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Neue Chancen

Editorial Wolfgang Kaden
Von Wolfgang Kaden
aus manager magazin 9/2001

Wo bleiben nur die guten Nachrichten? Die tägliche Zeitungslektüre ist derzeit wahrlich nicht erheiternd: Bayer, Siemens, Telekom ... ; Gewinnwarnungen, Verlustmeldungen, Massenentlassungen, Kursstürze. Keine Volkswirtschaft lässt auf Besserung hoffen; die Welt scheint auf dem direkten Weg in eine globale Rezession.

Betroffen von dem Niedergang sind nicht nur die großen Unternehmensnamen; betroffen sind viele, die gerade voller Zuversicht in ihre unternehmerische Zukunft gestartet waren - oder starten wollten. Was ist eigentlich daraus geworden, aus dem viel besungenen Gründerboom? Die mm-Redakteure

Henrik Müller, Christian Rickens und Claus Schmalholz haben sich in Deutschland umgesehen - und sind mit überraschenden Erkenntnissen zurückgekommen (siehe Seite 192).

Das Positive: Börsencrash und Konjunkturverfall haben die Szene professionalisiert. Eine flotte Geschäftsidee reicht heute nicht mehr, es kommt auf die Qualität der Inhalte an. Das Negative: Der Drang in die Selbstständigkeit hat deutlich nachgelassen. Heute zieht es die Uni-Absolventen wieder verstärkt in den vermeintlich sicheren Hort der Großunternehmen.

Und das ist wahrlich keine gute Entwicklung. Das Land kann es sich nicht leisten, den Gründerspirit wieder zu vertreiben. Wir brauchen die Startups mit bahnbrechenden technischen Ideen. Wir müssen aber auch den Menschen am anderen Ende der Fertigkeiten-Skala, den Geringqualifizierten, neue Chancen bieten.

Gerade im Bereich einfacher, haushaltsnaher Dienstleistungen könnte der Staat für deutlich mehr Beschäftigung sorgen. Wenn Kanzler Schröder in diesen schwierigen Zeiten wirklich die Arbeitslosigkeit senken will, sollte er die Voraussetzungen für eine neue Gründerzeit schaffen: indem er einfache Jobs durch Steuerentlastung attraktiver macht; indem er Regulierungen wie den überzogenen Kündigungsschutz endlich aufweicht; indem er Bürger, die arbeiten wollen, nicht länger als "Scheinselbstständige" abbremst. Mit solchen Reformen würde das Land die drohende Rezession gewiss leichter meistern.

*

In diesem Herbst feiert das manager magazin Jubiläum: Vor 30 Jahren erschien das Blatt zum ersten Mal. mm-Reporter Wolfgang Hirn, seit 16 Jahren dabei, hat sich durch die vielen Hefte gewühlt, die in diesen drei Jahrzehnten erschienen sind. Herausgekommen ist ein amüsanter Rückblick, der auch manchen aufschlussreichen Einblick in die Arbeit der mm-Redaktion bietet (Seite 126).

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