Dienstag, 23. April 2019

Kion-Aufsichtsrätin Christina Reuter über Quote, Karriere und Konflikte "Ganz ohne Druck geht es am Ende nicht"

Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter
manager magazin
Jüngste Aufsichtsrätin eines milliardenschweren Konzerns in Deutschland: Christina Reuter

2. Teil: "Karriere ist wie ein Klettergerüst - das kann auch mal seitwärts gehen"

mm.de: Durch Ihren frühen Einstieg in den Aufsichtsratsjob bei einem solch großen Konzern wecken Sie hohe Erwartungen an Ihre Karriere. Was sind Ihre eigenen Erwartungen?

Reuter: Um ehrlich zu sein, kann ich das gar nicht genau beziffern. Ich suche Umfelder, wo ich mich weiter entwickeln kann. Wo ich lernen kann und meine Expertise sinnvoll einbringen kann. Ich greife da gern auf ein Symbol von Sheryl Sandberg zurück, der Geschäftsführerin von Facebook: Karriere ist wie ein Klettergerüst. Das muss nicht immer in eine Richtung gehen, nicht nur aufwärts, das kann auch mal seitwärts gehen. Ich laufe mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend und schaue, wo sich Gelegenheiten ergeben, die mir Spaß machen und mich interessieren. Ich habe keinen festen Plan in der Schublade, dafür leben wir auch in einer viel zu dynamischen Welt.

mm.de: Was sind aus Ihrer Sicht die Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte heute?

Reuter: Ganz sicher Entscheidungsfreude, auch die natürliche Gabe, Verantwortung übernehmen zu wollen und dabei keine Angst vor Konflikten zu haben. Sie müssen es als Teil ihrer Aufgabe ansehen, auch mal unpopuläre Entscheidungen zu treffen und nicht immer everybody's darling zu sein.

mm.de: Sie sind selbst beim Frauennetzwerk Generation CEO aktiv. Das Netzwerk richtet sich explizit an "weibliche Führungskräfte, deren Ziel es ist, in den nächsten fünf Jahren den entscheidenden Schritt an die Spitze zu vollziehen". Sie klingen, als würde Sie ein CEO-Job schon reizen.

Reuter: Ich würde es nicht komplett ausschließen, ich sehe es aktuell aber nicht zwingend als das Nonplusultra. Ich bin sehr offen, was die Zukunft bringt und würde mich da jetzt hier und heute wirklich ungern festlegen. Wichtig ist mir, in Strukturen zu arbeiten, in denen man etwas bewegen kann, mit Menschen, die etwas bewegen wollen. Wenn ich in einem Umfeld arbeite, in dem ich jahrelang nur gegen Mauern laufe, dann verliere ich die Lust, egal in welcher Position ich bin.

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mm.de: Erst nach Ihrem Einstieg bei Kion sind Sie von der Hochschule in Aachen in die klassische Privatwirtschaft gewechselt, in die Verteidigungssparte von Airbus und verantworten dort die Definition und Umsetzung des zukünftigen Produktionssystems im Bereich für Raumfahrtkomponenten. In dem Klettergerüst der Karriere - was bietet Ihnen da dieser Job?

Reuter: Erst einmal ist der Job sehr international, ich habe täglich mit internationalen Teams aus Deutschen, Franzosen, Spaniern, Niederländern zu tun. Darüber hinaus arbeite ich mit den verschiedenen Funktionen wie Entwicklung, Qualität oder Einkauf zusammen. Dies ermöglicht mir vielfältige Einblicke und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Längerfristig gesehen stellt sich die Frage: Wie bekommen wir die Themen der vernetzten Produktion, für die ich stehe, in einem solchen Konzernverbund verankert und umgesetzt? Da braucht es Geduld, Durchsetzungskraft und den Willen, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Und auch einen Chef, der einen unterstützt, den ich glücklicherweise habe.

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