Airline schreibt Milliarden ab Norwegian Air storniert Großauftrag über 88 Airbus-Flugzeuge

Vom größten Flugzeugauftrag in Europas Geschichte zur größten Stornierung: Die ums Überleben ringende Billigairline Norwegian hat ihre Bestellung von Airbus komplett aufgelöst.
Verblasste Vision: Die Norwegian-Flieger vom Typ Airbus A320 neo wurden 2012 als Teil der größten Flugzeugbestellung in Europas Geschichte präsentiert

Verblasste Vision: Die Norwegian-Flieger vom Typ Airbus A320 neo wurden 2012 als Teil der größten Flugzeugbestellung in Europas Geschichte präsentiert

Foto: Fixion/Airbus Handout/ picture alliance / dpa

Die norwegische Fluggesellschaft Norwegian Air hat ihre komplette Bestellung von 88 Maschinen bei Airbus storniert. Das teilte ein Firmensprecher am Freitag mit. Laut Informationen von Reuters haben sich die in einem Verfahren der Sanierungsinsolvenz steckende Airline und der Flugzeughersteller darauf geeinig, die Order zu streichen. Norwegian schulde Airbus aber noch knapp 850.000 Dollar. Außerdem behalte Airbus die bereits geleisteten Anzahlungen ein, ohne dafür Flugzeuge liefern zu müssen.

Die Bestellung von ursprünglich 100 Flugzeugen des Modells Airbus A320neo war 2012 von der damals stark expandierenden Billigairline als Teil des größten Flugzeugauftrags der europäischen Geschichte präsentiert worden. Dazu gehörten auch 122 Maschinen von Boeing, darunter die erste Order für die 737 Max aus Europa. Die Norwegian-Flotte besteht bis heute ausschließlich aus Flugzeugen von Boeing. Auch die Boeing-Bestellung, von der noch 97 Flugzeuge ausstehen, will Norwegian loswerden. Das wurde bereits im Juni 2020 verkündet. Boeing hat die Stornierung aber bis heute nicht bestätigt.

Im vierten Quartal 2020 wurde eine Wertminderung von 12,8 Milliarden norwegischen Kronen (1,2 Milliarden Euro) verbucht, wie Norwegian mitteilte. Unter dem Strich verlor das Unternehmen 16,6 Milliarden norwegische Kronen (1,6 Milliarden Euro). In dem Zeitraum seien im Zuge von Corona-Pandemie und Reisebeschränkungen nur noch 574.000 Kunden mit Norwegian geflogen, was einem Rückgang um 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entsprach. Von den 131 Flugzeugen der Norwegian-Flotte seien durchschnittlich nur 15 in Betrieb gewesen.

Staatshilfe in Sicht

"Wir tun alles, was wir können, um als finanziell sicherere und wettbewerbsfähigere Fluggesellschaft mit einem verbesserten Kundenangebot hervorzugehen", sagte Konzernchef Jacob Schram. Die Verringerung der Flotte um 78 Flieger schreite wie geplant voran und werde voraussichtlich im zweiten Quartal 2021 abgeschlossen. Dennoch befürchtet das Unternehmen zahlungsunfähig zu werden, sollte es bis Ende März nicht gelingen seine Schulden und Verbindlichkeiten zu restrukturieren. Die Gesamtverbindlichkeiten gingen bis Ende Dezember auf 56,2 Milliarden norwegische Kronen zurück, von 66,8 Milliarden am 30. September.

"2020 ist ein außerordentlich schwieriges Jahr für die gesamte Flugbranche und für Norwegian gewesen", resümierte Schram. Das Ergebnis des Schlussquartals komme deshalb nicht überraschend. Die Fluglinie bietet künftig keine Langstreckenflüge mehr an und will sich stattdessen auf Kurzstrecken in Europa und vor allem in Skandinavien konzentrieren.

Die zum Jahresende in Irland und Norwegen eingeleiteten Umstrukturierungsprozesse liefen nach Plan, erklärte Norwegian. In beiden Ländern hat Norwegian Gläubigerschutz erhalten. Ziel ist, die hohen Schulden zu verringern, die Flottenstärke anzupassen und an neues Kapital zu gelangen. Im Januar signalisierte die norwegische Regierung, nach dem neuen Sanierungsplan nun doch zu weiterer Staatshilfe bereit zu sein. Im November hatte sie das noch abgelehnt.

ak/Reuters, dpa-afx