Donnerstag, 19. September 2019

Deutsche Bank krempelt Vorstand um Dieser Mann ist die Zukunftshoffnung der Deutschen Bank

Top-Favorit für den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank: Christian Sewing
Deutsche Bank
Top-Favorit für den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank: Christian Sewing

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Die Deutsche Bank hat die Machtverhältnisse an seiner Führungsspitze neu geordnet. Mit seiner Beförderung zum Chef des Privatkundengeschäfts als Nachfolger des zermürbten Rainer Neske hat der Aufsichtsrat am Mittwochabend Christian Sewing zu einem Top-Favoriten für eine mögliche künftige Position als Vorstandsvorsitzender gekürt.

Sewing war erst im Oktober 2014 als damals 44-Jähriger zum Rechtsvorstand von Deutschlands wichtigster Bank aufgestiegen. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat intern schon mehrfach seine große Wertschätzung für Sewing formuliert. In der Pressemitteilung von Mittwochabend war Sewing der einzig künftig aktive Vorstand, zu dem sich Achleitner äußerte: "Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrung und Persönlichkeit ist er der Richtige, um diesen für die Bank so wichtigen Kernbereich in eine neue Wachstumsphase zu führen", teilte der 58-Jährige mit.

Bis zuletzt hatte auch Neskes Vize Christian Ricken als aussichtsreicher Kandidat für den Posten gegolten. Statt dessen muss er nun den erweiterten Vorstand (Group Executive Committee) verlassen. Ihm wird nach Informationen von manager-magazin.de das ineffektive Management des milliardenschweren IT-Harmonisierungsprojekts Magellan vorgeworfen.

Das Privatkundengeschäft ist ein Kernelement der neuen, so genannten "Strategie 2020", die auf der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag im Mittelpunkt der Diskussionen mit den Eigentümern stehen wird. Durch die geplante Abspaltung der Postbank halbiert die Deutsche Bank die Zahl ihrer Privat- und kleineren Firmenkunden grob von 28 auf 14 Millionen. Zudem unterzieht sie die Sparte einem scharfen Sparprogramm.

Neske hatte dagegen dafür gekämpft, Postbank und Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank enger zu verzahnen und gemeinsam als unabhängige Einheit zu etablieren. Nach seiner endgültigen Niederlage Ende April wird er den Konzern nach rund 25 Jahren Ende Juni verlassen.

Zugleich strich der Aufsichtsrat die Gleichberechtigung der beiden Co-Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen, auf die der Konzern bislang öffentlich stark geachtet hatte. Der 52-jährige Jain bekommt die Verantwortung für die Strategie übertragen und erhält damit eine wichtigere Rolle als Fitschen, der am 1. September 67 Jahre alt wird. Sein Vertrag läuft formal noch bis zum März 2017.

Die Strategie hatte seit Ende Oktober 2014 Stefan Krause neben seinem Job als Finanzvorstand verantwortet. Künftig wird er die gewinnträchtige Sparte Transaction Banking, die etwa den Zahlungsverkehr für große Unternehmenskunden organisiert, und die Abbaubank verantworten, in der milliardenschwere, verlustträchtige Geschäfte des Investmentbankings auf Halde lagern. Neuer Finanzvorstand wird wie geplant nach Ablauf der Hauptversammlung Marcus Schenck, den Achleitner von Goldman Sachs abgeworben hatten.

Erstmals verlassen auch Spitzenmanager die Deutsche Bank, die im Zusammenhang mit den zahlreichen Rechtsverstößen des Geldhauses von den Aufsichtsbehörden international scharf kritisiert wurden. So wird etwa Alan Cloete, wie von manager-magazin.de bereits Ende April vermeldet, seine Arbeit für die Bank "in Kürze" beenden, wie die Frankfurter mitteilten. Cloete ist ein langjähriger, enger Vertrauter von Jain.

Auch Colin Grassie, Chef des Großbritannien-Geschäfts, das im Zentrum etwa des so genannten Libor-Skandals stand, wird die Bank verlassen. Beide gehören bislang dem erweiterten Vorstand an, dem so genannten Group Executive Committee.

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