Nachhaltigkeit So gewinnen Sie die besten Köpfe für Ihr Unternehmen

Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle in Politik und Gesellschaft. Wie wichtig das Thema auch für den Kampf um die besten Talente ist, haben viele Firmen noch nicht auf dem Schirm: Laut einer Forsa-Umfrage würde sich jeder dritte Beschäftigte mit Blick auf Umwelt-Standards nicht mehr beim eigenen Unternehmen bewerben.
Nachhaltigkeit soll im Arbeitsalltag eine größere Rolle spielen: Rund ein Drittel der Beschäftigten sieht derzeit keine Möglichkeit, sich aktiv für das Thema einzusetzen

Nachhaltigkeit soll im Arbeitsalltag eine größere Rolle spielen: Rund ein Drittel der Beschäftigten sieht derzeit keine Möglichkeit, sich aktiv für das Thema einzusetzen

Foto: Giorgio Fochesato / Westend61 / imago images

Spätestens seit Greta Thunberg (18) und "Fridays for Future" ist das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Im Handel werben Labels wie "plastikfrei", "für mehr Klimaschutz", oder "fair gehandelt" um die Gunst der Kundinnen und Kunden. Und mit Annalena Baerbock (40) hat die Partei Bündnis 90/Die Grünen erstmals in ihrer Geschichte eine Kanzlerkandidatin nominiert.

Klar, der Klimawandel macht eine Transformation in Politik und Gesellschaft dringend notwendig. Doch auch immer mehr Firmen reagieren: Sie reduzieren Umweltbelastungen, fördern Vielfalt unter den Mitarbeitern, kontrollieren die Einhaltung von Menschenrechten und Tierwohl bei sich und ihren Zulieferern und streben nach wertschaffendem Wachstum. Nur so können sie langfristig wettbewerbsfähig agieren und Kunden, Investoren und Mitarbeiter für sich gewinnen.

Wie wichtig die Werte eines Arbeitgebers im Wettbewerb um die besten Talente sind, zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1000 Angestellten im Auftrag von Porsche Consulting, die manager magazin exklusiv vorliegt. Demzufolge würde sich knapp ein Drittel der Beschäftigten (31 Prozent) heute mit Blick auf die Umwelt- und Klimaschutzstandards im eigenen Unternehmen nicht mehr dort bewerben. Jeder Fünfte (19 Prozent) würde hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit von einer Bewerbung bei seinem eigenen Arbeitgeber absehen, jeder sechste (16 Prozent) aus Gründen der Chancengleichheit.

Beschäftigte wollen sich aktiver einbringen

Die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wünscht sich der Umfrage zufolge, dass das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Arbeitsalltag eine noch größere Rolle spielt. Rund ein Drittel der Befragten sieht derzeit sogar gar keine Möglichkeit, sich aktiv für Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen einbringen zu können.

"Hier liegt die Aufgabe bei den Führungskräften eines Unternehmens, den Rahmen sowie Freiräume und Handlungskompetenz für die Beschäftigten zu schaffen, um sich aktiv einzubringen", fasst Birgit Engler (46), Leiterin des Geschäftsbereichs Sustainability von Porsche Consulting, im Gespräch mit manager magazin zusammen. Schließlich könne der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit nur als Gemeinschaftswerk der gesamten Belegschaft gelingen.

Wie Mitarbeiter in den Transformationsprozess praktisch eingebunden werden können, erklärt Engler anhand eines Beispiels der Porsche-Konzernmutter Volkswagen: In dem "Project1Hour " hat Konzernchef Herbert Diess (62) allen 660.000 Beschäftigten des Unternehmens eine Stunde Arbeitszeit geschenkt, um in ihren Teams individuelle Beiträge im Kampf gegen die Erderwärmung zu entwickeln.

Mittelständler tun nach Ansicht der Mitarbeiter noch zu wenig

Das kann sich natürlich nicht jeder leisten. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen ist die Finanzdecke schmaler. Das wird auch bei der Forsa-Umfrage deutlich: Knapp die Hälfte der Mitarbeiter mittelständischer Unternehmen ist der Meinung, dass ihr Arbeitgeber sich viel stärker für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren sollte. Oftmals scheitere es hier aber auch einfach an der Transparenz, meint Porsche-Beraterin Engler. Viele Unternehmen vermarkten ihr Engagement noch nicht richtig, seien noch nicht sichtbar, auch nicht innerhalb des eigenen Unternehmens.

Das Topmanagement eines Unternehmens muss also dringend darauf achten, die Mitarbeiter aktiv in den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit einzubeziehen. Nur dann können sie den Kampf um die besten Köpfe gewinnen und die Transformation erfolgreich abschließen. "Die Fridays-for-Future-Generation können Sie nur für sich als Mitarbeiter gewinnen, wenn Ihr Unternehmen nachhaltig aufgestellt ist", meint Engler.

Vielleicht gehört Ihr Unternehmen dann auch bald zu den 100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt . So wie die dänische Firma Ørsted, die gerade zum dritten Mal in Folge als das nachhaltigste Energieunternehmen der Welt ausgezeichnet wurde. Die Dänen haben in den vergangenen zehn Jahren einen radikalen Wandel vollzogen: von einem CO2-intensiven Energieversorger zu einem Pionier im Bereich der erneuerbaren Energien. Mit den richtig eingebundenen Mitarbeitern könnte das klappen.

mg
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