Inspiration und Netzwerk inklusive Coworking Spaces - die Alternative zum Homeoffice

Homeoffice kann heutzutage (fast) jeder. Das neue Arbeiten dagegen findet in stylischen Lounges mit Blick auf Ostsee oder Alpen statt, gern auch in ländlicher Idylle. Was die sogenannten Coworking Spaces bieten und wie sich der Markt entwickelt – ein Überblick.
Gemeinsam statt einsam: Statt allein im Homeoffice zu sitzen, nutzen immer mehr Freelancer und zunehmend auch Angestellte die Vorteile der Coworking Spaces

Gemeinsam statt einsam: Statt allein im Homeoffice zu sitzen, nutzen immer mehr Freelancer und zunehmend auch Angestellte die Vorteile der Coworking Spaces

Foto: Pekic / Getty Images

Coworking Spaces boomen. Schon vor Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Zahl dieser dezentralen Büroflächen, in denen sich Mitarbeiter flexibel zum Arbeiten einmieten können, in Deutschland innerhalb von 24 Monaten auf 1268 vervierfacht, wie aus einer Analyse  des Bundesverbands Coworking Spaces Deutschland (BCVS) aus dem Frühjahr 2020 hervorgeht. Anfang 2018 waren es nur knapp über 300.

Der durch das Virus plötzlich erzwungene Sprung ins Homeoffice hat nun noch einmal seinen Teil zum Wachstum der Coworking Spaces beigetragen. Zwar mussten laut Tobias Kremkau, einem der Mitgründer der German Coworking Foundation (GCF), seit Beginn der Pandemie viele Coworking Spaces schließen, dennoch wurden etwa zwei- bis dreimal so viele dieser Plätze neu gegründet wie aufgegeben.

Somit hat das Coronavirus die Branche offensichtlich nur kurzfristig beeinträchtigt. Zu Beginn der Pandemie im März vergangenen Jahres erschien es schwer vorstellbar, dass jemals wieder in einem Großraumbüro mehrere Menschen an verschiedenen Schreibtischen abwechselnd arbeiten. Doch mithilfe von Hygienekonzepten und Unterstützung von Bund und Ländern kamen die Anbieter besser durch die Krise als gedacht. Letztendlich gehört die Branche sogar zu den Gewinnern der Pandemie, da sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer die Vorteile des dezentralen Arbeitens schätzen gelernt haben.

Schließlich entfällt dabei für Angestellte beispielsweise der Arbeitsweg und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie funktioniert besser. Doch da nicht jeder problemlos von zu Hause aus arbeiten kann - oft fehlt es an den einfachsten Dingen wie Platz, technischer Ausstattung oder einfach nur Ruhe oder auch Austausch - hat sich das sogenannte Coworking zu einer echten Alternative zum Homeoffice entwickelt.

Inspiration und Netzwerk inklusive

Übersetzt bedeutet Coworking: "Zusammenarbeiten". Dabei kommen Selbstständige, Freiberufler und zunehmend auch immer mehr Angestellte aus verschiedensten Branchen unter einem Dach zusammen, um gemeinsam zu arbeiten. Sie nutzen dabei nicht nur die vorhandene Technik wie Internet und Drucker, sondern profitieren im Gegensatz zum Homeoffice auch vom Gemeinschaftsgefühl und dem Austausch mit anderen Coworkern auf den Gemeinschaftsflächen - Inspiration und Netzwerk inklusive.

Hinzu kommt die große zeitliche Flexibilität, da die Schreibtische nicht nur kurzfristig an-, sondern auch wieder abgemietet werden können. Zudem ist Coworking für die Nutzer auch ortsunabhängig, da es die Flächen in nahezu jeder Großstadt und auch zunehmend in immer mehr ländlichen Bereichen gibt. Arbeiten mit Blick auf den Strand oder die Berge wird so für jeden möglich.

Unternehmen sparen Geld für teure Büroflächen

Für Unternehmen lohnt sich das Konzept zuallererst natürlich finanziell, da sie das Geld für teure Büroflächen sparen. Schließlich sind die Kosten für einen Arbeitsplatz im Coworking Space im Schnitt um die Hälfte niedriger als die Kosten für einen Schreibtisch im Büro. In Berlin kostet ein Arbeitsplatz laut der Suchplattform "Coworking Guide " durchschnittlich etwa 220 Euro pro Monat. Am meisten zahlt ein Coworker im Schnitt in Köln und München.

Hinzu kommt auch hier die Flexibilität: Für zeitlich begrenzte Projekte können die Räumlichkeiten zum Beispiel nur für einen bestimmten Zeitraum angemietet werden. Sollte ein Unternehmen aufgrund seines Wachstums kurzfristig mehr Platz benötigen, kann es zunächst auf die Plätze im Coworking Space zurückgreifen.

Mit der Möglichkeit zur Arbeit im Coworking Space sorgen Arbeitgeber aber auch für Zufriedenheit bei ihren Angestellten und ziehen zudem Talente an, die zuvor aufgrund ihrer örtlichen Distanz gar nicht als Mitarbeiter infrage kamen. Auch in Sachen Privatsphäre, Stichwort Unternehmensgeheimnisse, haben die Coworking Spaces inzwischen etwas zu bieten: Immer mehr Anbieter stellen auch private Büros, Konferenzräume oder inzwischen sogar ganze Etagen zur Verfügung, die kurzfristig angemietet werden können.

Betahaus: Erster deutscher Coworking Space hat Insolvenz angemeldet

Entstanden ist dieses New-Work-Konzept schon Mitte der 1990er-Jahre in Berlin, im Jahr 2005 wurde erstmals der Begriff "Coworking" bei der Eröffnung von Brad Neubergs "San Francisco Coworking Space" in San Francisco verwendet. In Deutschland wurde 2009 das erste Coworking Space, das Betahaus, in Berlin eröffnet.

Anfangs war das Konzept vor allem in deutschen Metropolregionen verbreitet, heute werden die flexiblen Arbeitsplätze auch in ländlichen Regionen immer populärer. Viele Menschen zieht es raus aus der Stadt, es ist ihnen dort zu laut, zu eng, zu teuer. Das digitale Arbeiten, das vielfach erst durch die Corona-Krise ausprobiert wurde, ermöglicht ihnen nun tatsächlich einen Standortwechsel ins Grüne. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey aus dem Sommer 2020 für die "Zeit"-Stiftung möchte jeder dritte Großstädter aufs Land ziehen.

Genau das ist eben auch der Trend bei den Coworking Spaces. Während es auf dem Land immer mehr Angebote gibt, stehen die großen, urbanen Firmen unter Druck. Das Betahaus in Berlin beispielsweise musste im September 2021 Insolvenz anmelden. Die Strategie von Anbietern wie Betahaus, Regus, WeWork oder Mindspace, sich nicht mehr nur auf die einzelnen Mitarbeiter, sondern auf die Unternehmen zu konzentrieren, wurde in der Pandemie zum Problem.

Das Geschäft mit der Vermietung von ganzen Büros oder Eventflächen brach komplett ein. Kleinere Anbieter sowie diejenigen in kleinen und mittelgroßen Städten litten laut GCF-Mitgründer Kremkau zwar auch unter der Corona-Krise, jedoch in einem geringeren Ausmaß als die Coworking Spaces in den Großstädten.

Somit wird es künftig zwar weiter mehr Coworking Spaces geben – sie breiten sich aber vornehmlich in den Dörfern aus. Und das hilft auch bei dem zweiten aktuellen Trendthema, der Nachhaltigkeit: Wer vom Land nicht mehr mit dem Auto in die Stadt pendeln muss, spart schließlich CO2.

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