Dienstag, 25. Juni 2019

Selfmade-Bankchef André Esteves verhaftet Aufstieg und Fall von Brasiliens "Goldjunge"

Schwieriger Anspruch: "Wir wollen für unsere Geschäftsethik bewundert werden", erklärte André Esteves vor seiner Verhaftung

Wofür das Kürzel BTG steht, hat sich André Esteves nie ganz festgelegt. Mal bedeutet das nüchterne "Banking and Trading Group" in Wahrheit "Better than Goldman", mal "Back to the Game".

Jetzt dürfte es aber schwer werden für den Gründer und Chef der größten lateinamerikanischen Investmentbank BTG Pactual, wieder ins Spiel zu finden. Am Mittwoch wurde er von der brasilianischen Bundespolizei in Rio de Janeiro verhaftet, die Aktie seiner Bank stürzte um fast 40 Prozent ab.

Esteves ist längst nicht der erste aus Brasiliens Geschäftselite, der sich im Korruptionsskandal "Lava-Jato" (Autowäsche) um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras Börsen-Chart zeigen verstrickt. Aber mit dem 47-jährigen Milliardär, Spitzname "Goldjunge", erwischt es einen, der sich selbst als dynamischen Leistungsträger und Gegenbild zur alten Günstlingswirtschaft inszenierte.

Sein Fall erinnert an den Tausendsassa Eike Batista, der als Selfmademan an die Spitze der reichsten Menschen der Welt vorstieß - bis sein Imperium vor drei Jahren kollabierte. Pikanterweise präsentierte sich Esteves kurzzeitig als Batistas Retter, mit Milliardenkrediten und Beratung zum Notverkauf von dessen Unternehmen (auch an den deutschen Energiekonzern Eon Börsen-Chart zeigen) - nur um kurz darauf zu verfügen, Batistas "traurige Geschichte" müsse jetzt leider beendet werden.

Wie Batista pflegte er sein öffentliches Bild als Apostel des Erfolgs. Bewerber für Jobs bei BTG Pactual fragte er nach eigenem Bekunden, ob sie Chef oder Angestellter werden wollten. Nur wer die Ambition zum Chef hat, könne in seiner "Partnership" mitmachen.

Folgen Sie Arvid Kaiser auf twitter

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung