Hohe Abschreibungen BP nimmt schrittweise Abschied vom Öl

Weg vom Öl: Der Noch-Ölkonzern BP schreibt zwar wieder schwarze Zahlen, weist für das dritte Quartal jedoch wegen hoher Abschreibungen erneut einen Verlust aus. Konzernchef Looney will BP im Rekordtempo zum Anbieter erneuerbarer Energien umbauen.
Ölplattform von BP in der Nordsee

Ölplattform von BP in der Nordsee

Foto: REUTERS

Der britische Ölkonzern BP ist im dritten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Londoner Unternehmen fuhr einen Gewinn von 86 Millionen Dollar ein und schlug sich damit besser als von Analysten erwartet, die mit einem Verlust von 120 Millionen Dollar gerechnet hatten. Unter dem Strich stand wegen hoher Abschreibungen und Wertberichtigungen jedoch für die Aktionäre ein Verlust von 450 Millionen US-Dollar (381 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Dienstag in London mitteilte.

Im Vorquartal hatte BP noch wegen milliardenschwerer Abschreibungen und einer schrumpfenden Nachfrage einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Dollar verzeichnet. Der Konzern profitierte nun von einer langsamen Erholung der Ölpreise und stärkeren Ergebnissen im Erdgashandel. Die weiteren Aussichten seien angesichts der Corona-Pandemie aber unsicher, warnte BP.

"Es ist schwer abzusehen, wann die aktuellen Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage behoben werden und welche endgültigen Auswirkungen Covid-19 haben wird." Wie schnell die Erholung verlaufe, sei unklar, das belaste weiter die Nachfrage.

BP-Aktien sind in diesem Jahr bereits um mehr als 50 Prozent gefallen, um bewegen sich weiter nahe ihres 25-Jahrestiefs. Dabei lasten auch Bedenken der Investoren auf der Aktie, ob es dem Öl- und Gaskonzern der geplante Strategieschwenk gelingt, sich in Zukunft vollständig auf "grüne" Energie zu fokussieren.

Radikaler Strategieschwenk hin zu Erneuerbaren Energien

BP-Chef Bernhard Looney (50) hatte bereits nach dem Milliardenverlust im zweiten Quartal einen radikalen Strategieschwenk angekündigt. BP will die Krise nutzen, um schneller auf klimafreundlichere Energien umzusteigen. Das Unternehmen kündigte an, seine Kohlenwasserstoffproduktion bis 2030 um bis zu 40 Prozent zu kürzen, und gleichzeitig seine Investitionen in kohlenstoffarme Energien deutlich steigern. Diese sollen bis 2030 verzehnfacht werden und jährlich 5 Milliarden Dollar erreichen. BP will die Erzeugung Erneuerbarer Energien auf 50 Gigawatt erhöhen.

Ein Hoffnungsschimmer für den Konzern, der mitten im Wandel steckt: Bereinigt um Sonderposten sowie um Bewertungsveränderungen von Ölreserven stand aber zwischen Juli und Ende September ein Gewinn von 86 Millionen Dollar - nach 2,25 Milliarden ein Jahr zuvor. Hier hatten Analysten ebenfalls mit einem Verlust gerechnet.

Der Umbau ist langwierig und teuer: BP-Aktionäre haben bereits eine lange Leidenszeit hinter sich und mussten auch am Dienstag erneute Verluste verkraften. Die Aktie von BP  hat sich in diesem Jahr mehr als halbiert und notiert derzeit noch unter ihrem Corona-Tief von Anfang März. Mit umgerechnet 13,10 Euro notiert die Aktie auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als zehn Jahren.

BP-Chef Looney setzte die Quartalsdividende wie im Vorquartal bei 5,25 US-Cent an. Da hatte BP die Quartalsausschüttung zum ersten Mal seit zehn Jahren gekappt. Im vergangenen Quartal seien Fortschritte beim Schuldenabbau gemacht worden.

Die schrittweise Erholung der Ölnachfrage seit dem Frühling scheine sich fortzusetzen, hieß es vom Unternehmen. Insbesondere in Asien ziehe die Nachfrage an. Allerdings sei Form und Geschwindigkeit der Erholung der Weltwirtschaft weiter von der weiteren Ausbreitung der Covid-19-Pandemie abhängig

la/dpa
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