Donnerstag, 18. Juli 2019

Londoner Gericht erklärt Tennis-Star für insolvent Boris Becker wehrt sich gegen Pleite-Urteil

Boris Becker (beim ersten Wimbledonsieg (1985): Bumm Bumm Boris

Ein Konkursgericht in London hat den dreimaligen Wimbledonsieger Boris Becker am Mittwoch für zahlungsunfähig erklärt. Die zuständige Richterin Christine Derrett erklärte nach einer kurzen Anhörung mit Beckers Anwälten, es gebe keine glaubhaften Beweise dafür, dass Becker "substanzielle Schulden" demnächst bezahlen werde. Den Antrag von Beckers Anwälten auf einen 28-tägigen Aufschub lehnte Derrett ab. "Man hat den Eindruck eines Manns mit dem Kopf im Sand", kommentierte sie mit Bedauern. Sie selbst habe den Sportler einst auf dem Centre Court spielen sehen. Britische Medien berichteten überstimmend aus dem Gerichtssaal.

Beckers Rechtsanwalt Christian Schertz erklärte dazu am Abend: "Das Verfahren betrifft ein Darlehen, das Herr Becker binnen eines Monats in voller Höhe zurückgezahlt hätte." Becker sei "überrascht und enttäuscht, dass sich die gegnerische Bank in einem konkreten Zivilverfahren in Großbritannien entschieden hatte, Klage gegen ihn einzureichen".

Becker werde beantragen, die Verfügung umgehend aufzuheben. Schertz betonte: "Tatsächlich hat mein Mandant bereits gegenüber englischen Medien erklärt, dass seine Einkünfte hinreichend veröffentlicht sind und es klar ist, dass er die Mittel hat, um diese Schuld zu begleichen." Später äußerte sich Becker so auch über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Boris Becker hatte während seiner aktiven Sportler-Zeit Preisgelder in Höhe von rund 25 Millionen Dollar eingesammelt. Dagegen stehen jedoch eine kostspielige Scheidung und einige Fehlschläge als Unternehmer (siehe Überblick).

Finca auf Mallorca soll die Probleme lösen

Von Becker-Anwalt Schertz hieß es weiter: "Der Wert der in Rede stehenden Wertanlage übersteigt bei weitem das Darlehen bei der Bank, die Herrn Becker verklagt hat. (...) Medienmeldungen, wonach unser Mandant 'pleite' sei, entsprechen damit nicht der Wahrheit."

Becker bedankte sich bei Twitter bei seinen Fans und Unterstützern. "Ich bin seit 32 Jahren in diesem Spiel und habe vor, es noch länger zu bleiben."

Die Londoner Privatbankiers Arbuthnot Latham und Co. hatten sich demnach wegen einer angeblich seit 2015 ausstehenden Zahlung von Becker an das Gericht gewandt. Beckers Anwälte argumentierten laut englischen Medien, Becker werde durch den anstehenden Verkauf einer Immobilie auf Mallorca in rund einem Monat in der Lage sein, eventuelle Außenstände zu begleichen. Dennoch lehnte Derrett einen Aufschub ab.

Boris Becker zählte bis Ende 2016 noch zum Betreuerteam von Tennis-Profi Novak Djokovic. Nach der Trennung von seinem Betreuerteam arbeitete Djokovic zuletzt in Paris mit Andre Agassi zusammen.

So überzeugend Boris Becker auf dem Tennisplatz auch auftrat - in geschäftlichen Dingen hatte Boris ein weniger glückliches Händchen. Im Gegensatz dazu ist der ehemalige Manager von Boris Becker, der Rumäne Ion Tiriac ("Boris Becker ist ein Mann von extrem") in seiner privaten Vermögensbildung erheblich weiter gekommen als Boris. Aber sehen Sie selbst: Was macht Multi-Millionär Ion Tiriac eigentlich heute?

la/ak/sid/dpa

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