familie stehe für Sie "an oberster Stelle". Wie organisieren Sie das?

Reuter: Tatsächlich muss das, was einem im Leben wie wichtig ist, immer neu hinterfragt und definiert werden. Mir zumindest ist klar: Nur Karriere ist für mich persönlich alleine nicht zufriedenstellend. Aus meiner Familie ziehe ich viel von der Kraft, die ich für meinen Beruf brauche.

Wie genau ich mich jetzt in der neuen Rolle als Mutter organisiere, kann ich noch nicht sagen. Bisher habe ich mir immer eine Infrastruktur aufgebaut, die es mir ermöglicht hat, meine verschiedenen Aktivitäten und Interessen unter einen Hut zu bekommen.

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Bild: BCG

mm.de: Bis zu welchem Grad ist "Familie zuerst" für Sie bei Ihren Mitarbeitern akzeptabel?

Reuter: Es kommt auf die Position an und die Erwartungshaltung, die mit dieser Position verknüpft ist. Ich bin für die Maxime: Transparente Ziele und maximale Freiheit, diese Ziele zu erreichen. Im Grunde ist es mir also fast egal, wie ein Mitarbeiter seine Ziele erreicht. Aber wenn ich merke, dass sich etwas verschiebt, etwa dass die Zusammenarbeit mit Kollegen leidet, weil der Kollege zu selten präsent ist, dann würde ich das Gespräch suchen. In der Regel lässt sich da eine Lösung finden.

mm.de: Würden Sie denn erwarten, dass es als normal angesehen wird, wenn Sie aus familiären Gründen nicht an einer Kion-Aufsichtsratssitzung teilnehmen und sich stattdessen zuschalten lassen?

Reuter: Kion darf von mir als Aufsichtsrätin schon erwarten, dass ich mir eine Infrastruktur aufbaue, mit der ich auch als junge Mutter an den Sitzungen teilnehmen kann. Das ist zumindest auch mein eigener Anspruch. Aber wir hatten im Dezember eine Sitzung, die lag vier Tage vor dem erwarteten Geburtstermin meiner Tochter. Da wurde anstandslos akzeptiert, dass ich mich per Telefon dazu schalte und nicht live in Frankfurt dabei bin.

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