Hoffnung in Mecklenburg-Vorpommern Staat rettet Schiffbauer MV Werften mit 300 Millionen Euro

Weitere millionenschwere Staatshilfen sollen den Werften in Mecklenburg-Vorpommern das Überleben sichern. Von den rund 3000 Beschäftigten werden 650 gleichwohl ihren Job verlieren.
Kaum Schiffbau während der Pandemie: Die MV Werften (hier der Standort Stralsund) sind vorerst gerettet, doch 650 Jobs fallen weg

Kaum Schiffbau während der Pandemie: Die MV Werften (hier der Standort Stralsund) sind vorerst gerettet, doch 650 Jobs fallen weg

Foto: Stefan Sauer / dpa

Der angeschlagene Schiffbauer MV Werften mit Standorten in Wismar, Warnemünde, Stralsund und Rostock wird mit weiteren Staatsgeldern gerettet. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung hat am Donnerstag grünes Licht für die Mittel gegeben, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62) in Berlin. Das Volumen betrage insgesamt 300 Millionen Euro. "Wir wissen, was wir an unseren Schiffbauern haben und wir möchten, dass sie eine Perspektive für die Zukunft erhalten." Mit dem Geld würden viele Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern erhalten.

Der Werften-Verbund in Mecklenburg-Vorpommern baut für den asiatischen Mutterkonzern Genting Hongkong Passagierschiffe. Wegen der coronabedingten Unterbrechung der Kreuzschifffahrt Anfang 2020 war eine der wichtigsten Einnahmequellen des Konzerns weggebrochen - mit dramatischen Folgen für die Schiffbauer. Ein Großteil der knapp 3000 Beschäftigten musste in Kurzarbeit. 650 Mitarbeiter verlieren trotz der Staatshilfe ihren Job. Ihnen wird der Wechsel in Transfergesellschaften angeboten, in denen diese für neue Aufgaben qualifiziert und vor der direkten Arbeitslosigkeit geschützt würden.

Staat hilft mit Brückenfinanzierung, Nachrangdarlehen, Stiller Beiteiligung

Die Hilfen setzen sich aus 193 Millionen Euro Brückenfinanzierung zusammen, die bereits bewilligt sind. Hinzu kommen nun 47 Millionen Euro für ein Nachrangdarlehen und 60 Millionen für eine Stille Beteiligung. "Die Stützung ist Teil eines Gesamtpakets von neuen Kapitalmaßnahmen zusammen mit dem Eigentümer Genting und dem Land Mecklenburg-Vorpommern", so das Wirtschaftsministerium. Die MV Werften gehören seit 2016 dem börsennotierten Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting aus Hongkong.

CDU-Politiker Altmaier sprach von harten Verhandlungen. "Die Werft hat jetzt die Chance, nicht nur die begonnenen Schiffsbauten fertigzustellen, sondern auch neue Aufträge einzuwerben." Der Konzern teilte in Wismar mit, mit der Überbrückungshilfe solle nun die Restrukturierung angegangen werden. Es gebe nach 14 Monaten Pandemie mittlerweile Anzeichen für eine Normalisierung. "Die Buchungszahlen der Kreuzfahrt-Reedereien steigen und zeigen schon heute eine Nachfrage nach sicheren Schiffsreisen."

Altmaier spricht von harten Verhandlungen

Die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich erleichtert: "Mit dem Kredit des Bundes und dem damit greifenden Sozialtarifvertrag werden die drei Standorte Rostock, Stralsund und Wismar als funktionsfähige Werften gesichert", sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Für eine wirkliche Perspektive seien jedoch weitere Aufträge entscheidend. "Darauf müssen sich nun alle Anstrengungen konzentrieren."

Der kurz nach Ausbruch der Pandemie geschaffene WSF hat ein Gesamtvolumen von 600 Milliarden Euro, wovon 100 Milliarden für direkte Unternehmensbeteiligungen bereitstehen. Laut Wirtschaftsministerium wurden bislang 19 Anträge bewilligt im Volumen von 8,5 Milliarden Euro. Einer der Hauptprofiteure ist die Lufthansa. 120 Interessensbekundungen liegen zudem vor, der Großteil davon aus dem Mittelstand. Sieben Anträge sind derzeit in der Bearbeitungsphase.

rei/Reuters/DPA
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