Montag, 9. Dezember 2019

Bullshit-Bingo Sprechen Sie "denglisch"?

Oxford Street in London: Mit Englisch lässt sich manches überkleistern - und im Büro-Alltag sogar punkten.
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Oxford Street in London: Mit Englisch lässt sich manches überkleistern - und im Büro-Alltag sogar punkten.


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Hand aufs Herz - wann haben Sie sich zuletzt über krude Botschaften geärgert? Nein, nicht eher abstrakte Slogans wie "open the possibilities", mit dem Lexmark um Kunden zu buhlen versucht. Sondern über die ganz konkrete Ansprache, mit der der Gegenüber oft eher das eigene Ego poliert denn für echte Kommunikation sorgt. Vielfach in einer eigenwilligen Mischung aus Deutsch und Englisch. Frei nach dem Motto - wer nicht folgen kann, ist halt kein "Performer".

Deutlich wird das, wenn zum Beispiel die Unternehmensberater im Haus sind. Schneidige junge Männer und natürlich auch Frauen mit Laptops und klaren Vorstellungen. Die Produktion müsse "lean" sein, deswegen würde man zuerst ein "kickoff meeting" vereinbaren. Dann ginge es darum, die "high potentials" im Unternehmen zu identifizieren und deren "commitment" für den "spirit" der "company". TMI - too much information? Bleiben Sie stark, es geht noch schlimmer. In der Bank beispielsweise.

Ein "Select Emerging Markets Investment Grade Bond Fund" aus dem Hause Aberdeen wird Ihnen dort vielleicht angeboten. Der Name ist länger als der Titel der meisten Deutschen auf ihren Visitenkarten! Dann geht es um das "risk profil", das Risikoprofil. Um den "management-approach", der sei "bottom up" und "very much fingers on the market". Und liefere einen "value-added". Klingt beruhigend nichtssagend. Ebenso wie "enhanced index approach" oder "barbell strategy". Wer nicht vom Fach ist, versteht herzlich wenig. Und eigentlich, an dieser Stelle sei behutsam der Zeigefinger gehoben, sollte Sprache doch der Kommunikation dienen. Dem gegenseitigen Verständnis.

Verständlich ist es freilich, zum Wortgeflimmer zu greifen. Zum einen dienen die Fachworte dem gleichen Zweck wie eine britische Regimentskrawatte - sie zeigen eine gewisse Gruppenzugehörigkeit, ohne dass die ausdrücklich erwähnt werden muss. Zur Finanzindustrie zum Beispiel. Zum anderen lassen Fachtermini das Licht des Beraters natürlich heller strahlen, so die Überlegung gerade in den beratenden Berufen. Gerade Englisch, ob "queen's english" oder "denglisch", vermittelt in den Augen vieler den Eindruck von Weltläufigkeit. Und genau das ist ein Trugschluss. Kompetenz kommt von Können, nicht von klingenden Worten. Selbstverständlich, möchte man meinen. Wirklich?

Überprüfen Sie einfach mal Ihr "mindset", ob auch Sie selbst immer das richtige "wording" finden. "Go for it" … ach, mach et, Otze.

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