Anlage-Guru Wie John Paulson sich an Griechenland verhob

Von Arne Gottschalck
John Paulson: Anlage-Guru - und offenbar Griechenland-Freund

John Paulson: Anlage-Guru - und offenbar Griechenland-Freund

Foto: REUTERS

Es ist noch gar nicht so lange her, da sahen etliche Investmentexperten in Griechenland eine echte Chance, ein Schnäppchen. Besonders Bankaktien waren begehrt. Nur ein knappes Jahr später hat sich die Euphorie verflüchtigt, in Katerstimmung verwandelt.

Vier griechische Banken hätten Aktienkäufe von mehr als 11 Milliarden Dollar gesehen, reportiert Bloomberg . "Eine Stimme des Vertrauens in das griechische Bankensystem" nannte es die Analysten Maria Kanellopoulou. Mit dabei beim hellenischen Hoffnungslauf waren offenbar große amerikanische Investoren wie Paulson & Co., BlackRock Inc., Capital Group Inc., Fidelity Management & Research Co. und Fairfax Financial Holdings Ltd., berichtet Bloomberg. Vertrauen, das sich nach zwölf Monaten nicht auszahlte.

Denn die Aktien der vier Banken, Eurobank Ergasias, National Bank of Greece (NBG), Piraeus Bank und Alpha Bank, sind im Schnitt um 56 Prozent im Wert gefallen. Ein "default" des Landes ist da noch nicht einmal einkalkuliert. Selbst wenn das Land noch eine Lösung findet und den "default" abwenden kann - es könnte noch immer Banken stürzen, weil sie griechische Staatsanleihen halten oder an den "non-performing loans", den faulen Krediten, ersticken. Jeder Alternative sei daher hart, sagt Diego Valiante vom European Capital Markets Institute and the Centre for European Policy Studies.

Die US-Investoren, die im vergangenen Jahr zugegriffen haben, gehören nun offenbar zu den größten Investoren. Paulson und Fairfax zum Beispiel sind die zweitgrößten Anteilseigner bei der Piraeus Bank und der Eurobank, so Bloomberg.

Der Griechenland-Versteher

Im zweiten Quartal 2014 hatte Hedgefonds-Ikone Paulson einen 6,6-Prozent-Anteil an der Piraeus Bank enthüllt und soll auch im März diesen Jahres den gleichen Anteil halten, so Daten, auf die sich Bloomberg beruft. Im Frühjahr waren die Papiere um die 655 Millionen Euro wert. Da sie zuletzt bei 40 Cent notierten, würde der Anteil nun nur noch 162 Millionen Euro wert sein. Und offenbar hat Paulson noch immer Vertrauen in Griechenland - im Mai kaufte er der Piraeus Bank deren 9,9-Prozent-Anteil an Athens Water Supply & Sewage Co. für 86,3 Millionen Euro ab, heißt es.

Auch NBG und Alpha Bank gerieten in den Sog der Krise und verloren in den vergangenen zwölf Monaten 55 beziehungsweise 53 Prozent an Wert. Erst im zweiten Quartal 2014 hatte BlackRock seinen Anteil an NBG aufgestockt und im ersten Quartal diesen Jahres nachgelegt - auf offenbar 90,1 Millionen.

Für die betroffenen ist das ärgerlich - doch auch für Griechenland. Denn wegen der schlechten Performance halten sich die US-stämmigen Fonds nun zurück und lassen Griechenland links liegen. Das beobachtet auch Craig Coben von Bank of America Merrill Lynch." Der Nachtrichtenfluss aus Griechenland sorgt für Volatilität und das macht das Engagement schwer". Und wer bereits investiert ist? Schweigt. Blackstone, Capital Group, Fairfax und Paulson wollten keinen Kommentar zu ihren Investments abgeben. Aber wer weiß, vielleicht behält Paulson ja doch Recht mit seinen Griechenland-Investments und alles wendet sich zum guten. Verhoben? Von wegen. Eher die Konkurrenten verladen. Nur - danach sieht es derzeit nicht aus.

Mehr lesen über