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Deutsche Bank will in neue Ära starten: Die wichtigsten Akteure der Deutschen Bank

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Neuer Deutsche-Bank-Chef Fünf Dinge, die Sie über Christian Sewing wissen sollten

Über den neuen Chef der Deutschen Bank findet sich noch nicht einmal ein Eintrag im Munzinger-Personenarchiv. Christian Sewing (47) ist für viele auch nach drei Jahren im Vorstand noch immer ein unbeschriebenes Blatt. Als "uninspirierte Wahl" begrüßt die "Financial Times" den "Nerd" aus Ostwestfalen. Und "Bloomberg" zitiert den Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim: "Sewing war vielleicht nicht der beste Kandidat, aber er war da und stand bereit."

Nur als Notlösung sollte man den bisherigen Leiter des Privat- und Firmenkundengeschäfts, seit einem Jahr offizieller Kronprinz des nun vorzeitig scheidenden John Cryan, aber nicht sehen. Sewings Berufung ist durchaus ein Statement: Die Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) soll deutscher werden. Nach dem Sanierer Cryan, der für eine turbulente Übergangszeit den Konzern führte, wäre eine längere, ruhige Ära Sewing vorstellbar. Das sollten Sie über den neuen Bankchef wissen:

Das Antrittsmemo liefert die ersten starken Zitate

Das Antrittsmemo liefert die ersten starken Zitate

"Jägermentalität" - dieses Wort reiht sich zu schillernden Statements, mit denen Christian Sewings Vorgänger immer wieder für Aufmerksamkeit sorgten. Schon in seinem Antrittsbrief an die Beschäftigten scheint der neue Chef sein "Money Quote" liefern zu wollen. Und schiebt im selben Absatz noch nach, "'solide' darf nicht unser Anspruch sein".

Beides klingt unpassend, wenn man weiß, dass Sewing den Großteil seiner langen Karriere bei der Deutschen Bank (seit 1989, unterbrochen nur für zwei Jahre bei der genossenschaftlichen DG Hyp) der Aufgabe widmete, den Bankerkollegen allzu gewagte Geschäfte auszutreiben. Ein Controller übernimmt die Kontrolle, der vor seiner Vorstandszeit davon schwärmte, "Risikokultur von oben nach unten zu leben". Das Wort von der "Jägermentalität" wirkt wie der Versuch, das Image schnell noch zu korrigieren.

Die Dealmaker der Investmentbanksparte sollen zwar mit Einschnitten rechnen, aber doch nicht gleich die Flucht ergreifen - sie sorgen noch immer für den Großteil der Erträge. Insgesamt muss die Bank möglichst noch zu Beginn von Sewings Amtszeit wieder in den Wachstumsmodus schalten, wenngleich die erste harte, "nicht verhandelbare" Ansage heißt, die Kosten auf 23 Milliarden Euro zu deckeln.

Sein Vater war Druckereibesitzer

Sein Vater war Druckereibesitzer

Als Wegbereiter könnte man einige in der Deutschen Bank nennen. Prägend war wohl vor allem die Zeit in London mit dem langjährigen Risikochef Hugo Bänziger, mit dem Sewing das Risikozentrum aufbaute. DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch, ein Bekannter aus gemeinsamer Zeit bei der Deutschen Bank, warb ihn zum Intermezzo bei den Kreditgenossen.

Ex-Chef Jürgen Fitschen tourte mit Sewing durchs Land, um diesen als neuen "Mr Germany" vorzustellen. Und natürlich Aufsichtsratsboss Paul Achleitner, selbst von Haus aus Investmentbanker, sah das Potenzial, einen vermeintlich drögen Risikomanager als Gegengewicht zum riskanten und politisch abgesagten Handelsgeschäft zu befördern.

Am häufigsten jedoch nennt Christian Sewing als Vorbild seinen Vater, der in der westfälischen Heimat eine kleine Druckerei besaß, ihn konservative Werte und Verantwortungsbewusstsein lehrte. Dass er überhaupt eine Banklehre in der Bielefelder Filiale begann, begründete er im "Handelsblatt" so: "Weil mein Vater gesagt hat: Du studierst nur, wenn du vorher etwas Ordentliches gelernt hast." Das BWL-Studium gab es dann nur berufsbegleitend an der Bankakademie in Bielefeld und Hamburg.

Die mittelständische Herkunft weiß Sewing als Vorstand zu nutzen - zunächst, um im Firmenkundengeschäft auf dem Heimatmarkt wieder Marktanteile zurückzugewinnen.

Doch auch politisch könnte sich die kleine Druckerei noch auszahlen. Sewing sitzt im Präsidium des CDU-Wirtschaftsrats. Im Gegensatz zu dessen knorrigem Vorsitzenden Werner Bahlsen profiliert er sich aber nicht mit Kritik an Kanzlerin Angela Merkel oder EZB-Präsident Mario Draghi, sondern lobt die Entscheider ausdrücklich für die "sehr ordentliche Arbeit". Christian Sewing zeigt sich als moderater Konservativer, der "wie unsere Vorfahren die ganze Gesellschaft mitnehmen" will. "Der Austausch mit Berlin hat sich wirklich verbessert", fand er auf dem "Zeit"-Wirtschaftsforum im vergangenen Herbst.

Er hat (fast) nie um sein Gehalt verhandelt

Er hat (fast) nie um sein Gehalt verhandelt

Zumindest sagte Christian Sewing das einmal der "Süddeutschen Zeitung" - noch so eine Regel des Patriarchen: "Er sagte, wenn du dich ordentlich verhältst, dann wirst du fair bezahlt." Nur einmal habe er die Regel, du sollst nicht um dein Gehalt verhandeln, gebrochen - bemerkenswert in der vor allem über finanzielle Anreize getriebenen Branche (die sich bis heute damit schwer tut, den richtigen Umgang mit der Bonuskultur zu finden); andererseits bekennt Sewing, er sei ja auch immer gut bezahlt worden und habe deshalb wohl keinen Grund zur Klage gehabt.

Den Bonusverzicht des Vorstands, den John Cryan durchsetzte, konnte Sewing besonders eloquent nach außen vertreten: als "Frage des Anstands". So habe auch sein Vater, als er den Druckern einmal das Weihnachtsgeld strich, gerechtigkeitshalber den Familienurlaub abgesagt.

Wenn Sewings Erzählung stimmt, war die eigene Karriere nie geplant, immer das Ergebnis von Fleiß und dem Glück des Tüchtigen, den richtigen Vorgesetzten aufzufallen - fast wie ein Märchen vom deutschen Aufsteiger. Unter der Woche ist Christian Sewing von morgens bis abends nur für die Bank da, während Frau und vier Kinder in Osnabrück leben.

Sewing kann auch Global Player

Sewing kann auch Global Player

Christian Sewings größter Trumpf im Vergleich zum relativen Konzernneuling Marcus Schenck war wohl seine starke Vernetzung in der Deutschen Bank. Nach 27 Jahren im Konzern kennt er die Bank zumindest in vielen, wenn auch nicht allen Facetten - und hat sich zugleich kaum Feinde gemacht.

Als Mann der Filialen wird er ohnehin wahrgenommen, schon weil er an der Basis angefangen hatte, aber auch zuletzt für knapp zwei Jahre die Retail-Sparte führte, die neben der Postbank und den Mittelstandskrediten auch die Vermögensverwaltung für reiche Kunden umfasst. Er ließ zwar ein Viertel der deutschen Niederlassungen schließen, verband das aber mit glaubhaften Grundsatzbekenntnissen zur Zukunft des stationären Geschäfts.

Die Doch-wieder-Integration der Postbank hat er einigermaßen geräuscharm so weit auf den Weg gebracht, dass er wohl bald nach seiner Verzögerung Vollzug melden kann - wenn auch mit teuren Zugeständnissen wie einem Neubau am Postbank-Sitz Bonn als zweitem Standort der doch eigentlich einheitlichen Zentrale der Sparte.

Ähnlich wie Jürgen Fitschen, der in der deutschen Öffentlichkeit als Garant der Heimatbasis auftrat, aber weltweit Karriere gemacht hatte, kann Sewing zu den mehrheitlich im Ausland sitzenden Kollegen eine Verbindung über mehrere internationale Stationen aufbauen.

Einer nicht näher beschriebenen Aufgabe in Singapur folgten die Rolle als Junior-Firmenkundenbetreuer in Toronto, als Leiter des Kreditgeschäfts in Tokio und dann vor allem sechs Jahre in London. Dort lernte er das Investmentbanking in seinem Machtzentrum zumindest als Gegenüber kennen, in seiner Funktion als Risikomanager. Vor der Berufung in den Vorstand verantwortete er zudem die Rechnungsprüfung der gesamten Gruppe (und ließ dabei auch ein gutes Zeugnis für die später toxisch gewordenen Operationen in Russland durchgehen).

Sein Sport ist Tennis

Sein Sport ist Tennis

Wenn es menscheln soll, führt Christian Sewing neben der Familie den Sport an. Sein eigentlicher Berufswunsch sei Sportjournalist gewesen, hat er mehrfach erzählt - dafür habe jedoch seine Abiturnote nicht gereicht. Als Tennisspieler hatte er es immerhin in die Oberliga geschafft. Und noch heute frage der Heimatverein TC Bünde gelegentlich für Turniere den Spieler Sewing an, wofür natürlich die Zeit nicht reicht.

Als Fußballfan bekennt sich Sewing außerdem zum nahen VfL Osnabrück, und zum FC Bayern München - Letzterer, weil das Sportgeschäft der Rummenigges aus Lippstadt damals Tennisturniere in der Region unterstützte. So entstand eine Basis für das Team Sewing-Schenck, die als Vizechefs der Bank gemeinsam zu Bayern-Spielen gingen.

Dieses Team ist zerbrochen, als Leitsatz in Christian Sewings Antrittsmemo bleibt aber: "Wir müssen den Teamgeist in den Mittelpunkt stellen." Tennis allerdings ist kein Teamsport.

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