Geschäftsmann aus Osnabrück 800 Mal falsch promoviert, 800 Mal kassiert

Bis zu 800 falsche Doktortitel soll er verkauft haben, satte 5,6 Millionen Euro kassierte ein Geschäftsmann aus Osnabrück für die Fake-Urkunden. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.
Von mm-newsdesk
Anklage gegen Geschäftsmann: Obskure Ehrendoktortitel einer Yorkshire University, die es gar nicht gibt

Anklage gegen Geschäftsmann: Obskure Ehrendoktortitel einer Yorkshire University, die es gar nicht gibt

Foto: Peter Kneffel/ picture alliance / dpa
Fotostrecke

Doktorarbeiten von Prominenten: Wie Merkel, Gysi, Ratzinger zum Dr. wurden

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Als Professor Carlos Niemeyer trat er auf und verscherbelte frei erfundene akademische Urkunden an geltungssüchtige Kunden. Zwischen 2003 und 2010 soll er auf diese Weise 5,6 Millionen Euro eingenommen und nicht versteuert haben. Deshalb erhebt die Staatsanwaltschaft Osnabrück jetzt Anklage gegen den Geschäftsmann. Sie wirft ihm vor, mindestens 1,8 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Mindestens 500, wahrscheinlich aber bis zu 800 solcher Urkunden soll er verkauft haben, schätzen die Ermittler. "Das Verfahren wegen Betrugs gegen den Mann wegen des Handels mit den Doktortiteln wurde aber eingestellt", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, am Mittwoch. Es habe nicht nachgewiesen werden können, dass die Käufer der Doktorurkunden ernsthaft geglaubt hätten, echte Titel zu erwerben.

Hohe kriminelle Energie

Nach Recherchen von NDR Info  und der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hatte der 65-Jährige Titelhändler aus Osnabrück Ehrendoktortitel einer frei erfundenen Hochschule namens Yorkshire University sowie gefälschte Doktorurkunden der Technischen Universität Warschau angeboten. Die Titel gingen zu Preisen von bis zu knapp 15.000 Euro über den Tisch.

Der 65-Jährige soll, heißt es in dem Bericht, seine Einnahmen über ein Firmengeflecht in der Schweiz und in Panama geschleust haben. Angesichts der hinterzogenen Summe und der kriminellen Energie beim Umleiten der Gelder müsse der Angeklagte mit einer Haftstrafe ohne Bewährung rechnen, so die Staatsanwaltschaft.

him/ dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.