Prozess um Drogerieketten-Pleite Christa Schlecker darf auf Verfahrensende hoffen

Hoffnung: Christa Schlecker könnte im Bankrott-Prozess in Stuttgart glimpflich davon kommen

Hoffnung: Christa Schlecker könnte im Bankrott-Prozess in Stuttgart glimpflich davon kommen

Foto: Thomas Niedermueller/ Getty Images

Die Frau des früheren Drogeriemarkt-Chefs Anton Schlecker kommt im Stuttgarter Strafprozess um die Insolvenz des Unternehmens vermutlich glimpflich davon. In dem Verfahren gegen die Schlecker-Familie vor dem Landgericht machte der Vorsitzende Richter am Montag deutlich, dass der Vorwurf der Beihilfe zum Bankrott gegen Christa Schlecker auf Basis der bisherigen Zeugenaussagen nicht zu beweisen sei.

Er verwies auf das Prinzip, im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden, und nannte die Einstellung des Verfahrens gegen sie als eine Option. Die Staatsanwaltschaft lehnte das zunächst ab.

Die Drogeriemarkt-Kette war 2012 pleitegegangen, Zehntausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Die Anklage wirft Anton Schlecker unter anderem vor, vorsätzlich Vermögenswerte von mehr als 25 Millionen Euro an seine Familie verschoben und somit dem Zugriff der Gläubiger entzogen zu haben. Wegen möglicher Beihilfe sitzen auch Schleckers Frau Christa sowie die beiden Kinder Meike und Lars auf der Anklagebank.

Ein Knackpunkt in dem Verfahren ist die Rolle der Logistikfirma LDG und der Baufirma BDG, die Lars und Meike Schlecker gehörten und Aufgaben im Konzern übernahmen. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft stellte die LDG überhöhte Preise in Rechnung - pro Stunde, die ein LDG-Mitarbeiter für Schlecker tätig war, wurden demnach bis zu 30 Euro fällig. Laut Gerichtsdokumenten wäre nur etwa die Hälfte nötig gewesen, um die Kosten zu decken. Durch diese überhöhten Preise, so die Anklage, soll Vermögen verschoben worden sein. Noch 2011 ließen sich Meike und Lars 7 Millionen Euro an LDG-Gewinn ausschütten.

Bei Christa Schlecker geht es um 60.000 Euro

Wie kamen die sehr hohen Stundensätze zustande? Mit dieser Frage wurde am Montag vor dem Landgericht ein ehemaliger LDG-Geschäftsführer konfrontiert. Nach seiner Kenntnis habe Schlecker selbst entschieden, Stundensätze für die Firma 2011 anzuheben, sagte der Zeuge. Die Frage des Richters, ob er sich gewundert habe über die hohen Stundensätze, verneinte er. Er habe das nicht hinterfragt.

Christa Schlecker dürfte die Anklagebank, auf der sie hinter ihrem Mann sitzt, bald verlassen. Der Vorwurf der Beihilfe zum Bankrott gegen sie bezog sich auf eine Zahlung von insgesamt 60.000 Euro, die sie am 1. Juni 2012 für eine neue Beratertätigkeit erhielt. Zu diesem Zeitpunkt lief das Insolvenzverfahren beim Schlecker-Konzern bereits seit gut fünf Monaten, und die Perspektiven der LDG waren düster. Am selben Tag beschlossen die Schlecker-Gläubiger zudem, dass der Drogeriemarkt-Konzern seine Geschäfte einstellt. Dadurch verlor die LDG ihren einzigen Kunden. Elf Tage später war die Firma pleite.

Der Vorsitzende Richter räumte zwar ein, dass das Beraterhonorar an Christa Schlecker für eine zweimonatige Tätigkeit sehr hoch gewesen sei. "Man kann sich die Frage stellen: Ist das die Leistung wert?" Eine Antwort hierauf sei aber "relativ schwierig". Laut Zeugenaussagen sei es nun mal nicht so gewesen, dass Christa Schlecker gar nichts getan habe für ihr Beraterhonorar. Zudem habe sie im Insolvenzverfahren einen Großteil des Geldes zurückgezahlt.

cr/dpa-afx
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