Sonntag, 21. April 2019

Kion-Aufsichtsrätin Christina Reuter über Quote, Karriere und Konflikte "Ganz ohne Druck geht es am Ende nicht"

Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter
manager magazin
Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter

3. Teil: "Wenn die Frauennetzwerke unter sich bleiben, ist am Ende nichts gewonnen"

mm.de: Hat es in Ihrer Karriere bislang eine Rolle gespielt, dass Sie eine Frau sind?

Reuter: Ich habe bislang keine negativen Erfahrungen gemacht. Außer vielleicht in meinem ersten Mathekurs an der Uni, da war ich die einzige Frau und musste den Kommilitonen deutlich machen, dass ich sehr wohl in der Lage bin, die Aufgaben zu lösen. Danach hatte ich eigentlich immer das Glück in einem Umfeld zu sein und mit Vorgesetzten zu arbeiten, für die das Geschlecht keine Rolle gespielt hat.

mm.de: Glauben Sie, Sie hätten den Kion-Job bekommen, wenn Sie keine Frau gewesen wären?

Reuter: Das ist für mich natürlich schwer zu beurteilen. Aber sicherlich hat die Frauenquote ihren Teil dazu beigetragen. Jetzt, bei der normalen Arbeit im Aufsichtsrat, spielt das überhaupt keine Rolle mehr.

mm.de: Was ist Ihr bisheriges Fazit zur Quotenregelung für Aufsichtsräte - und sollte sie auf Vorstände ausgeweitet werden?

Reuter: Grundsätzlich ist die Frauenquote für Aufsichtsräte ein Erfolg. Meines Wissens wird nirgendwo bemängelt, dass in den Aufsichtsräten unqualifizierte Frauen säßen. Bei den Topmanagement-Positionen ist es schwieriger: Unternehmen können nicht von heute auf morgen Quoten von 30 Prozent umsetzen. Das muss man vorbereiten. Zudem gibt es ja auch Themenbereiche, in denen einfach nicht so viele Frauen aktiv sind. Wenn ich etwa im Maschinenbau-Studium eine Frauenquote von 10 Prozent habe, dann kann ich nicht im Top-Management eine Quote von 50 Prozent verlangen. Wo sollen die denn herkommen? In solchen Fällen könnten individuelle Quoten helfen - oder eben Zielmarken, die sich die Unternehmen selbst setzen. Aber grundsätzlich stehe ich auch hier eine Quote positiv gegenüber, weil sie sensibilisiert und Druck erzeugt. Ganz ohne Druck geht es am Ende nicht.

mm.de: Was halten Sie von Frauennetzwerken - als Gegenpol zu den berüchtigten Männer-Netzwerken?

Reuter: Frauennetzwerke sind hilfreich für das eigene Netzwerk, für den Austausch und auch die gegenseitige Förderung. Aber man darf nicht allein auf diese Netzwerke hoffen, wir brauchen auch die Männer, die Frauen fördern. Es ist ein gemeinsames Unterfangen. Wenn die Frauennetzwerke unter sich bleiben, ist am Ende wirklich nichts gewonnen.

mm.de: Ihre Vita liest sich wie ein glatter Durchmarsch. Sind Sie überhaupt schon einmal Hindernissen begegnet?

Reuter: Klar. In einem Semester habe ich keine der drei Klausuren, die ich geschrieben habe, bestanden. Es waren die schwersten im Vordiplom und es war jeweils knapp. Es war wirklich niederschmetternd, da fühlte ich mich auf dem Boden der Tatsachen. Ich versuche immer sehr stark zu reflektieren, wenn etwas nicht funktioniert hat, woran es gelegen hat, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Mit den Klausuren hat es dann beim nächsten Anlauf geklappt, insofern war es eine gute Lernerfahrung. Also stimmt es schon in gewisser Weise, was Sie sagen: Fundamental bin ich bislang in der Tat noch nicht auf die Nase gefallen. Ich habe mir immer Ziele gesetzt und dann teilweise auch hart dafür gearbeitet diese zu erreichen.

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