Weltgrößter Pensionsfonds Staatsfonds-Chef kritisiert "Gier der Chefs"

Der Chef des größten Staatsfonds der Welt ruft zum Widerstand gegen überhöhte Managergehälter auf. Intel, Appel, IBM und GE haben die Marktmacht aus Norwegen bereits zu spüren bekommen. Auch andere Aktionäre "müssten strenger werden", fordert Fondschef Nicolai Tangen.
Scharfe Kritik an überhöhten Managergehältern: Staatsfonds-Chef Nicolai Tangen bemängelt die horrenden Vergütungen, da sie die Gewinne der Aktionäre verwässern

Scharfe Kritik an überhöhten Managergehältern: Staatsfonds-Chef Nicolai Tangen bemängelt die horrenden Vergütungen, da sie die Gewinne der Aktionäre verwässern

Foto: Fredrik Solstad / Bloomberg via Getty Images

Der größte Staatsfonds der Welt hat die "Gier der Unternehmen" und überhöhte Gehälter für "mittelmäßige Leistungen" angeprangert. "Wir werden insbesondere hohe Gehaltspakete ins Visier nehmen, die nicht durch Leistung gerechtfertigt, undurchsichtig oder nicht ausreichend langfristig sind", erklärte der Chef des norwegischen Ölfonds, Nicolai Tangen (55), gegenüber der "Financial Times ".

"Wir befinden uns in einem inflationären Umfeld, in dem viele Unternehmen mit eher mittelmäßiger Leistung sehr hohe Gehaltspakete ausloben ", sagte Tangen weiter. Die Gier der Unternehmen erreiche ein nie dagewesenes Ausmaß, und das komme die Aktionäre in Form einer Verwässerung sehr teuer zu stehen.

Norwegens Pensionsfonds hat aktuell einen Marktwert von umgerechnet rund 1,2 Billionen Euro und ist damit der größte Staatsfonds der Welt. Er wird mit Geld aus der Öl- und Gasförderung gefüttert, von der Zentralbank im Auftrag des Finanzministeriums verwaltet und investiert in Tausende Unternehmen weltweit, darunter Großkonzerne wie Microsoft, Apple und Amazon. Etwa 70 Prozent des Vermögens sind in Aktien angelegt, was die Norweger auch zum größten Einzelaktionär der Welt macht.

Seine Marktmacht ist daher groß, und die will der Fonds nun auch vermehrt nutzen. Auf den Hauptversammlungen von Intel und Apple verweigerte das Management um Tangen den Führungskräften bereits die Entlastung, wie die FT weiter berichtet. Auch bei IBM, General Electric und Harley-Davidson habe der Fonds gegen die geplanten Vergütungspakete gestimmt.

Vergütung der US-Topmanager auf Rekordwert gestiegen

Wie der Datenanbieter Equilar errechnet hat, sind die durchschnittlichen Gehälter von Topmanagern in den USA im vergangenen Jahr tatsächlich um 31 Prozent auf einen Rekordwert von 20 Millionen Dollar gestiegen. Topverdiener unter den 100 umsatzstärksten US-Unternehmen war Intel-CEO Patrick Gelsinger (61) mit rund 178 Millionen Dollar.

Dabei hat sich der Gehaltsunterschied zwischen dem Topmanagement und dem durchschnittlichen Verdienst der Mitarbeiter noch einmal erhöht. Der Studie zufolge haben die Firmenchefs 2021 nun das 254-fache des Gehalts eines durchschnittlichen Arbeitnehmers erhalten. 2020 war es noch das 238-fache. Und das, obwohl auch das Durchschnittsgehalt der Mitarbeiter im Vergleich zu 2020 von 68.883 auf 71.869 US-Dollar gestiegen ist.

Auch Europa im Blick

Nach Auffassung des ehemaligen Hedgefondsmanagers Tangen werde sich das Problem nur weiter verschlimmern, wenn die Anleger nichts unternähmen. "Wenn die Aktionäre in Bezug auf ihr Abstimmungsverhalten nicht strenger werden, wird das so weitergehen", sagte Tangen der FT. Er sei allerdings nicht grundsätzlich gegen hohe Vergütungen, wie die Beispiele JPMorgan und Amazon zeigten.

Laut Carine Smith Ihenacho, Chief Governance and Compliance Officer beim Staatsfonds, legt der Fonds auch keine Obergrenze für die Vergütung fest, sondern bevorzugt Unternehmen, die ihren Führungskräften Paketen mit hohen Aktienanteilen anbieten. So könne sichergestellt werden, dass das Topmanagement mit den Interessen der Anleger im Einklang stehe.

Bei seinem Kampf gegen überhöhte Gehälter liegt der Fokus des Fonds Smith Ihenacho zufolge derzeit auf den USA, da dort die Gehälter am höchsten sind. Aber Europa und andere Länder werde der Fonds ebenfalls im Blick behalten, wie die Managerin versichert.

mg