US-Milliardär Bill Ackman verkauft gesamte Netflix-Beteiligung mit 400 Millionen Dollar Verlust

Sein Engagement sei "langfristig", erklärte der US-Investor Bill Ackman vor gut drei Monaten zu seinem milliardenschweren Einstieg bei Netflix. Jetzt ließ der Milliardär das Unternehmen wie eine heiße Kartoffel fallen und nahm hohe Verluste in Kauf.
Ende mit Schrecken: Der US-Investor und Milliardär Bill Ackman hat sich komplett von seinem Netflix-Investment getrennt

Ende mit Schrecken: Der US-Investor und Milliardär Bill Ackman hat sich komplett von seinem Netflix-Investment getrennt

Foto: MIKE BLAKE / REUTERS

Im Januar erst hatte Bill Ackman (55) 1,1 Milliarden Dollar in Aktien des Streaming-Dienstes Netflix investiert – nur wenige Tage, nachdem eine enttäuschende Prognose zu Abonnentenzahlen den Kurs deutlich gedrückt hatte. Der Zeitpunkt zum Einstieg schien günstig, glaubte der US-Milliardär offenbar und überschüttete Netflix kurz darauf geradewegs mit Lob. Sein Hedgefonds Pershing Square Capital Management stieg damit zu den Top-20-Aktionären von Netflix auf – und versprach, sich auf den "langfristigen Horizont" zu konzentrieren.

Von "langfristig" kann jetzt keine Rede mehr sein: Nachdem Netflix am Mittwoch über weiter sinkende Abonnentenzahlen berichtet und ein verändertes Geschäftsmodell in Aussicht gestellt hatte , zog Ackman die Reißleine und verkaufte seine gesamte Netflix-Beteiligung – mit mehr als 400 Millionen Dollar Verlust, wie die "Financial Times"  und "CNBC"  berichten.

Ackman veräußerte demnach mehr als 3,1 Millionen Aktien, die er erst vor drei Monaten zu 360 Dollar das Stück erworben hatte. Die Papiere von Netflix schlossen am Mittwoch bei 226 Dollar je Aktie, ein Minus von rund 35 Prozent. In den vergangenen sechs Monaten hat Netflix etwa zwei Drittel seines Börsenwertes verloren und war am Mittwoch gerade noch 100 Milliarden Dollar wert.

Der New Yorker Milliardär erklärte, dass die vorgeschlagenen Änderungen des Geschäftsmodells, einschließlich der Einbeziehung von Werbung und der Verfolgung von nicht zahlenden Kunden, zwar grundsätzlich sinnvoll seien, doch würde Netflix damit zu unberechenbar.

"Obwohl das Geschäft von Netflix einfach zu verstehen ist, haben wir angesichts der jüngsten Ereignisse das Vertrauen in unsere Fähigkeit verloren, die Zukunftsaussichten des Unternehmens mit ausreichender Sicherheit vorherzusagen", begründete Ackman in einem Brief an die Investoren. Pershing Square, das derzeit mit 21,5 Milliarden Dollar investiert ist, kauft jeweils nur Aktien von etwa einem Dutzend Unternehmen und benötigt ein "hohes Maß an Vorhersehbarkeit" bei seinen Portfoliounternehmen, führte Ackman weiter aus. Der Verlust aus der Netflix-Investition habe die Rendite der Pershing-Fonds um 4 Prozentpunkte im laufenden Jahr gedrückt, gestand der Investor ein.

Foto: statista

Netflix hatte Mittwoch erklärt, im ersten Quartal unter dem Strich 200.000 Abonnenten verloren zu haben. Ursprünglich wollte der Streaming-Dienst 2,5 Millionen Abonnenten hinzugewinnen. Netflix leidet nicht nur unter Ukraine-Krise – 700.000 Abos gingen in Russland durch die Einstellung des Dienstes verloren. Sondern auch unter der Sättigung der Märkte und zusehends starker Konkurrenz von Disney, Apple und Warner Media, die Milliarden von Dollar ausgeben, um dem Streaming-Pionier Netflix die Kunden abzujagen. 

rei