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Was macht eigentlich ... Nikolaus Schweickart?

Was macht eigentlich Nikolaus Schweickart?
aus manager magazin 8/2008

AM LIEBSTEN möchte sich Nikolaus Schweickart (64) vor großer Kunst fotografieren lassen. Er stellt sich vor die monumentale Daphne, die Markus Lüpertz gegossen hat, und lächelt gewinnend in den sonnigen Frühsommermorgen in Bad Homburg. Aufgeregt zwitschern die Vögel zwischen den villenartigen Büropalästen der Quandts, der Verkehr unten im fernen Tal säuselt dazu. Hinter ihm verwandelt sich die griechische Nymphe in einen Baum, vor ihr hat sich der ehemalige Altana-Vorstandsvorsitzende in einen Best Ager verwandelt: offenes weißes Hemd, helle Hose, gebräuntes Gesicht.

Ein gutes Jahr ist es her, da hatte Schweickart seinen letzten großen Auftritt als Konzernherr; es war kein sehr erfreulicher. Vor der Frankfurter Messe wurde er von Demonstranten mit Flugblättern und Sätzen wie "Die Strategielosigkeit verhinderte zukünftige Erfolge und zerstört nun Arbeitsplätze" begrüßt. Auf der Haupt- versammlung erklärte er notgedrungen den Verkauf der Altana Pharma an den dänischen Investor Nycomed und damit auch seine Demission. Danach war Schluss: kein großes Abschiedsessen mit den Mitarbeitern, keine feierliche Verabschiedung durch die Familie Quandt, in deren Reich er 30 Jahre gedient hatte, kein Aufsichtsratsposten. Selten nur fallen Dax-Vorstandschefs so abrupt in die Bedeutungslosigkeit.

Wie hat er das verkraftet? Nikolaus Schweickart, der sehr flüssig reden kann, stockt. "So eine lange Wegstrecke steckt man nicht über Nacht weg. Man arbeitet Woche für Woche die Zeit auf." Von einem Misserfolg will er auch heute im Zusammenhang mit Altana nicht sprechen. Schließlich habe er das Unternehmen erst aufgebaut und zu Erfolgen geführt, bis es mit leerer Medikamentenpipeline zum Verkauf gestellt werden musste. Allerdings: "Ich hätte früher auf Kooperationen in der Forschung setzen sollen, das ist der Vorwurf, den ich mir machen muss."

Lieber jedoch erzählt er vom "Hineingleiten in eine neue Lebenserfahrung". Schweickart spielt Golf und Tennis, will per Schiff zum Südpol und zu Fuß durch Tibet, er hat ein Haus in Portugal, lehrt an der Uni Frankfurt Corporate Governance und Unternehmensethik und leitet die Altana Kulturstiftung. Der Pensionär fühlt sich, betont er, "in keiner Weise gelangweilt". Was ihn nicht daran hindert, jetzt börsen-notierte Familienunternehmen zu beraten; kürzlich erst ist er zum Aufsichtsratschef der Drägerwerke (Medizintechnik) gewählt worden; weitere Engagements sollen folgen.

So wäre eigentlich alles in Ordnung, wenn sich da nicht dieses Schild neben der überflüssig gewordenen Altana-Konzernzentrale in Bad Homburg breitmachte, nur ein paar Meter von Lüpertz' Daphne entfernt. Es ist keine große Kunst, aber doch ein Mahnmal für verlorene Träume. "Büroraum zu vermieten" steht darauf. Martin Noé

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