Dienstag, 12. November 2019

Carsten Kratz wechselt zu Bridgepoint Capital Ex-BCG-Chef wird Firmenkäufer

Will ab sofort Mittelständlern ihre Zukunft erklären: Neu-Investor Carsten Kratz.

Der Boom der Private-Equity-Branche zieht einen weiteren prominenten Manager an. Carsten Kratz, langjähriger Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, wechselt als Senior-Partner und Deutschland-Chef zum Investor Bridgepoint Capital. Die Briten sind spezialisiert auf Zukäufe und Renovierungen europäischer Mittelständler. Eine der bekannteren Firmen aus ihrem Portfolio, die sie im vergangenen Jahr an die Reimann-Familie weiterverkauft haben: die Fast-Food-Kette Pret A Manger.

Der aktuelle Fonds, mit dem sie das Eigenkapital ihrer Akquisitionen finanzieren, verfügt über 5,7 Milliarden Euro. Kratz bestätigte gegenüber manager magazin seinen Wechsel zum 1. Oktober als Nachfolger von Marc Zügel; seinen Ausstieg bei BCG hatte der 52-Jährige bereits im Juni bekannt gegeben.

Der Wechsel illustriert die steigende Bedeutung der Finanzinvestoren in Europa und deren Attraktivität für Spitzenkräfte. 2015 war der ehemalige Deutschland-Chef von Goldman Sachs, Alexander Dibelius, in die Führung des Private-Equity-Hauses CVC gewechselt. Noch 2005 vom damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering als "Heuschrecken" bezeichnet, sind sie inzwischen eine respektierte Käufergruppe für Familienunternehmer oder Konzerne, die sich von Tochterfirmen trennen wollen. Weil die Finanzinvestoren mit ihren Investments oft hohe Renditen erzielen, bekommen sie ihrerseits große Summen von Anlegern angedient. Bei Bridgepoint etwa sind aus Deutschland die Quandt-Familie und die RAG-Stiftung investiert.

Kratz soll jetzt vor allem in Deutschland, wo Bridgepoint noch vergleichsweise schwach ist, nach lohnenden Übernahmezielen suchen, idealerweise mit einem Unternehmenswert zwischen 200 Millionen und 1 Milliarde Euro. Die Firmen will Bridgepoint dann weiterentwickeln, um sie danach wieder mit kräftigem Gewinn zu verkaufen. "Dem europäischen Mittelstand bei der globalen Expansion zu helfen, ist ein Herzensthema von mir", sagte er. Er halte das Modell Private Equity inzwischen in vielen Konstellationen für die beste Eigentümerform: Das Management sei nicht getrieben von Quartalsberichten und auch nicht von zum Teil irrationalen Diskussionen, wie es sie in Familienfirmen mitunter gibt. Man könne sich ganz auf die Steigerung des Wertes eines Unternehmens konzentrieren.

soc

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