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Pech mit Piëch

Stehaufmännchen: Zweimal prophezeite mm dem VW-Chef das Karriereende. Doch er lenkt und lenkt...
aus manager magazin 9/2001

Damals in den 80er Jahren, als Ferdinand Piëch (64) Technikvorstand von Audi NSU war, hatte er noch Haare. Es reichte sogar noch für einen Scheitel über den klugen Kopf. Darin entwickelte der Porsche-Enkel schon früh ehrgeizige Pläne. Piëch wollte unbedingt Chef werden - erst bei der Tochter Audi, dann bei der Mutter Volkswagen.

Im Frühjahr 1987 sah er seine Chance, den damaligen Audi-Chef Wolfgang Habbel zu beerben. Doch die Arbeitnehmer im Audi-Aufsichtsrat blockten. Sie mochten Piëch nicht, der ihnen nicht mal die Pinkelpause gönnte. Habbel blieb. "Das Ende einer Karriere", schlagzeilte mm in Heft 5/1987. Und orakelte ein paar Zeilen weiter: "Für den Porsche-Erben ist damit der weitere Aufstieg im Volkswagen-Konzern

verbaut." Fehleinschätzung Nummer eins.

Von wegen Auslaufmodell Piëch. Anfang 1988 wurde Piëch doch Audi-Chef. Er hatte mit seinem Weggang - zu Nissan? - gedroht. Audi brauchte Piëch, denn er ist zwar "ein kaum kontrollierter Egoist, aber leider auch ein genialer Techniker", so das - diesmal treffsichere - mm-Urteil zu Beginn von Piëchs Amtszeit in Ingolstadt.

Auch drei Jahre später, als es in Wolfsburg um die Nachfolge von VW-Chef Carl Hahn ging, war Ferdinand Piëch wieder am Start, zusammen mit den VW-Vorständen Martin Posth und Daniel Goeudevert sowie Mercedes-Vize Helmut Werner; doch auch diesmal attestierte mm Piëch wenig Chancen: Er scheine aus dem Rennen zu sein, hieß es in Heft 7/1990. Top-Favorit sei Rotschopf Goeudevert, weil der von den Gewerkschaften und dem Land Niedersachsen - Rot-Grün hatte damals gerade gewonnen - besser gelitten sei. Fehleinschätzung Nummer zwei.

Piëch antichambrierte nach unten (bei Betriebsrat und Gewerkschaften) und intrigierte sich nach oben. Anfang 1993 war er - endlich - VW-Chef, und für Goeudevert reichte es nur zum Stellvertreter. Später warf Piëch Goeudevert raus.

Im April 2002 wird Piëch aufhören. Sein Nachfolger - glaubt tout le monde automobile - wird Bernd Pischetsrieder (53).

Weil mm bei dem unberechenbaren Piëch bislang häufiger daneben lag, wollen wir diesmal endlich richtig spekulieren: Pischetsrieder wird nicht Piëchs Nachfolger.

Piëch hat den Ex-BMW-Chef nur nach Wolfsburg geholt, um ihn letztendlich zu demontieren und zu demütigen. Piëch hat nie überwunden, dass ihn Pischetsrieder beim Rolls-Royce-Deal so genüsslich ausgetrickst und in aller Öffentlichkeit vorgeführt hat. Solche Schlappen mag der Mann nicht.

Als Rache holte Piëch vergangenes Jahr den Bayern nach Wolfsburg und baute ihn als Nachfolger auf. Doch kurz vor der Entscheidung über die Nachfolge wird er Pischetsrieder fallen lassen.

Fehleinschätzung Nummer drei?

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