Chinas Angriff auf Tech-Riesen Online-Spiele als "spirituelles Opium"

Erst Alibaba, jetzt Tencent: Peking geht mit scharfer Regulierung gegen die heimischen Tech-Riesen vor. So reichen ein paar Worte aus, um die Aktie des landesweit größten Gaming-Anbieters kräftig unter Druck zu bringen.
Wechat (Weixin): Der Messengerdienst gehört zu Chinas Internet-Riesen Tencent, der nach Alibaba nun auch den Druck aus Peking zu spüren bekommt

Wechat (Weixin): Der Messengerdienst gehört zu Chinas Internet-Riesen Tencent, der nach Alibaba nun auch den Druck aus Peking zu spüren bekommt

Foto: FLORENCE LO / REUTERS

Tencent ist der größte Gaming- und Social-Media-Anbieter Chinas und ist damit entsprechend verwundbar für verstärkte staatliche Kontrolle. Am Dienstag stufte die Regierung in Peking Onlinespiele als "spirituelles Opium" ein - und sorgte damit für einen zweistelligen Kursrutsch bei Tencent. Binnen weniger Tage hat der Internetkonzern Tencent rund 20 Prozent seines Börsenwertes eingebüßt. Seit März betragen die Verluste der Tencent-Aktie  mehr als 40 Prozent.

Der Online-Riese bemühte sich noch am Dienstag darum, den Schaden in Grenzen zu halten. Tencent arbeite darauf hin, Jugendlichen den Zugang zu Tencents umsatzstärkstem und derzeit wichtigstem Online-Spiel, "Honor of Kings", stärker einzuschränken, hieß es. In mehreren Artikeln regierungsfreundlicher Zeitungen war zuvor darauf hingewiesen worden, dass Spiele wie "Honor of Kings" vor allem für Jugendliche gefährlich sei, weil es zu Spielsucht führen könne.

Der Online-Gaming-Markt könnte nun der nächste Sektor sein, den Peking durch scharfe Regulierung ausbremst. Zuletzt hatten private Bildungsanbieter, der Technologiesektor sowie der Grundbesitzsektor staatliche Eingriffe zu spüren bekommen. Viele Unternehmen müssen nach Jahren starken Wachstums nun ihr Geschäftsmodell umstellen, wenn sie überleben wollen. "Es gibt in Chinas Wirtschaft keine heiligen Kühe mehr", fasste Trivium-Analyst Ether Yin in Peking die Situation zusammen.

Alibaba leidet unter scharfer Regulierung der Ant-Group

Parallel leiden auch der Online Riese Alibaba sowie deren Beteiligung Ant Group unter verstärkter Regulierung. Der von der chinesischen Regierung unterbundene Rekord-Börsengang der Ant Group macht Alibaba weiter zu schaffen. Die Finanz-Beteiligung steuerte in den Monaten April bis Juni mit knapp 4,5 Milliarden Yuan (585 Mio Euro) gut 37 Prozent weniger zum Konzernergebnis bei also noch im ersten Quartal, wie Alibaba am Dienstag in Huangzhou mitteilte. Grund dafür waren vor allem strengere Auflagen der Regierung für die Ant Group. Alibaba hält rund ein Drittel an dem Finanzunternehmen, dessen Ergebnisse immer mit einem Quartal Verzögerung in die Bilanz von Alibaba einfließen.

Alibaba-Gründer Jack Ma hatte im Herbst vergangenen Jahres den Zorn Pekings auf sich gezogen, als er die Finanzbehörden kritisiert hatte, Innovation zu bremsen. Daraufhin ließen die Behörden das Debüt auf dem Parkett in Shanghai und Hongkong kurzfristig platzen und drehten die Schrauben für das Finanzunternehmen enger. Ma, der nicht mehr bei Alibaba aktiv ist und zudem sich vom Großteil seiner Anteile getrennt hat, wurde zudem seitdem sehr selten in der Öffentlichkeit gesehen.

Mitte April hatte Peking zudem angeordnet, dass die Ant Group in eine Finanzholding umgewandelt werden muss. Wie auch andere Banken untersteht das Fintech-Unternehmen seither den Aufsichtsbehörden und muss strengere Auflagen erfüllen. Zudem muss Ant Group mehr Reserven bereithalten. Das Vorgehen gegen Ant und Ma gilt als Auftakt für eine Reihe von Maßnahmen, mit denen Chinas Regierung die Zügel für heimische Technologiekonzerne angezogen hat. So sollen in Zukunft Börsengänge in den USA erschwert werden.

Alibaba verfehlt Erwartungen

Konzernweit stieg Alibabas Umsatz verglichen mit dem Vorjahresquartal um gut ein Drittel auf 206 Milliarden Yuan. Allerdings blieb das Unternehmen damit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging wegen höherer Investitionen um fünf Prozent auf 49 Milliarden Yuan zurück. Hier übertraf Alibaba die Prognosen der Experten. Die in New York gelistete Alibaba-Aktie gab leicht nach.

Alibaba ist in vielen Punkten mit Amazon vergleichbar; allerdings haben die Chinesen keine so starke Cloudsparte wie der US-Konzern. Diese ist bei Amazon der wichtigste Gewinntreiber. Am Aktienmarkt entwickelte sich das ebenfalls an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Alibaba-Papier daher zuletzt deutlich schlechter als die Amazon-Anteile.

la/reuters
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