Freitag, 22. November 2019

Der geheimnisvolle Cargill-Clan Die Familie mit den meisten Milliardären

William Wallace Cargill, Gründer des Korn-Imperiums: Die meisten Vertreter des Cargill-Clans leben im Verborgenen - und sehr auskömmlich von dem, was ihr Vorfahr gesät hat

Sie sind reicher als die Rockefellers, die Vanderbilts und die Carnegies zusammen. Und doch ist der Cargill-Clan geheimnisumwoben wie kaum ein amerikanischer Milliardärsclan. Es gibt keine Sippe, die auch nur annähernd so viele Milliardäre hervorgebracht hätte, wie die Familie rund um das Agrikulturimperium Cargill.

14 Familienmitglieder tauchen im aktuellen Milliardärsranking des US-Magazins "Forbes" auf - weit mehr als die Waltons (Wal-Mart) oder die Koch-Sippe je zustande gebracht hätten. Das reichste Clanmitglied ist die 81-jährige Urenkelin des Cargill-Gründers W.W. Cargill, Pauline MacMillan Keinath. Sie bringt es allein auf ein Vermögen von 5,8 Milliarden Dollar.

Die meisten Vertreter des Cargill-Clans leben im Verborgenen. Sie betreiben Viehzucht auf riesigen Anwesen im US-Bundesstaat Montana, wie Gründer-Urenkel Whitney MacMillan, oder trainieren Pferde in Kalifornien, wie Gwendolyn Sontheim Meyer.

Oder sie kümmern sich um profane Verwaltungsangelegenheiten wie beispielsweise die 61-jährige Marianne Liebmann, deren Ur-Großvater W.W. Cargill das Unternehmen im Jahr 1865 als Kornlager gründete.

Andere Clanmitglieder leben mittlerweile in Florida oder Connecticut - allerdings nicht weniger verschwiegen als die Verwandtschaft in den Mountain States. Nur wenn einzelne Clanmitglieder wie zuletzt 2014 millionenschwere Anwesen veräußern, dringt ab und zu etwas Licht in die abgeschottete Milliardärswelt des Cargill-MacMillan Clans.

Kohle, Mehl, Futtermittel, Holz und Samen ....

Grundpfeiler des Reichtums ist der weltweit agierende Cargill-Konzern - ein wahrer Gemischtwarenladen im Agrikulturbereich. Vor 150 Jahren als Kornlager gegründet, hat die Familie die Geschäfte mit der Erschließung des Landes über die Jahre immer weiter ausgebaut und internationalisiert.

Waren es zunächst vor allem Kohle, Mehl, Futtermittel, Holz und Samen, mit denen die ersten Generationen der Familie ihr Geld vermehrten, kam durch clevere Investments in Eisenbahnen, Liegenschaften, Bewässerungssysteme und Farmen immer neue Geschäftszweige hinzu.

... bis hin zu Kraftstoffen, Fleisch und Zusatzstoffen

Heute gibt es von Tierfutter über Biokraftstoffe, Öle, Fleisch, Zusatzstoffen für Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Finanzdienstleitungen und Produkten für die Pharma- und Medizinindustrie kaum etwas, was das Unternehmen im landwirtschaftlichen Bereich nicht im Portfolio hätte. Ob Rührei von Mc Donald's, Burger , Schinken, Truthahnbrust oder die vielen Zusatzstoffe - Cargill-Produkte stehen bei wohl jedem US-Amerikaner irgendwann auf dem Speiseplan.

Seit 1995 wird Cargill zwar von einem familienfremden Manager geführt. Doch rund 88 Prozent des Konzerns mit weltweit rund 143.000 Beschäftigten befinden sich laut "Forbes" noch immer im Familienbesitz. Was den Cargill-Konzern zum größten Familienunternehmen der USA macht - mit einem Jahresumsatz von zuletzt 135 Milliarden Dollar und einem Nettogewinn von rund 1,9 Milliarden Dollar.

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