Weniger Umsatz, mehr Profit Nestlé entwickelt sich in der Krise zur Gewinnmaschine

Der Lebensmittelriese ist für viele Anleger ein Kerninvestment. Der deutsche Konzernchef Mark Schneider hat die Gewinnmarge weiter gesteigert - nicht nur durch den rasanten Umbau des Konzerns.
Mehr als solide: Mark Schneider baut Nestlé beherzt um

Mehr als solide: Mark Schneider baut Nestlé beherzt um

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP/Getty Images

Als Ex-Fresenius-Chef Mark Schneider (54) Anfang 2017 den Topjob beim Schweizer Riesen Nestlé übernahm, waren die die Anforderungen klar: Die Profitabilität des weltweit tätigen Lebensmittelherstellers zu steigern, Nestlé schlanker, gewinnträchtiger und zukunftsfähig zu machen. Schneider kam dem Auftrag nach einer ersten Warmlaufphase beherzt nach  - und lässt sich auch durch die Corona-Krise nicht vom Kurs abbringen.

Zwar hat sich der Umsatz von Nestlé im zweiten Quartal etwas verlangsamt, doch erfreute Schneider die Investoren mit einer weiter steigenden Profitabilität sowie einer boomenden E-Commerce-Sparte: Die Aktie von Nestlé  legte am Donnerstag gegen den sehr schwachen Markttrend weiter zu und notiert nahe Rekordhoch.

Die Coronakrise und der erste Lockdown in vielen Ländern hatten Nestlé einen fulminanten Jahresstart beschert: Hamsterkäufe ließen den Umsatz in die Höhe schnellen, viele Menschen deckten sich mit Fertigprodukten, Tiefkühlpizza, Kaffeepulver und Tierfutter ein und sorgten bei Nestlé für eine Sonderkonjunktur.

Die Schweizer konnten im ersten Halbjahr ihr organisches Umsatzwachstum um insgesamt 2,8 Prozent hochschrauben, jedoch verlangsamte sich das Tempo nach dem Abflauen der Hamsterkäufe im zweiten Quartal. Von April bis Juni konnte Nestle organisch nur noch um 1,3 Prozent zulegen. Dennoch übertrafen die Quartalszahlen die Erwartungen.

Für das Gesamtjahr peilt der für Nescafe, Maggi oder KitKat bekannte Konzern nun ein organisches Umsatzwachstum zwischen zwei und drei Prozent an, teilte er am Donnerstag mit. Ursprünglich hatte er noch ein organisches Umsatzwachstum von mehr als 3,5 Prozent in Aussicht gestellt. Analysten bescheinigten Nestlé erneut solide Ergebnisse.

Operative Marge über 17 Prozent, boomendes E-Commerce-Geschäft

"Wir haben ein solides organisches Wachstum erzielt und die Margen im ersten Halbjahr gesteigert", bilanzierte Nestlé-Chef Schneider. Nestlé entwickele sich stabil. Der Umsatz ging auch durch Verkäufe - Nestlé hatte sich etwa vom Geschäft mit Speiseeis in den USA getrennt - und die Folgen des starken Franken im ersten Halbjahr auf 41,2 (45,5) Milliarden Franken zurück.

Der Multi arbeitete dabei aber profitabler - die operative Ergebnismarge legte auf 17,4 Prozent zu, der Reingewinn kletterte auch durch die Verkäufe um 18,3 Prozent auf 5,9 Milliarden Franken. Nestlé kaufte zudem im ersten Halbjahr eigene Aktien im Wert von 4,2 Milliarden Franken zurück.

Im Online-Geschäft bescherten Nestle die Beschränkungen indes ein rasantes Wachstum: Der Umsatz im E-Commerce legte um 48,9 Prozent zu. Er machte damit rund 12,4 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

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