Mangelnde Ernsthaftigkeit Manager sehen Nachhaltigkeit vor allem als Image-Faktor

Das Thema Nachhaltigkeit ist auch aus den Führungsetagen deutscher Unternehmen nicht mehr wegzudenken. Allerdings werden Projekte überwiegend aus Imagegründen umgesetzt und nicht zur Steigerung der Wertschöpfung, wie eine Umfrage zeigt.
Strom aus Sonne und Wind: Viele Unternehmen werben damit, nachhaltig zu wirtschaften – Teil des Geschäftsmodells sind entsprechende Maßnahmen aber nur selten

Strom aus Sonne und Wind: Viele Unternehmen werben damit, nachhaltig zu wirtschaften – Teil des Geschäftsmodells sind entsprechende Maßnahmen aber nur selten

Foto: Artjazz / IMAGO

Klima- und Umweltschutz ist nach einer Unternehmensumfrage der Personalberatung Russell Reynolds für viele deutsche Manager gut fürs Image, aber ohne Konsequenz für das Geschäftsmodell. "46 Prozent der befragten deutschen Vorstände geben an, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus Marketingerwägungen getroffen werden", um "als gesellschaftlich verantwortlich angesehen zu werden und sich über ein Nachhaltigkeitsimage vom Wettbewerb abzusetzen", teilten die Unternehmensberater in Frankfurt am Main mit. "Lediglich 15 Prozent der Vorstände setzen für zusätzliche Wertschöpfung auf Nachhaltigkeit."

Nur jeder vierte befragte Vorstand in Deutschland sei der Auffassung, dass sein Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie hat, die klar kommuniziert und umgesetzt wird. Jeder Dritte sei der Meinung, dass sich sein Vorstandschef persönlich für Nachhaltigkeit einsetzt, heißt es in der Studie. Demnach "sieht der überwiegende Teil der deutschen Vorstände und Führungskräfte Nachhaltigkeit immer noch vorrangig als Reputationsrisiko an, das es zu managen gilt".

Auch junge Führungskräfte in Deutschland seien relativ wenig damit beschäftigt: In den vergangenen drei Jahren hätten nur 26 Prozent drei oder mehr Aufgaben mit Nachhaltigkeitsbezug – gegenüber 40 Prozent ihrer Altersgruppe im internationalen Vergleich.

Dabei sähen gerade Führungskräfte in Deutschland den Umbau zu nachhaltigem Wirtschaften als eine der größten Aufgaben der nächsten zehn Jahre, sagte Unternehmensberater Max von der Planitz. "Fast alle Führungskräfte, mit denen wir sprachen, wollen zum Aufbau einer besseren Welt beitragen." Es scheine paradox: "In den elf von uns untersuchten Märkten sind sich deutsche Arbeitnehmer und Vorstände am ehesten einig über die kritischen Themen, was eigentlich die Anpassung der Geschäftsmodelle erleichtern sollte."

Für die Studie hat Russell Reynolds 9500 Vorstände, Nachwuchsführungskräfte und Mitarbeiter in weltweit elf Ländern befragt. In Deutschland befragten die Berater 89 Vorstände und 658 Mitarbeiter und Nachwuchsführungskräfte.

mg/dpa-afx