Montag, 6. April 2020

Absage an Vorstandsvorsitz Gründerenkel tritt Erbe im Otto-Konzern an - aber anders als erwartet

"Ich werde nicht in den Vorstand wechseln": Benjamin Otto will in der Gruppe Verantwortung auf seine Art übernehmen

Lange wurde Benjamin Otto als möglicher neuer Vorstandsvorsitzender der Otto Gruppe gehandelt. Jetzt hat sich der Gründerenkel für einen ganz eigenen Weg entschieden: Er wird neben Vater Michael Otto "gestaltender Gesellschafter" bei der Otto Gruppe. Der Übernahme des Vorstandsvorsitzes erteilte der 39-Jährige am Montag eine klare Absage.

Zum 1. Juni wechselt Otto, bislang CEO der Otto-Tochter Collins, in den Gesellschafterrat - das Gremium für die großen strategischen Entscheidungen der Otto Gruppe. Die Leitung von Collins übernimmt dann Tarek Müller, der Collins zusammen mit Otto 2014 gegründet hatte. Benjamin Otto selbst wechselt in den Beirat der E-Commerce-Tochter.

"Ich werde nicht in den Vorstand wechseln, sondern meiner Verantwortung in anderer Form gerecht werden", erläuterte Otto seinen Schritt. "Ich habe mich endgültig entschieden, diesen Weg zu gehen." Gerade jetzt, da der Konzern einen "Transformationsprozess" durchmache. Mit seinen Erfahrungen, die er bei Collins gemacht habe, wolle er dabei mithelfen, die Gruppe ins digitale Zeitalter zu überführen und Strategien festlegen.

Allein ist der 39-Jährige dabei aber noch nicht. Auch sein Vater, der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Otto, ist als gestaltender Gesellschafter tätig. Mit ihm zusammen habe er bereits einen Strategie-Plan entwickelt, den der Konzern in den nächsten Monaten umsetzen wolle, sagte Otto.

Auch bei den Wagniskapital-Fonds eVentures und dem Frühphaseninvestor Project A wird Otto künftig als Beisitzer fungieren. Im Stiftungsrat der Gruppe ist Otto bereits mit Sitz und Stimme vertreten.

Nächster Schritt: Aufsichtsrat

Nächster Schritt wäre nach den Worten von Benjamin Otto dann ein Posten im Aufsichtsrat. Wann er diesen übernehmen werde, sei aber noch offen.

Wer die Nachfolge von Vorstandschef Hans-Otto-Schrader antreten soll, oder ob Schrader verlängern soll, dazu äußerte sich der Konzern am Montag nicht. 2016 laufen die Verträge von Schrader und seinem Vize, Strategievorstand Rainer Hillebrand, aus. Dann erreichen die beiden die bei Otto für Vorstände übliche Altersgrenze von 60 Jahren. Dazu solle im Herbst eine Entscheidung verkündet werden, erklärte ein Sprecher.

Der von neuen Playern wie Amazon bedrängte Otto-Konzern macht gerade eine tiefe Wandlung durch. In dem Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 hat der Konzern erstmalsrote Zahlen geschrieben. Im Ausland machten vor allem der in den USA tätige Möbelhändler Crate & Barrel Verluste, die russische Tochtergesellschaft sowie der französische Universalversender 3Suisses. In Deutschland schlugen der Spielzeugmarkt MyToys, Sportcheck und Investitionen in Collins negativ zu Buche.

Erst kürzlich hatte Otto-Aufsichtsratschef Michael Otto bekannt gegeben, dass er seine Mehrheitsbeteiligung an dem Versandhandels-Konzern in eine gemeinnützige Stiftung übertragen hat.

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