Thomas Buberl wird Axa-Konzern-Chef Der Ritterschlag für den Mann aus dem Rheinland

Jugendlich-charmant: Doch Thomas Buberl, desgnierter Axa-Konzernchef, kann auch anders

Jugendlich-charmant: Doch Thomas Buberl, desgnierter Axa-Konzernchef, kann auch anders

Foto: DPA

Henri de Castries ist so etwas wie eine Institution in Frankreich, sein Wort hat Gewicht. Nicht nur, weil er aus einer Adelsfamilie mit großer Militärtradition stammt, sondern auch, weil er seit 17 Jahren Frankreichs größten Versicherer Axa leitet - mit Erfolg, wie nicht zuletzt der kürzlich verkündete Gewinnsprung im vergangenen Jahr zeigte.

Wenn so ein Grande der Assekuranz auf Journalistenfragen über seinen möglichen Nachfolger scherzend formuliert, dieser werde "sehr viel besser sein als ich", darf man das wohl als Ritterschlag verstehen. Oder als enorme Herausforderung.

Thomas Buberl sind vermutlich beide Interpretationen recht. Mit sofortiger Wirkung wird der 42-Jährige stellvertretender Vorstandschef des Axa-Konzerns und dann im September den Stuhl von Castries einnehmen, der vorzeitig seinen Ruhestand antritt. Castries' Vertrag liefe eigentlich noch bis 2018. Was er in Zukunft hauptsächlich machen wird, ist zurzeit noch unklar. Immerhin wird er Mitglied im Verwaltungsrat der britischen Großbank HSBC, der demnächst einen neuen Vorsitzenden sucht.

Buberls Wechsel von Köln nach Paris ist schon seit Wochen klar. In der Konzernzentrale nahe der Champs-Élysées sollte er eigentlich das weltweite Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft unter seine Fittiche nehmen - und bei Axa Deutschland Aufsichtsratschef werden.

Stattdessen nun wird der Deutsche an der neuen Konzernstrategie mitarbeiten, die De Castries im Juni vorstellen will. Der 61-jährige Franzose hatte im Vorfeld angemahnt, die Axa müsse effizienter werden. Das geht oftmals mit harten Schnitten und Konfrontation einher. Vielleicht auch deshalb könnte die Wahl auf Buberl gefallen sein.

Buberl scheut nicht die Konfrontation

Fakt ist: Der in Haan bei Düsseldorf geborene Buberl scheut die Konfrontation nicht. In vier Jahren hat er die Axa Deutschland quasi auf den Kopf gestellt - und sich dabei nicht nur Freunde gemacht. Den Vorstand tauschte Buberl nahezu komplett aus, holte zwei neue Manager von der Boston Consulting Group, die er aus seinen ersten Karriere-Jahren kennt. Buberl verschliss in den vier Jahren auch zwei Chefs der Unternehmenskommunikation und eine Pressesprecherin.

Bis Ende vergangenen Jahres sind bei der Axa Deutschland, die allmählich wieder in Tritt kommt, 1.500 der rund 11.000 Stellen weggefallen. Doch Buberl will laut "FAZ" die Kosten in Deutschland weiter senken und hat ein neues Umbauprogramm auf den Weg gebracht. Ähnlich wie die Allianz, die die Digitalisierung im Vertrieb und im Kontakt mit Kunden vorantreibt, will auch Buberl die digitalen Dienstleistungen im Axa-Konzern ausbauen.

Klar ist, der Mann, der seine ersten Erfahrungen mit Axa als Führungskraft bei der Schweizer Axa-Tochter Winterthur sammelte, will Gestalter und nicht Getriebener sein. Buberl will den anstehenden Kulturwandel in der Assekuranz und ganz besonders im Vertrieb selbst in die Hand nehmen und sich nicht nur diktieren lassen - weder von der Politik noch von aufstrebenden Fintechs, die für traditionelle Finanzdienstleister zusehends zur Konkurrenz werden.

Buberl will Gestalter und nicht Getriebener sein

Ganz so mächtig wie Castries wird Buberl allerdings wohl nicht werden. Der Deutsche wird zwar der Axa als CEO vorstehen, was an sich schon eine Kulturrevolution in der französischen Unternehmenslandschaft ist. Der jugendlich wirkende Buberl wird aber eng mit Denis Duvern (62) zusammenarbeiten müssen. Der bisherige Stellvertreter Castries' wird neuer Verwaltungsratschef, womit die Axa diese Funktion von der operativen Führung des Konzerns künftig trennt.

Sprachlich zumindest dürften die beiden keine Verständigungsprobleme haben. Der studierte Ökonom beherrscht die französiche Sprache "verhandlungssicher", heißt es in seinem LinkedIn-Profil. Mit seiner Familie - seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern - werde der Manager jetzt nach Paris ziehen, berichtet die "FAZ". Das darf man wohl als Indiz dafür interpretieren, dass Buberl die Herausforderung nicht nur annimmt, sondern sie auch sicher zu meistern gedenkt.

mit Nachrichtenagenturen